Korbach

Wenn „Aliens im Vorgarten“ kampieren

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- Korbach (resa). Mitdenken, mitmachen und selbst entscheiden: Am Sonntag (15 Uhr) eröffnet im Bonhage-Museum eine interaktive Ausstellung über gebietsfremde Arten. Was die für den Landkreis bedeuten, zeigt Tanja Müller in einer zweiten Ausstellung.

Was haben Regenbogenforelle und Kartoffel gemeinsam? Richtig zubereitet sind sie eine Köstlichkeit. Und sie sind beide Neobiota. Was schwierig klingt, ist schnell erklärt: Tiere und Pflanzen, die nach der Entdeckung Amerikas (1492) dank des Menschen den Sprung in den deutschen Lebensraum schafften, werden Neobiota genannt – „neues Leben“ oder englisch „Aliens“. Das gilt für die Regenbogenforelle, die ursprünglich aus Nordamerika stammt, ebenso wie für die Kartoffel, die in Venezuela und Argentinien zu Hause ist.

Eine Ausstellung zu diesen „Aliens im Vorgarten“ wird am Sonntag im Wolfgang-Bonhage-Museum eröffnet. „Wir wollen zeigen, wie diese Arten nach Deutschland gekommen sind“, erklärt Ausstellungsarchitekt Julius Thomas Tamar. Und so können sich die Besucher auf humorvolle Weise auf die Spuren von Regenbogenforelle, Waschbär und Herkulesstaude, von Sonnenbarsch, Riesenbärenklau und Douglasie machen. Manche von ihnen wurden bewusst in den deutschen Lebensraum gebracht, andere hefteten sich an Passagiere auf Schiffen und in Flugzeugen und wurden so oft zu ungebetenen Einwanderern. Im Museum können kleine und große Besucher gebetene und ungebetene Gäste und ihren Weg entdecken.

„Die Ausstellung soll zum Nachdenken anregen“, erklärt auch Volker Beermann vom Museum in Osnabrück, das die Wanderausstellung gemeinsam mit Studenten entwickelt hat. Denn viele der „Aliens“ seien gefährliche Gäste und würden die Artenvielfalt bedrohen: So verdränge die Regenbogenforelle zuweilen heimische Arten, die Douglasie mache den Buchen das Leben schwer und der Riesenbärenklau berge viele Gefahren. „Andere sind uns sehr willkommen“, sagt Volker Beermann, „jeder Besucher soll sich ein eigenes Bild machen.“ Und noch etwas anderes wünschen sich die Erfinder für ihre aufwendige Ausstellung: „Wir wollen die Menschen dafür sensibilisieren, woher das Essen auf dem Tisch kommt“, sagt Julius Thomas Tamar. Denn auch auf den Tellern Waldeck-Frankenbergs befinden sich Neobiota.

Ab August wandern beide Ausstellungen dann weiter: erst ins Ottoneum nach Kassel, dann nach Borken und schließlich ins NationalparkZentrum in Herzhausen.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Freitag, 1. April

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