Bei Reparaturen zweigleisig fahren

Korbach: Was passiert in der Werkstatt der Kurhessenbahn?

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Mit seinem Team zufrieden: Andreas Geib leitet die Korbacher Werkstatt und kümmert sich um die Organisation vor Ort.

Eine große Halle, zweigleisig aufgebaut und auf jedem Stellplatz wartet ein Zug, der überprüft oder repariert werden muss.

Korbach –Seit Dezember 2018 ist die Korbacher Instandhaltungswerkstatt in Betrieb. Die Mitarbeitersorgen dafür, dass immer genügend Züge auf dem Schienennetz der Kurhessenbahn unterwegs sind.

Werkstattleiter Andreas Geib ist seit 2018 bei der Kurhessenbahn tätig. „Aufgrund der zentrale Lage wählte man Korbach als Standort aus und baute hier die erste Instandhaltungswerkstatt der Kurhessenbahn“, berichtet er.

Täglich arbeiten 26 Mitarbeitern in zwei Schichten an den Fahrzeugen, damit diese schnellstmöglich wieder auf den Schienen zum Einsatz kommen. „Wir arbeiten in sogenannten Fristenstufen. Jeder Zug befindet sich in einem Instandhaltungsintervall, das heißt, dass er planmäßig nach festgelegten Zeitfristen oder Grenzwerten gewartet werden muss“, erklärt Geib. So gehe man anhand einer Checkliste vor, die Punkt für Punkt abgearbeitet werde.

Arbeit im Zwei-Schichten-System

Um den Zeitplan einzuhalten, müsse das Team außerhalb des Fahrbetriebs arbeiten. Geib: „Wir sind verpflichtet auch in der Nacht zu arbeiten, da dann die meisten Züge zur Instandhaltung zur Verfügung stehen. Es kommt häufig vor, dass ein Fahrzeug am Abend zu uns nach Korbach in die Werkstatt kommt und schon am nächsten Morgen wieder für den Fahrgastbetrieb auf den Schienen eingesetzt wird.“

Bis zu zwei Tagen dauert der Wechsel des sogenannten „Powerpacks“. Es bildet die Antriebseinheit bestehend aus Dieselmotor, Getriebe und Kühlanlage.

Die Reparatur übernehmen Schienenfahrzeug-Mechaniker und -Elektriker, die sich auf die zwei Teams aufteilen. Durch spezielle Schulungen haben sie Lizenzen erworben, um sicherheitsrelevante Arbeiten an den Zügen ausführen zu dürfen. So zum Beispiel Wartungsarbeiten an der Klimaanlage, der Bremseinrichtung, der Aktualisierung von Software, der Sicherheitssysteme im Zug oder auch spezielle Prüfungen der Radsätze. „Unsere Fachleute wechseln beispielsweise Keilriemen, Batterien oder auch Öl. Kontrollieren aber auch den Motor, die Bremsen und die Heizung“, zählt Geib auf.

Auch Unfallschäden ein Thema

Auch außerplanmäßige Reparaturen an der Klimaanlage, den Informationssystemen im Zug, den Motoren, Heizgeräten, Lüftern oder Reglern werden in der Korbacher Werkstatt erledigt. „Unsere Mitarbeiter tauschen unter anderem auch Powerpacks, Gelenkwellen, Radsätze, Batterien, Monitore, Bremsbauteile, Pumpen und Heizgeräte“, so der Werkstattleiter. Auch Unfallschäden an den Zügen werden in Korbach behoben. „Wenn die Züge nicht so schwer beschädigt sind, können wir vor Ort auch solche Schäden reparieren. Das bedeutet natürlich zusätzliche Arbeit“, berichtet Geib. Manchmal dauere es einige Stunden, bis das Team einen Fehler gefunden habe, da ein Zug technisch sehr komplex aufgebaut sei.

Neben der Reparatur liegt in Korbach aber auch ein Schwerpunkt auf Planung, Arbeitsschutz und Vorbereitung. „Wir sorgen dafür, dass alle Richtlinien und Normen eingehalten werden. Auch die Umweltauflagen erfüllen wir“, betont Geib. So werde darauf geachtet, dass die Abfallmaterialien fachgerecht entsorgt werden.

Planungsbeginn bereits 2014

Mit der Fertigstellung der Instandhaltungswerkstatt der Kurhessenbahn im Dezember 2018 hat der Standort Korbach an Bedeutung gewonnen – angefangen hat jedoch alles im Mai 2014. Dies war der Startschuss für die Planung, die bis Juli 2017 andauerte. Nur einen Monat später startete dann der Bau der neuen Anlage, der im Folgejahr abgeschlossen wurde. Auf einer Grundstücksfläche von 9000 Quadratmetern erstrecken sich Werkstatt, Betriebsgebäude und Waschanlage. Die Baukosten für dieses Projekts belaufen sich deshalb auf ungefähr elf Millionen Euro. 

Eingeweiht im Dezember 2018: Die Instandhaltungswerkstatt der Kurhessenbahn in Korbach.

Vor allem das Hauptgebäude mit Werkstatt ist großzügig aufgebaut und verfügt über zwei Standplätze für Züge. Diese können vor Ort mit einer Hebeblockanlage angehoben werden, um Arbeiten unter den Fahrzeugen absolvieren zu können. Auch ein Portalkran steht für Reparaturen zur Verfügung. Die variable Absauganlage bietet zusätzliche Möglichkeiten. Sie saugt die entstehenden Abgase beim Start eines Zuges ab. 

Neben der Werkstatt gehört aber auch eine Waschanlage zu den Gebäuden der Deutschen Bahn. Dort können die Züge von außen gereinigt werden und werden so von Schmutz oder Graffiti befreit. Auch eine Innenreinigung ist möglich. Diese wird jedoch per Hand durchgeführt. sk

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