Anhänger Eberhards Abenteuer als heiterer Ausflug in die Welt der Klangfarben

Wenn die Orgel Geschichten erzählt

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Mit Klanggeschichten für alte und junge „Kinder“ brachten Thomas Schwill als „Anhänger Eberhard“ und Eberhard Jung an der Orgel der Kilianskirche dem bunt gemischten, aber vornehmlich jüngeren Publikum die Vielfalt des Instruments nahe.

Korbach - Viel zu lachen und jede Menge erstaunliche Geräusche gab es am Sonntagmorgen beim Orgelkonzert für Kinder „von 4 bis 99 Jahren“ in der Kilianskirche.

Bei „Eberhards verwegenen Abenteuern“, die von Stadtkantor Eberhard Jung an der Orgel und von Thomas Schwill mit Worten erzählt wurden, war so gut wie jede Wendung des Ausflugs eines abenteuerlustigen Anhängers für einen Lacher gut; sogar die traurige Ausgangslage mit dem dauernd streitenden Ehepaar Reinbeiß, das dem wackeren Anhänger in 25 Jahren keinen einzigen frischen Anstrich gegönnt hat. Statt dessen verweigert die Bäuerin gar jegliche Berührung und schimpft: „Den Schietkarren fass‘ ich nich‘ an“.

Höchste Zeit für Anhänger und Namensvetter des Organisten, sich endlich mal ein wenig in der Welt umzusehen. Und ein Anhänger, der gerade mal seine Räder zählen und keine Verkehrsschilder lesen kann, kommt in so allerlei Situationen von denen er sich vorher nichts träumen ließ. Zum Beispiel, dass ihm auf der Autobahn so viele winkende und hupende Autos entgegenkommen.

Wenn die Orgel hupt

Eberhard Jung begleitet die Geisterfahrt mit „Das Wandern ist des Müllers Lust“ und lässt die Orgel dabei auf den anderen Manualen in den unterschiedlichsten Tonarten hupen. Bis das Signalhorn der Polizei den Anhänger zur Abfahrt und Rast unter einem Apfelbaum bewegt. Dort beginnt der Hauptteil der Erzählarbeit der Orgel, die nun vier Personen und einen Überraschungsgast spielt, der wie ein Presslufthammer klingt und alle in Angst und Schrecken versetzt: Der schnarchende Marienkäfer Waldemar, wegen dem alle auf andere Bäume umgezogen sind, sogar die Raupen. Den Schmetterling Katinka, das Rotkehlchen Veronika, die Waldohreule Genoveva und das Mädchen Magdalena hatte Eberhard Jung zuvor mit ihrer charakteristischen Musik (wie bei Peter und der Wolf) vorgestellt, als ihm die Kinder nicht glauben wollten, dass die Orgel Geschichten erzählen kann.

Ins Waldecker Land

Die Bachsche Friedensmusik, mit der die Komponistin Christiane Michel-Ostertun die Magdalena charakterisiert hatte, müssen sich die Zuhörer merken, doch das beeindruckend dunkle Heulen der Eule auf dem untersten Manual ist ebenso unverkennbar wie das Flattern des Rotkehlchens und das Schwirren des Schmetterlings. Gegen das Presslufthammer-Schnarchen des Marienkäfers fällt auch Eberhard nichts ein, der immerhin lange genug unterm Baum verschnaufen kann, bis die Eule eine Lösung gefunden hat.

Im alten Trecker Fred, der bei der Meldung vom geisterfahrenden Anhänger vom Schrottplatz in Buxtehude ausgebüxt ist, findet Eberhard einen Helfer, der ihn davor bewahrt, von der Polizei wieder eingefangen zu werden. Endstation der Reise der beiden neuen alten Freunde ist das Waldecker Land, wo sie seit ihrer Ankunft viele Kinder auf den Eisenberg gebracht haben.

Programm heute

Mit dem „Fuhrmann des Todes“ geht es heute Abend um 19.30 Uhr weiter mit der Korbacher Orgelwoche. Das Geschehen von Victor Sjöströms Stummfilmklassiker wird von Thorsten Maus an der Orgel illustriert und interpretiert.

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