40 Jahre Hoftrac: „Initialzündung“ für Erfolg · Tag der offenen Tür im Juni

Weidemann wächst weiter

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Korbach / Diemelsee - Als „Mercedes unter den Hofladern“ bezeichnet Weidemann-Geschäftsführer Bernd Apfelbeck den Hoftrac. Seine Entwicklung vor 40 Jahren ist für die Landmaschinenhersteller die „Initialzündung für dynamisches Wachstum“. Wachsen soll auch das Werk in Korbach.

„Weidemann ist die Marke für kompakte Radlader in der Landwirtschaft“, betont Apfelbeck bei einer Werksführung in Korbach. Um ihren „Innovationsvorsprung“ zu halten, lassen sich die Weidemänner, die zum Konzern Wacker Neuson gehören, nicht gern in die Karten schauen. Anlässlich des Hoftrac-Geburtstages machen sie aber eine Ausnahme: Interessierte erhalten beim „Tag der offenen Tür“ am 16. Juni Einblicke in die Geschichte des kleinen, knickgelenkten Radladers und des Unternehmens.Die Maschinenfabrik, die Oswald Weidemann 1960 in Flechtdorf gründete, hat sich laut Apfelbeck zu einem der modernsten Radladerwerke entwickelt.

Knicklenker mistet mobil

Dass Weidemann nach eigenen Angaben in Zentraleuropa Marktführer bei Hoftracs (Markenzeichen für kleine bis mittelgroße Radlader), Radladern und Teleskopladern für Landwirtschaft, Gartenbau, Pferdebetriebe, Kommunen und Industrie ist, schreiben die Landmaschinenbauer ihrem Erfolgsprodukt zu. Stolz blickt der technische Geschäftsführer Hans-Heinrich Schmidt daher auf die Entwicklung des Hoftracs zurück. Seit 1974 bei Weidemann beschäftigt, hat er das Produkt mitgeprägt. Aus der ersten Dreirad-Kons­truktion erwächst 1972 ein kleiner Knicklenker. 1974 geht der „Perfekt 130“ in Serie.

„Die Knicklenkung ermöglichte das Wenden im Stall“, erklärt Schmidt. „In einem so kleinen Gerät war sie damals einmalig.“ Weidemann hatte den Weg zur „mobilen Entmistung“ geebnet. Die Landwirte lieben die Maschine, die ihnen die Arbeit auf dem Hof erleichtert. Bereits vier Jahre später reichen die Kapazitäten in Flechtdorf nicht mehr aus. Weidemann siedelt an den Ortsrand um. Modellpalette, Produktionszahlen und Werkshallen wachsen in den Folgejahren stetig.

Ein „ganz entscheidender Entwicklungsschritt“ ist für Schmidt der Start der 02er-Serie 1980. Die Stichworte lauten hydrostatischer Antrieb, geschlossene Kastenbauweise, Schnellwechselsystem für die wachsende Palette an Anbaugeräten (sowie leisere und leistungsstärkere Motoren. „Unsere wendigen Maschinen waren bei der Entmistung viel schneller als Frontladerschlepper. Der Ruf nach kleinen, billigen Maschinen ist bis heute nicht verhallt“, blickt Schmidt optimistisch voraus.

Wie in der Vergangenheit setzt er auch in Zukunft darauf, die Anregungen der Kunden bei der Konstruktion umzusetzen, um Service und Sicherheit weiter zu verbessern. Verschiedene Ausstattungsoptionen ermöglichen dem Kunden darüber hinaus, die Maschine nach ihren individuellen Anforderungen zusammenzustellen. Bis heute produzieren die Landmaschinenbauer mehr als 65 000 rote Weidemänner. Mit dem Umzug ins neue Werk nach Korbach 2007 verdoppeln sie ihre Kapazität. Das Werk ist laut Apfelbeck auf 6000 Einheiten im Jahr ausgelegt. 16 000 der insgesamt 50 000 Quadratmeter großen Fläche sind derzeit bebaut.

Rückzug aus Flechtdorf?

Das soll sich laut Vertriebsprofi Apfelbeck bald ändern: Da Weidemann inzwischen zwei Vertriebskanäle bedient, stößt das Unternehmen an Grenzen. Um die roten Weidemänner für Landwirtschaft, Kommunen und Industrie sowie die gelben Wacker-Maschinen für Bauunternehmen und Landschaftsbauer zügig herstellen zu können und für die Zukunft gerüstet zu sein, denkt die Geschäftsführung über Folgendes nach:

- Einführung einer zweiten Schicht - Aktionen zur Rekrutierung von Fachkräften - Investitionen ins Fachhändlernetz - Technische Weiterentwicklung: Elektromobilität- Werkserweiterung

„Wir brauchen mehr Fläche, vor allem ein Lager für fertige Maschinen“, erläutert Apfelbeck. Die Kunden seien nicht mehr bereit, lange zu warten. Das 30 000 Quadratmeter große Optionsgrundstück in der Nachbarschaft will Weidemann daher „in naher Zukunft“ von der Stadt erwerben. „Wir wollen auch neue Mitarbeiter einstellen.“ Ob Weidemann künftig auf einen oder zwei Standorte setzt, bleibt offen. „Wir überlegen, ob es sinnig ist, alles in Korbach zusammenzuführen. Es gibt aber viele Für und Wider. Die Finanzmittel, die der Konzern bereitstellt, und die Wirtschaftlichkeit werden entscheiden.“

Hintergrund

Name: Weidemann GmbH

Branche: Land- und Baumaschinen

Gründung: 1960 durch Oswald Weidemann als Maschinenfabrik Weidemann KG. Das Werk I entsteht an der Flechtdorfer Aatalstraße.

Inhaber: 100-prozentige Tochter des Konzerns Wacker Neuson (München) seit 2005

Mitarbeiter: 300, davon 15 Auszubildende

Standorte: Flechtdorf, Korbach

Umsatz: keine Angabe. Der Konzernumsatz 2011 beträgt 991,6 Millionen Euro.

Umsatzerwartung: steigend

Exportanteil: über 50 Prozent, vorwiegend europäisches Ausland und USA. (nv)

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