Schwarzarbeit: Angestellte in neun Branchen müssen Ausweis mit sich führen

Wenn der Zoll ans Autofenster klopft

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Der Sozialversicherungsausweis reicht nicht mehr: Seit 2009 müssen Mitarbeiter bestimmter Branchen immer einen Personalausweis oder Pass in der Tasche haben.

Korbach - Wenn der Zoll nach Schwarzarbeitern sucht: Mitarbeiter bestimmter Branchen müssen ihren Ausweis immer dabei haben.

Verdutzt schaut der Vertreter eines Feuerlöscherherstellers, als er bei einer Kontrolle an einer Bundesstraße vom Zoll angehalten wird. Der Korbacher soll seinen Personalausweis vorzeigen. Sonst drohe ihm ein Verwarnungsgeld über 35 Euro, erklärt ihm der Beamte. „Das war mir nicht klar, dass eine Mitführpflicht besteht“, sagt der Korbacher, der außer dem Führerschein keine Papiere dabei hat.

Neun Branchen betroffen

„Tatsächlich müssen Angestellte in Branchen, die besonders von Schwarzarbeit betroffen sind, Ausweispapiere mitführen“, erklärt Michael Bender vom Zoll in Gießen. Das können der Personalausweis sein, der Reisepass oder entsprechende Ersatzpapiere. Fotokopien akzeptieren die Beamten übrigens nicht. Betroffen sind neun Branchen:

-Unternehmer der Forstwirtschaft

-Fleischwirtschaft,

-Speditions-, Transport- und Logistikgewerbe

-Gebäudereinigergewerbe,

-Schaustellergewerbe

-Personenbeförderungsgewerbe,

-Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe

-Messebau

-Baugewerbe

„Selbstständige trifft es nicht, nur abhängig Beschäftigte“, sagt Bender. Die Arbeitgeber seien dabei verpflichtet, ihre­ Mitarbeiter auf die Mitführpflicht hinzuweisen. Die verschärfte Regelung gilt bereits seit 2009. Vorher reichte der Sozialversicherungsausweis aus. „Da durch Ausweispapiere eine schnellere und zweifelsfreiere Identifikation ermöglicht wird, ersetzen sie den Sozialversicherungsausweis“, sagt der Zoll-Sprecher. Aber noch immer wissen viele Beschäftigte nicht, dass sie sich bei Kontrollen ausweisen müssen.

Seit drei Jahren versucht die Bundesregierung verstärkt gegen die Schattenwirtschaft vorzugehen. Mit Schwarzarbeit werden in Deutschland laut Umfragen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln schätzungsweise 150 Milliarden Euro im Jahr umgesetzt. Jeder fünfte Deutsche gibt zu, schwarz zu arbeiten - und fast jeder Dritte greift auf Schwarzarbeit zurück.

Noch drücken die Zoll-Beamten bei Kontrollen ein Auge zu, wenn die Betroffenen ihre Identität auch anders nachweisen können, etwa über den Führerschein. „Das reicht meist aus, um festzustellen, ob jemand sozialversicherungspflichtig ist. In der Regel verzichten wir auf das Geld und verwarnen nur mündlich“, sagt Bender. Auch der Vertreter aus Korbach ist glimpflich davongekommen: „Der Beamte hat von dem Verwarnungsgeld abgesehen und ich konnte weiterfahren.“ (lb)

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