Investor ABO Wind und Deutscher Wetterdienst einigen sich darauf, den Standort Flechtdorf aufzugeben

Wetterradar soll in den Kellerwald

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Das Wetterradar in Flechtdorf wird mit neuer Technik ausgerüstet. Foto: Lutz Benseler

Diemelsee-Flechtdorf - Das Wetterradar bei Flechtdorf soll in den Kellerwald verlegt werden. Das bestätigen der Deutsche Wetterdienst und der Wiesbadener Investor ABO Wind auf WLZ-FZ-Anfrage.

Das bedeutet, dass weitere Flächen in Korbach, Diemelsee und Willingen für den Bau von Windrädern ausgewiesen werden könnten. Die Wiesbadener Projektentwickler würden die Versetzung des stählernen Turmes übernehmen. Voraussetzung: Es muss sich für sie rechnen.

Das Radar werde nur dann versetzt, wenn ausreichend viele Genehmigungen für Windparks abzusehen sein, berichtete der Pressesprecher von ABO Wind, Alexander Koffka gestern - er gehört auch der Geschäftsleitung an. „Wir müssen gucken, ob es wirtschaftlich ist.“ Aber die Voraussetzungen zur Verlegung würden derzeit schon geschaffen, um bereit zu sein.

Radar schließt Windräder aus

Das Wetterradar steht derzeit in der Nähe der kreiseigenen Abfalldeponie. Es dient den Vorhersagen und ist für Unwetterwarnungen wichtig - siehe den Kasten. Noch sei kein technisches Verfahren gefunden worden, um die Störungen der Messungen durch rotierende Windräder herauszurechnen, berichtet Pressesprecher Uwe Kirsch vom Deutschen Wetterdienst. Um die Funktion des Systems nicht zu beeinträchtigen, dürfen deshalb nach Angaben des Kasseler Regierungspräsidiums in einem Umkreis von fünf Kilometern um ein Radar keine Windräder errichtet werden. Und in einem Radius von fünf bis 15 Kilometern dürfen Windräder eine bestimmte Höhe nicht überschreiten.

So gerieten zwei Staatsziele in Widerspruch zueinander: Als Anstalt des öffentlichen Rechts soll der Wetterdienst möglichst genaue Vorhersagen treffen. Aber die „Energiewende“ ist ebenfalls als Ziel definiert.

Um die Beschränkungen rund um Flechtdorf aufzuheben, brachten Investoren die Idee auf, das Radar zu verlegen. Doch es ist gar nicht so einfach, einen neuen geeigneten Standort zu finden: Der Radius der einzelnen Anlagen müsse sich überschneiden, damit die Fläche Deutschlands lückenlos erfasst werde, erläutert Uwe Kirsch. Außerdem muss das Radar an einem technisch geeigneten Platz stehen, um ungehindert messen zu können.

Bauantrag schon gestellt

Der Deutsche Wetterdienst habe bei der Verlegung des Radars mit der Firma ABO Wind konstruktiv zusammengearbeitet, erklärt Kirschs Kollege Gerhard Lux der WLZ-FZ. Im Laufe dieses Prozesses sei im Kellerwald im benachbarten Schwalm-Eder-Kreis ein geeigneter Radarstandort gefunden worden, für den auch bereits ein Bauantrag gestellt worden sei, berichtet der Diplom-Meteorologe. Weitere Informationen seien erst möglich, wenn das Verfahren abgeschlossen sei.

„Wir sind froh, dass der Deutsche Wetterdienst so kooperativ ist“, sagt Koffka - mit der Flugsicherung sei es schwieriger. Der neue Standort des Radars liege in der Nähe des Kellerwaldturmes. Zu den Kosten wollte er noch nichts sagen. Die Verlegung müssten die Investoren bezahlen, die in den Gebieten Windräder bauen wollen. ABO Wind will deshalb auch andere ins Boot holen, die von der Umsetzung profitieren würden.

Nach dem von der nordhessischen Regionalversammlung beschlossenen Teilregionalplan „Energie“ wären vier Gebiete von der Verlegung betroffen:

Das Gebiet „Welsche Lied“ im Osten Lengefelds und nahe Goldhausen könnte in Richtung Norden um 90 Hektar auf dann 215,7 Hektar erweitert werden.

Im Süden Bünighausens könnten 28,8 Hektar neu ausgewiesen werden, das Gebiet würde dann 72,2 Hektar groß.

Am „Hohen Rade“ zwischen Rhena und Benkhausen könnten 287 Hektar neu aufgenommen werden.

Am „Hohen Pön“ im Süden Usselns könnten 228 Hektar neu ausgewiesen werden, die Flächen sind als „Suchraumkulisse“ im Plan verzeichnet.

In weiteren Gebieten in Richtung Willingen würden zudem einige Höhenbegrenzungen für Vorrangflächen wegfallen. - Nicht wenige Anwohner von Goldhausen bis Diemelsee waren über das Radar erfreut, verhinderte es doch bislang die Ausweisung von Flächen in der Nähe ihrer Dörfer. Doch dieser „Schutz“ könnte schon in einigen Monaten verschwinden.

Zur Zeitplanung lässt sich nichts näheres sagen, erst müssen genügend genehmigungsfähige Standorte ausgemacht sein: ABO Wind müsse so viele Windräder zusammen haben, „dass es sich lohnt, das Wetterradar zu verlegen“, betont Kofka. „Es ist ein offener Prozess.“

Von Dr. Karl Schilling

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