Neuer Windkraft-Suchraum bei Rhena würde möglich · Weniger Konflikte erwartet

Wetterradar: Korbach setzt auf Umzug

Korbach - Da anfangen, wo es am wenigsten weh tut: Windräder sollen zuerst in der „Marke“ zwischen Korbach und Strothe gebaut werden dürfen. „Welsches Lied“ und „Eschenberg“ rücken in der Priorität nach hinten.

Schon ziemlich konkret, dabei aber relativ konfliktfrei: Das ist der Vorteil der möglichen Fläche in der „Marke“ gegenüber den drei weiteren aktuellen Windkraft-Suchräumen in Korbach. Die Marker Waldgenossenschaft plant dort gemeinsam mit der neu gegründeten Verbands-Energie-Werk Gesellschaft für Erneuerbare Energien (VEW) einen Windpark.

„Mit der Marke beginnen“

Die Vorbereitungen für ein raumplanerisches Verfahren sind hier bereits weit gediehen: Die Ergebnisse eines langwierigen ornithologischen und Fledermaus-Gutachtens, das sich in der Regel über ein Jahr hinzieht, liegen voraussichtlich schon in diesem Frühjahr vor, wie Detlef Schmidt vom Büro für Freiraum- und Landschaftsplanung aus Grebenstein am Dienstag im Bauausschuss erklärte. Seine Empfehlung deshalb: „Mit der Marke sollte die Stadt in ein Flächennutzungs-Planänderungsverfahren eintreten, um keine Zeit zu verlieren.“

Auch Bürgermeister Klaus Friedrich favorisiert die Fläche: Naturschutzrechtliche Bedenken seien nicht zu erwarten. „Und auch die Nachbarn sehen keine Probleme“, so Friedrich. Ganz anders als am Eschenberg an der Grenze zu Lichtenfels und am „Welschen Lied“ bei Goldhausen.

Beide Flächen sind im aktuellen Entwurf des Teilregionalplans „Windenergie“ für Nordhessen als Vorranggebiete vorgesehen. Bewohner der angrenzenden Ortsteile gehen bereits gegen die Pläne auf die Barrikaden. In Goldhausen ist heute Abend um 20 Uhr eine Informationsveranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus geplant.

Die beiden Flächen seien grundsätzlich abzulehnen, erklärte Bürgermeister Friedrich. Windenergieanlagen schränkten hier die Lebensqualität der Menschen in den umliegenden Orten nachhaltig ein. Planer Detlef Schmidt empfiehlt den Korbacher Stadtverordneten, eine Änderung des Flächennutzungsplanes für die betroffenen Gebiete zunächst zurückzustellen.

Entscheidend ist letztlich aber, welche Flächen sich in der endgültigen Fassung des Teilregionalplans wiederfinden. Im aktuellen Entwurf, den das Regierungspräsidium vom 15. März bis 14. April offenlegen wird, sind die beiden umstrittenen Suchräume noch enthalten. Die Behörde in Kassel geht davon aus, dass die Regionalversammlung den Plan im Herbst beschließen wird. Schmidt ist weniger optimistisch: „Ein Ende des Verfahrens ist noch nicht absehbar“. Die Hoffnungen der Korbacher ruhen indes auf einer Fläche an der Grenze zu Flechtdorf bei Rhena. Diese allerdings fällt im Moment noch durch das Raster: Denn das Wetterradar nahe der Deponie in Flechtdorf schränkt im Gebiet der Kreisstadt die Standortwahl deutlich ein. Im Umkreis von fünf Kilometern dürfen keine Windräder errichtet werden, im Umkreis von 15 Kilometern nur mit Einschränkung. Das Wetterradar durchkreuzt damit die Pläne für gleich mehrere neue Windparks. Potenzielle Investoren wollen es daher versetzen lassen.

Wetterradar versetzen

Als möglicher Standort ist der Naturpark Kellerwald-Edersee im Gespräch. In trockenen Tüchern ist offenbar aber noch lange nichts: „Im Moment kann ich nicht sagen, wann es versetzt wird, wohin und wer es bezahlt“, sagte Detlef Schmidt. Für die Stadt wäre mit dem Wetterradar auch ein Problem verschwunden. Die Chancen, dass Eschenberg und Welsches Lied zugunsten einer neuen Fläche bei Rhena, die weniger Konflikte birgt, aus dem Regionalplan genommen würden, stiegen enorm.

Protest rührt sich indes auch in Helmscheid. Dort befürchten die Einwohner Beeinträchtigungen durch Repowering bestehender Anlagen. Ortsvorsteher Harald Saure kündigte am Dienstag im Bauausschuss die Gründung einer Bürgerinitiative an.

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