Weidezäune: Horizont entdeckt die Wolfsabwehr als neues Geschäftsfeld

Wenn der Wolf an den Schafspelz will

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Wollen Schafe besser schützen (von links): Geschäftsführer Dieter Hake und Verkaufsleiter Jörn Osterkamp mit dem Wolfsabwehrnetz.

Korbach - Der Wolf ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Weil auch Schafe und Ziegen auf seinem Speiseplan stehen, müssen Schäfer ihre Herden schützen. Dabei hilft ihnen Horizont aus Korbach: 2014 ist das Unternehmen mit einem Wolfsabwehrnetz auf den Markt gegangen.

Ein überfahrener Wolf im Frühjahr bei Frankfurt, kurz darauf einer bei Bad Soden-Salmünster, eine Sichtung im Reinhardswald und eine vor einiger Zeit in Raum Gießen. Und schließlich vor einer Woche 16 Lämmer, die bei Edertal-Gellershausen aus ihrem Pferch ausbüxten und spurlos verschwanden. Die Besitzer vermuten, dass ein Wolf der Auslöser für eine Flucht in Panik war.

Es sieht so aus, dass der Wolf auch in Hessen zurück ist. Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) geht von einer schrittweisen Rückkehr des Beutegreifers aus. „Wir rechnen mit mehr Einzelwölfen in Hessen in der nächsten Zeit“, sagte die Ministerin kürzlich in Wiesbaden. Die Zahl der Wölfe in Deutschland wächst schnell: Im Jahr 2000 wurden die ersten Wolfswelpen in Freiheit geboren, seitdem erobern sie sich langsam ihre alten Lebensräume zurück. Mittlerweile leben in Deutschland laut Naturschutzbund (NABU) 31 Rudel und vier Wolfspaare. „Wir gehen davon aus, dass die Population weiter wächst“, sagt Jörn Osterkamp, Verkaufsleiter bei Horizont in Korbach. Das Unternehmen, das unter anderem Weidezäune herstellt, hat die Wolfsabwehr als neues Geschäftsfeld entdeckt.

Immer häufiger stehen auch Nutztiere auf dem Speiseplan der Wölfe

Denn mehr Wölfe fressen auch mehr. Und nicht immer stehen nur Rehe, Hirsche, Wildschweine oder andere frei lebende Tiere auf ihrem Speiseplan. Allein in Sachsen wurden in diesem Jahr bis Anfang August insgesamt 56 Nutztiere vermutlich durch den Wolf getötet und sieben Tiere verletzt, so die Statistik des für die Wolfsbeobachtung zuständigen Kontaktbüros Wolfsregion Lausitz. „Es geht um die Existenz der Schäfer“, sagt Horizont-Geschäftsführer Dieter Hake. Ein Problem ist, dass noch immer Halter ihre Tiere angepflockt und uneingezäunt den Raubtieren quasi auf dem Silbertablett servieren. So waren in sechs Fällen die in Sachsen getöteten Tiere gar nicht oder nur unzureichend gegen Wolfsangriffe gesichert. In Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverband hat Horizont ein spezielles Wolfsabwehrnetz entwickelt und vor einem Jahr auf den Markt gebracht.

Das Wolfsabwehrnetz ist mit 1,20 Metern höher als herkömmliche Netze für Ziegen und Schafe und verfügt über ein zusätzliches Band, das sich im Wind bewegt, als optische Hürde. „Das irritiert den Wolf. Er kann dadurch die Höhe schlechter abschätzen und beim Sprung auch nicht aufsetzen, um sich abzustützen“, sagt Hake.

Außerdem steht das Netz unter Strom. Ein elektrischer Schlag aus dem auf das Netz abgestimmten Weidezaungerät soll für einen Lerneffekt beim Wolf sorgen, um ihn dauerhaft von den Weidetieren fernzuhalten. Nach Unternehmensangaben ist das Netz die einzige übersprungsichere Variante auf dem Markt.

Entstanden ist das Wolfsabwehrnetz in der eigenen Entwicklungsabteilung und der eigenen Produktion bei Horizont in Korbach. „Unsere Stärke ist, ein solches Produkt selbst voranzubringen“, sagt Hake. In einer Art Studie in Zusammenarbeit mit Schäfern und dem sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie hatte Horizont zunächst verschiedene Varianten getestet. „Das Netz hat sich als eine einfache Art der Wolfsabwehr herausgestellt. Die Konstruktion lässt sich am schnellsten auf- und abbauen“, sagt Osterkamp.

Horizont forscht, ob Lichtblitze Wölfe abhalten können

Weitere Produkte sind derzeit in der Testphase: So untersucht Horizont, ob optische Reize - etwa Lichtblitze - den Erfolg der Abwehr weiter erhöhen können.„Es wird weiter geforscht und entwickelt“, sagt Hake.

Auch sonst engagiert sich Horizont rund ums Thema „Wolf“. Mitte Mai hatte das Unternehmen das erste internationale Expertenforum „Wolfsabwehr/Herdenschutz“ mit 110 Teilnehmern in Korbach organisiert. Die Beiträge des Forums sind in einer Dokumentation zusammengefasst. Interessierte können sich an Horizont wenden: expertenforum@horizont.com.

Von Lutz Benseler

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