Jörg Pfeil kehrt nach acht Jahren als Musikschullehrer nach Korbach zurück

Weltenbummler in Sachen Musik

Korbach - Jeden Abend in den vergangenen vier Jahren stand Jörg Pfeil mit seiner Gitarre auf einer Bühne – in kleinen Clubs in New York, in riesigen Hallen in Spanien oder mit seinen Freunden auf den Jazzbühnen Addis Abebas. Jetzt kehrt er zurück – nach Deutschland und nach Korbach.

Wenn er auf der Bühne sitzt, seiner Gitarre alles abverlangt, wenn er jazzt und swingt und Neues schafft, dann ist Jörg Pfeil in seinem Element. Und dann ist es ganz egal, auf welcher Bühne er steht, in welchem Land, mit wie vielen Zuschauern. Hunderte hat er gesehen, vielleicht sogar Tausende. Damals, als er aufbrach, ahnte er schon, dass eine unruhige Zeit beginnen würde, mit vielen Reisen durch zahllose Länder der Welt, mit spannenden Begegnungen und unzähligen Melodien.

Das war vor 14 Jahren. Seine Frau zog damals nach Libyen, er pendelte zwischen Nordafrika und Korbach. „Morgens der Muezzin und abends die Kirchenglocken“, sagt er, „das war gar nicht so einfach.“ Seine Arbeit als Musikschullehrer in Waldeck-Frankenberg aber wollte er nicht aufgeben und wagte deswegen den Spagat. „Es war immer die Musik, die mich angetrieben hat“, sagt er. Das war schon in seiner Kindheit so, als seine Mutter ihm in Bad Laasphe die erste Gitarre in die Hand drückte. Er machte die Lehre zum Elektroinstallateur, wollte aber immer nur Musiker sein – und wurde es schließlich auch.

Als er erste Kontakte zu Musikern in Äthiopien schloss und mit ihnen gemeinsam ein Projekt auf die Beine stellte, fing er Feuer. „Das war so abgefahren“, sagt er. Die Deutschen versuchten es mit Noten und Taktschlägen, um beim Proben einen gemeinsamen Nenner zu finden. Die afrikanischen Musiker trommelten Rhythmen. „Und trotzdem sprachen wir alle die gleiche Sprache, nämlich die Musik“, sagt Jörg Pfeil. Das Projekt wurde ein Erfolg: Gemeinsam brachten deutsche und äthiopische Musiker eine CD heraus. 2006 machte sich Pfeil dann selbst auf den Weg nach Äthiopien – da hatten seine Reisejahre längst begonnen.

Tagsüber Lehrer, abends ein Star

„Es ist eine kleine Musikszene, da kennt jeder jeden“, sagt er. Also ging er mit seiner Gitarre am ersten Abend in den kleinen Jazzclub, traf Freunde und Wegbegleiter und spielte. Klänge von Krar und Masinko mischten sich mit Gitarre und Stimmen, und ein neues Kapitel begann. Am Tage unterrichtete Pfeil an der deutschen Schule Musik, am Abend stand er mit Sängerin Munit Mesfin auf der Bühne – jeden Abend. „Sobald man mit jemand anderem zusammen spielt, lernt man wieder was“, sagt Pfeil, „immer, egal, wie lange man schon spielt.“ Man könne sich als Musiker besser einordnen, wenn man sich erst mal auf den Weg in die Welt gemacht, mit den Besten der Besten zusammen auf der Bühne gestanden habe. „Du merkst, da gibt es 'nen Zirkus und du machst mit“, sagt er lachend.

Und Jörg Pfeil machte mit. „Das war die ganz, ganz große Schule“, sagt er. Mal traten sie auf Festivals auf und standen plötzlich vor 5000 jubelnden Zuhörern, dann wieder nahmen sie in kleinen Clubs Gitarre und Mikrofon zur Hand. 2011 verließen die beiden Äthiopien. „Wir wurden international“, erzählt Pfeil. Spanien, die USA und Ägypten, kleine Clubs in New York und Berlin, große Bühnen auf Fuerteventura.

„Jetzt bin ich müde“, sagt Jörg Pfeil. Aber das Strahlen in seinen Augen ist noch da und die Liebe zur Gitarre auch. „Aber jetzt will ich etwas, das ich Heimat nennen kann“, sagt er. Seine Tochter ist vier, auch für sie will er ein Zuhause. Also ist er nach vielen Jahren in der Welt zurückgekehrt.

Zurück als Musikschullehrer in Korbach

Fürs Erste will er vor allem wieder unterrichten – ab sofort auch wieder in der Korbacher Musikschule. „Nur manchmal, wenn ich so im Auto zwischen Bad Laasphe und Korbach unterwegs bin“, sagt er, „dann habe ich plötzlich all die Orte vor Augen, an denen ich schon gewesen bin. (Theresa Demski)

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