Korbach

Wellengang in der Badewanne

- Korbach. Vor etwa 100 Jahren erregte die Wellenbadschaukel großes Aufsehen. Der Berliner Fabrikant „Moosdorf und Hochhäusler“ verdiente sich mit diesen Wannen eine goldene Nase und machte den damals so beliebten Seebädern Konkurrenz.

Die verzinkte Wanne mit gebogenem Boden, deren Kopfende zu einem kurzen Baldachin hochgezogen war, erreichte Kultstatus. Denn um 1900 hatte sich das Wissen über die heilende Wirkung von Wasseranwendungen rasch verbreitet. Auch in Deutschland war ein Reinigungsbad pro Woche üblich geworden. Ob als Sitz-, Dampf- oder Vollbad, nutzte ein jeder die neue Form von Entspannung. Die Badewanne, mit der man schaukeln konnte, sollte sogar Auswirkungen auf das psychische und physische Wohlbefinden haben und Körper und Geist beruhigen. Der Blutkreislauf sollte dabei angeregt werden, sodass man sich nach dem Bad ausgesprochen verjüngt fühlte. Um diese gesundheitlichen Vorteile nutzen zu können, erforderte es „die richtige Schaukeltechnik“: Man füllte die Wanne mit zwei bis vier Eimern Wasser, setzte sich möglichst hoch in die Rückenlehne und erreichte durch Anziehen und Strecken der Beine bis zu zwölf Sturzwellen in der Minute. Was sich die Reichen und Schönen teuer an der Meeresküste erkauften, konnte der kleine Mann so beim Bad am Wochenende in der Küche erlangen. Damit dieser Erfolg überhaupt erst erreicht werden konnte, war eine ausgeklügelte Werbekampagne nötig gewesen. Wellengang für jedermann – nur 42 Reichsmark. Von der illustrierten Zeitung über Theatervorhänge bis hin zu Litfaßsäulen zog sich der Werbeslogan „Bade zu Hause“. Selbst Schokolade in Miniaturformat einer Badewanne wurde hergestellt. Die Schaukelbadewanne entwickelte sich zum Kassenschlager. Man fragt sich nun, warum solche Wannen dann heute nicht mehr existieren. Doch die Entwicklung blieb nicht stehen und die Wanne zog in die Wohnung des Bürgertums ein als fest installiertes Inventar mit zentraler Wasserversorgung, Badeofen und eingebautem Ausguss. So entwickelte sich die Bequemlichkeit in den Stadthäusern an der Wellenbadschaukel vorbei. Die Produktion wurde eingestellt und auch die letzten Exemplare verschwanden. Umso stolzer ist das Wolfgang-Bonhage-Museum, eine solche Wellenbadschaukel präsentieren zu dürfen, auch wenn man nicht genau weiß, welcher Korbacher Bürger mal in dieser Badewanne geschaukelt hat. Von Marie Pohlmann

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