„Ortsgespräch“ des Landesamtes für Denkmalpflege

Wert versteckter Schätze erhalten

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Korbach/Diemelsee - 15 Denkmalpfleger aus ganz Hessen haben gestern die Nordenbecker Wasserburg und das Kloster Flechtdorf besucht.

Im Rahmen ihrer „Ortsgespräche“, informiert das Landesamt für Denkmalpflege in regelmäßigen Abständen die hessenweit tätigen Konservatoren und die Unteren Denkmalschutzbehörden über aktuelle Bauvorhaben von überregionalem Interesse. Nach Königstein im Taunus, Hofgeismar und Kiedrich im Rheingau standen diesmal zwei von Bezirkskonservator Dr. Bernhard Buchstab betreute Objekte zur Besichtigung an.

Durch den im letzten Jahr sanierten mittelalterlichen Wohnturm der Nordenbecker Wasser- und Talburg mit Malereien und Stuck aus dem 15. Jahrhundert führte am Vormittag Tobias Canisius. Zur Eigentümerfamilie, die seit mittlerweile sieben Generationen in Nordenbeck lebt, gehören Ehefrau Anna, die kleine Tochter Sofia, die Eltern Thomas und Bärbel Canisius und Tobias‘ Schwester Susan. Zunächst erfuhren die Besucher, die sich zuvor mit Erdbeer- und Schokoladenkuchen stärken konnten, etwas zur wechselvollen Geschichte des markanten Bauwerks. Der Wohn- und Wehrturm ist 1412 aus typischem Korbacher Kalkstein errichtet worden. 1550 wurde nebenan ein Schloss gebaut und 300 Jahre später wieder abgerissen. 1881 erhielt der Turm eine Dachkonstruktion.

Im Zuge der umfassenden Sanierung, die vor zwei Jahren begann, wurde das steile Schieferdach des Turmes neu beplankt und gedeckt. Die mehr als zwei Meter dicken Mauern wurden an vielen Stellen neu verfugt und teilweise ergänzt. In der im dritten Stockwerk gelegenen Hauskapelle hatten die im Mittelalter in Seccotechnik auf einen Lehmputz gemalten Apostel- und Heiligenbilder bereits stark gelitten, sodass hier eine umfassende Bestandssicherung erforderlich wurde, erläuterte der versierte Restaurator Hans Michael Hangleiter aus Otzberg im Odenwald. Dabei wurde in der Altarnische unter dem Lehmputz eine höchst interessante Grisaille-Malerei aus einer früheren Epoche freigelegt. „Das ist hessenweit sicher einmalig“, verwies Landeskonservatorin Dr. Roswitha Kaiser auf „die versteckten Schätze“ dieses Bauwerks.

Das neue Turmdach und die Restaurierung der Hauskapelle haben nach Angaben des Bezirkskonservators rund 330000 Euro gekostet. Zuschüsse von rund 90000 Euro gab es vom Landesamt. Weitere Mittel flossen über ein Förderprogramm des Bundes sowie Fördermittel von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Als „angenehm“ bezeichnete Tobias Canisius die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege. Als nächstes Projekt komme die Sanierung des Mauerwerks der Wallanlage in Betracht, kündigte Dr. Buchstab an.

Im Anschluss stand das ehemalige Benediktinerkloster Flechtdorf aus dem 12. Jahrhundert auf dem Programm der Besucher, unter ihnen auch Kreisdenkmalpfleger Walter Schumann. Das weitläufige Anwesen vor dem Verfall zu bewahren: Mit diesem Ziel erwarb 2007 der Förderverein die Gebäude. Seitdem wird es Schritt für Schritt in Zusammenarbeit und mit finanzieller Unterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen restauriert.

„Ohne diese Mittel liefe hier gar nichts“, bedankte sich Vereinsvorsitzender Helmut Walter. Er stellte den Fachleuten nach einem Mittagsimbiss die bisherigen Fortschritte und weitere Pläne vor. So soll im nächsten Jahr das Informationszentrum fertiggestellt werden. Außerdem beinhaltet das Nutzungskonzept, eine Wanderherberge, Seminarräume und eine Gaststätte einzurichten.

Auf dem umfangreichen Bauprogramm steht ganz oben die Sanierung des Abtshauses, das bundesweit als eines der wenigen noch erhaltenen mittelalterlichen Torhäuser gilt. Peter Hegewald (Büro HAZ Ingenieure, Kassel), Hans Michael Hangleiter und Eva Müntinga (Architekturbüro Müntinga/Puy Bad Arolsen) stellten die restauratorischen Besonderheiten vor.

Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf hatte zuvor einen Förderbescheid in Höhe von 15000 Euro als „kleine Unterstützung“ für die Bauarbeiten in diesem Jahr überreicht. Er sagte zu, dass der Kreis die Restaurierung auch in den nächsten Jahren unterstützen wolle. „Ich bin überzeugt, dass es gut investiertes Geld ist.“ (tk)

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