Drogenprozess gegen drei Korbacher vor dem Landgericht Kassel

„Wer mit wem wie oft?“

Kassel/Korbach - Als mutmaßliche Drahtzieher sind zwei Männer (23 und 27 Jahre) und eine Frau (22) aus Korbach vor dem Kasseler Landgericht angeklagt. Am dritten Prozesstag am Dienstag sollte eine Handvoll Beteiligter berichten, wie die Transporte im Einzelnen abliefen, also „wer mit wem wie oft“ nach Holland fuhr, wie der Vorsitzende Richter Volker Mütze die entscheidenden Fragen zusammenfasste.

64 Mal sollen Drogenkuriere in der Zeit von Juli 2009 bis Juli 2011 Marihuana aus den Niederlanden nach Deutschland gebracht haben. Die jeweils ein bis zwei Kilogramm schweren Rauschgiftpakete, meist verpackt in silbernen Folienbeuteln, sind dann in einer Wohnung in Brilon und einer Schrebergartenhütte in der Weizackerstraße in Korbach versteckt worden, um verteilt und verkauft zu werden, so die bisherigen Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Antworten gab es in der etwa dreistündigen Verhandlung jedoch nur von zwei der fünf geladenen Zeugen. Einer erschien krankheitsbedingt gar nicht erst vor der 6. Strafkammer. Zwei machten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und deshalb keine Angaben, weil gegen sie ebenfalls ein Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet wurde. Immerhin erhellten aber wenigstens zwei Mitfahrer die Geschehnisse.

Sie habe sich breitschlagen lassen, berichtete eine 27-jährige Frau aus Waldeck-Frankenberg, ab Februar 2011 viermal an den kriminellen Ausflügen ins Nachbarland teilzunehmen. „Und warum?“, wollte ein Verteidiger wissen - „Das frage ich mich heute noch.“ Sie habe im Gegenzug pro Fahrt 20 Gramm Marihuana für den eigenen Konsum und Spritgeld erhalten. Außerdem sei sie regelmäßig mit 100-Gramm-Päckchen Marihuana zum Weiterverkauf beliefert worden.

Nach einer Hausdurchsuchung und den polizeilichen Vernehmungen „habe ich jeden Tag Angst vor einer Haftstrafe“, begründete sie ihre Bereitschaft, vor Gericht auszusagen. So schilderte sie ausführlich logistische Details der Straftaten. Sie habe mit ihrem Golf zunächst den 23-jährigen Angeklagten in Korbach abgeholt. An der Landesgrenze angekommen, sei sie nach 30 bis 45 Minuten Wartezeit wieder als Begleitschutz des eigentlichen Rauschgifttransporters, meist ein in Brilon angemietetes Auto, zurückgefahren. Der Angeklagte habe zwischenzeitlich den Drogenkurier informiert, dass er im zehnminütigen Abstand folgen könne.

Der zweite aussagebereite Zeuge, ein 27 Jahre alter Mann aus dem Landkreis, sah in dieser Variante des begleiteten Fahrens auch eine Art Freundschaftsdienst für den 27-jährigen Angeklagten, den er seit Längerem kenne. Auch er habe als Lohn der Angst für zehn bis 15 Fahrten die Benzinkosten ersetzt, „ein bisschen was zu rauchen“ und Preisnachlässe beim weiteren Marihuana-Kauf zum Eigenkonsum bekommen, sagte er aus: „Als Kiffer ist das natürlich verlockend“.

Der Prozess wird am Dienstag, 5. März, mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt.(tk)

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