Unternehmer stellen sich beim 5. Wirtschaftsforum in Korbach dem Fachkräftemangel

Wettbewerb um Fachkräfte

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Gelegenheit zum Austausch bot die Tischmesse, bevor Dirk Daniels den Einstieg zum 5. Wirtschaftsforum gab.

Korbach - Was brauchen Fachkräfte, um sich an ein Unternehmen in Korbach zu binden? Antworten darauf suchten viele Unternehmer aus der Region auf Einladung der Wirtschaftförderung beim 5. Wirtschaftsforum in der Korbacher Stadthalle.

Ein fairer Chef, flexible Arbeitszeiten oder ein gemütlicher Sessel: Die Methoden, um die seltener gewordenen Fachkräfte für das eigene Unternehmen zu werben oder sie zu halten, sind vielfältig. Deswegen hatte die Wirtschaftförderung Korbach unter der Leitung von Werner Niederquell den Fachkräftemangel in der Region auch in den Mittelpunkt des 5. Wirtschaftsforums gestellt.

Nach der Tischmesse, bei der sich Unternehmen aus der Region ihren Kollegen vorgestellt und zum Gespräch angeboten hatten, eröffnete Dirk Daniels die kleine Serie an Vorträgen.

Er lieferte die Basis, denn der Dortmunder stellte das Ergebnis einer Umfrage der Forschungsgesellschaft „Start“ vor: 164 Unternehmer aus Korbach hatte Daniels befragt. Der Anteil der Fachkräfte an den Gesamtbeschäftigten in diesen Unternehmen beträgt fast 60 Prozent. „Haben Sie offene Stellen?“, fragte die Forschungsgesellschaft. Das Ergebnis: 43,4 Prozent der Betriebe suchen im Moment nach Fachkräften - fast die Hälfte dieser Stellen sind bereits seit mehr als drei Monaten nicht besetzt. Überraschend: 82 Prozent der Unternehmer sind der Meinung, die jeweilige Branche sei vom Fachkräftemangel betroffen, allerdings sind es faktisch nur 47,9 Prozent der Unternehmen. „Aber auch der gefühlte Fachkräftemangel hat seine Berechtigung“, befand Daniels.

Viele Unternehmen würden mit verstärkter Ausbildung auf den Mangel reagieren. „Ich empfehle die Zusammenarbeit mit Hochschulen“, erklärte der Experte. Und wie versuchen Unternehmen in Korbach ihre Fachkräfte zu halten? Die Untersuchung ergab, dass fast 70 Prozent der Firmen finanzielle Anreize schaffen, 31 Prozent Aus-, Fort- und Weiterbildung garantieren.

Wie die Bindung und Werbung von Fachkräften in der Praxis aussieht, berichteten dann die nachfolgenden Referenten. Ein Forum sei schließlich schon in der Antike ein Ort des Austauschs, der Fragen und Antworten gewesen, erinnerte Moderator und WLZ-FZ-Redakteur Thomas Kobbe und gab das Rednerpult frei für örtliche Unternehmer, die Einblick in ihre Firmenphilosophie gaben.

Innenarchitektin Bettina Knoll von „Mauser Einrichtungssysteme“ erinnerte daran, wie wichtig die Einrichtung der Büroräume sei. „Sie muss kommunikationstauglich sein und gleichzeitig eine hohe Aufenthaltsqualität bieten“, erklärte sie. Studien hätten ergeben, dass die Arbeitsatmosphäre bei der Arbeitswahl eine wichtige Rolle spiele. Hell sollte das Büro sein, akustisch angenehm und mit Möbeln bestückt, die auch Raum zum Ausspannen lassen.

„Mit Werten werben“

Den Aspekt „Personalarbeit“ nahmen dann Bernd Apfelbeck und Angela Stoecker von der Firma Weidemann in den Blick. Die Region müsse noch attraktiver werden, um auch reizvoll für Facharbeiter von außerhalb zu sein: Geeignete Mietwohnungen, ein verbesserter öffentlicher Nahverkehr und mehr Kindergartenplätze würden gebraucht.

Zur Werbung neuer Mitarbeiter wurde bei Weidemann die Kampagne „My Way“ erfunden, die sich um emotionale Werbung mit eigenen Mitarbeitern dreht. Außerdem konzentriere sich das Unternehmen sehr auf Jugendliche und Auszubildende. „Um Mitarbeiter an unser Haus zu binden, haben wir verschiedene Instrumente geschaffen“, erklärte Apfelbeck. Die reichen von flexiblen Arbeitszeitmodellen über Gesundheitsmanagement bis hin zum Zeitwertkonto.

Marion Köhn vom Wirtschaftsbund Hanse beschloss schließlich den Abend: Sie sprach über die Werte, die die Hanse vermittle. „Der ehrbare Kaufmann ist weltoffen, zuverlässig, verantwortungsvoll, fair und erfolgreich“, erklärte sie, „mit diesen Werten können wir auch Fachkräfte werben“.

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