Dr. Manfred Herbert ist als Transplantationsbeauftragter für das Einhalten der Regeln verantwortlich

Wenn andere über Organe entscheiden

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Als Transplantationsbeauftragter im Stadtkrankenhaus Korbach ist Dr. Manfred Herbert von der Hirntod-Diagnostik bis zur Organentnahme beim Patienten dabei.

Korbach - Patienten befürchten, dass durch den Organspendeskandal die Bereitschaft zur Spende nachlässt. Auch im Korbacher Krankenhaus kann es zu Organentnahmen kommen. Für den reibungslosen Ablauf in solch einem Fall gibt es einen sogenannten Transplantationsbeauftragen.

Dass im Korbacher Stadtkrankenhaus Organe entnommen und einem Empfänger zugute kommen, ist selten der Fall. Wenn es aber dazu kommt, dann muss auch alles nach Plan laufen. Das weiß keiner so gut wie Dr. Manfred Herbert. Der Chefarzt der Anästhesie ist, seitdem es die Position gibt, Transplantationsbeauftragter im Krankenhaus Korbach.

Organentnahme in Korbach

2000 trat das „Hessisches Gesetz zur Ausführung des Transplantationsgesetzes“ in Kraft und damit auch die Transplantationsbeauftragen auf den Plan. In jedem Krankenhaus, das über eine Intensivstation verfügt, muss es jemanden geben, der Abläufe für das Personal für eine mögliche Organentnahme festlegt und für die Einhaltung des Gesetzes sorgt.

„In Korbach haben wir in den vergangenen 20 Jahren drei Organentnahmen für eine Spende durchgeführt“ erklärt Herbert. Das liegt vor allem daran, dass für eine Spende in Frage kommenden Patienten meistens nicht in Korbach behandelt werden, da es sich zum Beispiel um neurologische Fälle handelt. Diese werden schon im Vorfeld in andere Krankenhäuser verlegt. „Viel häufiger als eine Organentnahme haben wir aber eine Hirntod-Diagnostik vor einer mögliche Transplantation durchgeführt“, so Herbert. Denn bevor in Korbach überhaupt eine Organentnahme erfolgen kann, muss der Hirntod des Patienten festgestellt werden.

Dafür gibt es einen geregelten Ablauf, den Manfred Herbert für das Krankenhaus erstellt hat. Weist alles auf den Hirntod eines Patienten hin, wird dieser an die Koordinationsstelle der „Deutschen Stiftung Organtransplantation“ (DSO) gemeldet. Von dort wird ein Transplantationszentrum beauftragt, das nächste liegt zum Beispiel in Marburg. Ein Team dieses Zentrums stellt dann mit Ärzten des Korbacher Krankenhauses den Hirntod fest. Dafür gibt es ein Protokoll, das abgearbeitet werden muss. So wird die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen, aber auch der Husten- und Würgereflex getestet.

Hat der Patient keinen Organspendeausweis, erfolgt der wohl unangenehmste Teil - das Angehörigengespräch. „Es ist die schwierigste Frage zur ungünstigsten Zeit an die unglücklichste Familie“, weiß Herbert. Die Familie muss für den Verstorbenen entscheiden, ob dieser zu einer Organspende bereit gewesen wäre. „Daher sollte sich jeder vorher überlegen, wie er zu dem Thema steht“, rät Herbert. In den letzten beiden Fällen in Korbach habe die Familie eine Organspende abgelehnt.

Entscheidung treffen

Stimmen die Angehörigen einer Organentnahme zu, werden die Ergebnisse der Laboruntersuchung (zum Beispiel Blutgruppe, Infektionsmarker wie HIV) an Eurotransplant in den Niederlanden weitergereicht.Die Organisation ist zuständig für die Zuteilung von Organen in sieben europäischen Ländern. Dort geht es dann nach Kriterien wie Verträglichkeit des Organs beim neuen Empfänger, Dringlichkeit und Wartezeit. „Dafür gibt es ein kompliziertes Punktesystem. Wenn ein Arzt Daten fälscht, kann Eurotransplant nichts dafür“, verteidigt Herbert die Organisation hinsichtlich des Skandals.

Im nächsten Schritt wird ein Team beauftragt, dass im Korbacher Krankenhaus das Organ entnimmt und in das Transplantationszentrum des Empfängers bringt. Der gesamte Ablauf wird eng begleitet von Dr. Manfred Herbert. Zudem meldet er der DSO monatlich die Zahl der durchgeführten Hirntoddiagnostiken in Korbach. Für die Mitarbeiter der Intensivstation und des Operationssaals gibt er Schulungen und auch für die Öffentlichkeit hält er Vorträge über die Organspende. Wichtig ist ihm, dass jeder eine Entscheidung treffen sollte, egal ob für oder gegen die Organspende. Denn das sollten nicht die Angehörigen übernehmen müssen.

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