Märchenhafter Abend in der Bücherei: Antje und Martin Schneiders „Undinenzauber“

Wenn Mensch und Wasserfrau sich lieben

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Antje und Martin Schneider (l.) mit Flötistin Elisabeth Büttner und Gabriele Müller (Piano).

Korbach. - Undinen, Nixen und andere Elementargeister sind das Thema von „Undinenzauber“, dem neuen Programm von Antje und Martin Schneider, das in der Korbacher Stadtbücherei seine Premiere erlebte.

In der impressionistisch flirrenden Feuer-, Luft- und Wassermusik von Flötistin Elisabeth Büttner und Gabriele Müller (Piano) gaben sämtliche Elemente ihr Stelldichein, auch wenn die nicht ungefährliche Liebe zwischen Mensch und Wasserfrau im Mittelpunkt der vorgetragenen Gedichte, Märchen, Sagen und Legenden stand.

Blieben die Reize der Natur in Joseph von Eichendorffs „Lockung“ noch eher unpersönlich, so machte die „Gro’ach von der Insel Lok“ dem Helden ein konkretes Heiratsangebot, ehe sie ihn in ihrem Stahlnetz fing und in einen Frosch verwandelte. In dem bretonischen Märchen retten die Liebe und der Einfallsreichtum einer menschlichen Frau den einfältigen Mann vor dem Weiterleben als Frosch an einem Teich, in dem seine Leidensgenossen als Fische schwimmen.

Vertauschte Rollen dagegen in Friedrich de la Motte-Fouqués „Undine“, jener tragischen Dreiecksgeschichte zwischen dem Huldbrandt, dem Elementarwesen Undine, das durch die Hochzeit mit einem Menschen eine unsterbliche Seele bekommt, und Bertalda, der ursprünglichen Verlobten, zu der sich der Ritter nach wie vor hingezogen fühlt. Undine nimmt alles hin und wird am Ende doch den Gesetzen ihrer Gattung gehorchen und ihren untreuen Gemahl töten, als der sich mit Bertalda vermählen will. Heinrich Heine hatte Fouqués Erzählung als „wunderliebstes Gedicht“ bezeichnet, das „selbst ein Kuss“ ist. In acht Vierzeilern gestaltete der Lyriker dann selbst die Umarmung eines Menschenkindes durch eine gerade erst aus den Fluten gestiegene Wasserfrau.

Die Nähe zum Wasser ist auch in die „Die Nixe im Teich“ von den Brüdern Grimm gefährlich für einen jungen Mann, der schon vor seiner Geburt einer Nixe versprochen war. In diesem Fall hat seine Frau eine heikle und langwierige Rettungsmission zu bestehen, ehe die beiden Liebenden einander wiedererkennen.

Endet die Liebe zwischen Wasserfrau und Menschenmann meist unglücklich, so können ein paar aufmerksame Frauen einer traurigen Nixe durchaus zu ihrem Glück verhelfen. So steht es jedenfalls in Eduard Mörikes Märchen von der schönen Lau, die erst fünf Mal herzhaft lachen musste, ehe sie ein Kind gebären konnte.

Mit diesem versöhnlichen Abschluss und einem federleichten Impromptu für Klavier und Flöte klang der märchenhafte Abend aus. (ahi)

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