Einverständnis des Deutschen Wetterdienstes in verschiedenen Kommunen erforderlich

Wetterradar schränkt Windradbau ein

Diemelsee-Flechtdorf - Ob Neubau oder Repowering von Windkraftanlagen, ob in Diemelsee, Korbach oder Willingen – das Wetterradar in Flechtdorf kann die Errichtung von Windrädern begrenzen.

Mit dem Beschluss der Landesregierung, zwei Prozent der Landesfläche für Windenergie auszuweisen, haben Planer in verschiedenen Kommunen des Landkreises begonnen, nach möglichen Standorten zu suchen. Im Umkreis von 15 Kilometern rund um das Wetterradar des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Flechtdorf müssen sie mit einer Ablehnung der Genehmigung oder mit Höhenbeschränkungen für die Windräder rechnen.

Radarstrahl ist Maßstab

Die Bedeutung des bundesweiten Radarverbunds mit 17 Standorten erklärt der DWD damit, dass nur Radare eine flächendeckende Niederschlagsmessung erlauben und somit eine optimale Wetter- und Unwettervorhersage wesentlich unterstützen. Die Radare erfassen Niederschläge bis zu einer Entfernung von 150 Kilometern.

„Windkraftanlagen stören aber das Signal“, erklärt DWD-Experte Axel Hoff. Im Gegensatz zu unbeweglichen Objekten wie Türmen kann der Einfluss beweglicher Objekte nicht mathematisch aus den Messwerten herausgerechnet werden. Folge wäre ein falsches Niederschlagssignal für die Wettervorhersage.

Als die Meteorologen dieses Problem erkennen, gibt der DWD im September 2011 seine Broschüre „Informationen zur Errichtung von Windenergieanlagen im Nahbereich der Messsysteme des Deutschen Wetterdienstes“ heraus. „Wir haben den Genehmigungsbehörden zugleich mitgeteilt, dass wir als Träger öffentlicher Belange grundsätzlich in ein Genehmigungsverfahren einbezogen werden müssen“, erklärt Hoffs Kollegin Carmen Diesner. Das gelte sowohl für Neubauten als auch für Repowering-Projekte.

„Die Rotorspitzen müssen sich stets unterhalb des Radarstrahls bewegen“, erklärt sie. Ein Beispiel: Die Hessen-Energie musste die Höhe ihrer ?Windräder beim Repowering auf der Helmscheider Höhe von 179 auf 170 Meter reduzieren.

Klare Höhenbegrenzungen

Bei der Bewertung des Ein-flusses von Windkraftanlagen setzt der DWD auf die Richtlinien der Weltorganisation für Meteorologie. Die WMO fordert für Radare: Keine Windräder im Umkreis von fünf Kilometern. Im Umkreis von 15 Kilometern gelten Höhenbeschränkungen. In Flechtdorf dürfen Windräder eine Maximalhöhe von 624 Metern über NN (fünf Kilometer Umkreis) bis zu 640 Metern über NN (15 Kilometer Umkreis) erreichen. Alle Zwischenwerte listet der DWD in einer Tabelle auf.

Diesner: „Je größer der Abstand zur Radarstation wird, desto höher liegen die Werte. Die Erdkrümmung spielt hier ein Rolle.“ Komplexe Lage in Flechtdorf „Die Situation am Standort Flechtdorf ist allerdings sehr komplex und muss differenziert betrachtet werden“, räumt die Fachfrau ein. Einige Genehmigungsverfahren rund um das Wetterradar seien beispielsweise schon angestoßen worden, bevor der DWD 2011 seine Anforderungen an den Bau von Windkraftanlagen veröffentlichte. Hinzu kommt, dass vor allem bei Repowering-Projekten die Frage aufgeworfen wird, was ?zuerst da war – der Windpark oder das Wetterradar.

Der DWD nahm das Radar 1997 in Betrieb. 2004 zog es vom Gelände der NATO-Raketenstellung auf einen ?neuen Gittermast auf dem Deponiegelände um. Die ersten Windparks entstanden in Diemelsee bereits in den 90er Jahren. Repowering ist nach mindestens zehn Jahren Laufzeit möglich.

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