Greifvogel brütet vergebens im Turm der Kilianskirche

Wanderfalken ohne Nachwuchs

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Die Enttäuschung bei Dr. Peter Koswig und Ralf Enderlein ist groß: Die beiden Wanderfalken-Eier sind kalt. Fotos: Lutz Benseler

Korbach - Das Wanderfalken-Pärchen im Turm der Kilianskirche hat wohl vergebens gebrütet: Beide Eier sind kalt. Die Chance, dass daraus noch Küken schlüpfen, ist gering.

Ralf Enderlein und Dr. Peter Koswig vom Naturschutzbund Korbach (NABU) öffnen vorsichtig den Nistkasten im Glockenturm der Kilianskirche. Zwei Eier liegen in einer windgeschützten Ecke auf dem Boden - Wanderfalken bauen keine Nester. Enderlein berührt sie vorsichtig, sie sind kalt. Die Enttäuschung bei den beiden Naturschützern ist groß: Wieder gibt es keinen Wanderfalken-Nachwuchs in Korbach. Schon im vorigen Jahr hatte ein Pärchen vergebens gebrütet.

Möglicherweise waren die beiden Vögel einfach noch zu jung, um Eltern zu sein: „Wenn eines der Tiere noch nicht geschlechtsreif ist, sind die Eier nicht befruchtet“, erklärt Enderlein. Sicherheitshalber wollen die NABU-Mitglieder in einer Woche das Gelege im Nistkasten noch einmal kontrollieren. „Aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering“, sagt der Hobby-Ornithologe.

Immerhin: In den letzten hundert Jahren hatte es wohl keine Wanderfalken mehr in Korbach gegeben. „Ich habe jedenfalls keine historischen Belege gefunden“, sagt Enderlein. In Abstimmung mit der Kirchengemeinde hatte der NABU in den vergangenen Jahren Nistkästen in den Türmen von Kilians- und Nikolaikirche angebracht. Hohe Kirchtürme mag der Wanderfalke, weil sein Instinkt ihm nahelegt, sich aus großer Höhe hinabzustürzen und seine Beute im Flug zu schnappen. Normalerweise am liebsten von einem schönen Felsen, aber der Turm der Kilianskirche eignet sich da auch nicht schlecht, bescheinigen die Vogelkundler - und bestätigt der Brutversuch.

Wesentlich erfolgreicher brüten Dohlen in beiden Kirchtürmen: „Wir hatten 2013 insgesamt 39 Dohlen“, sagt Peter Koswig. Die ersten Jungvögel in diesem Jahr sind bereits geschlüpft. Beide unter Naturschutz stehenden Arten haben übrigens dafür gesorgt, dass die Sanierung des Kilianskirchturms verschoben worden ist, um die Brut nicht zu stören. Wann es weitergeht, wird in den nächsten Tagen entschieden.

Hintergrund: Bedrohte Wanderfalken

1950 gab es in Deutschland etwa 900 Wanderfalkenpaare. 1970 waren es nur noch zwischen 25 und 30. Das lag daran, dass Pestizide aus der Landwirtschaft sich auf die Fruchtbarkeit auswirkten und die Eierschalen der Tiere so veränderten, dass die meisten Eier beim Brüten kaputt gingen. Umweltgifte wie DDT und Lindan sind inzwischen längst verboten. Durch Schutzmaßnahmen hat sich die Population der Wanderfalken mittlerweile wieder erholt. 2006 waren in Deutschland 950 Brutpaare bekannt.

Von Lutz Benseler

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