Erste Ortsbegänge schaffen Überblick für Dorfentwicklung Diemelsee

„Wie funktioniert das Dorf?“

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Dorfcheck in Benkhausen: Bei Rundgängen zeigen Diemelseer Bürger Regionalplanern ihre Dörfer.Foto: Wilhelm Figge

Diemelsee - Bei Rundgängen in der Gemeinde Diemelsee haben die Bürger die Stärken ihres Zuhauses gezeigt - und wo die Dorfentwicklung es lebenswerter machen kann.

Dutzende Menschen spazieren über die Straßen, zeigen auf die Besonderheiten ihres Heimatortes und halten für Geschichten aus dem Dorfleben inne: Der Blick auf Vorzüge und Potentiale steht am Anfang der Dorfentwicklung Diemelsee, bevor die Bürger konkrete Projekte vorschlagen und mit Vertretern der Nachbarorte das „IKEK“ diskutieren. Dieses Integrierte Kommunale Entwicklungskonzept ist der „Fahrplan“ zur Nutzung der 1,5 Millionen Fördermittel, die zum größten Teil von der EU stammen. Wenn die Diemelseer besonders innovative Projekte vorschlagen, werde die Summe sicherlich höher, sagt Bernd Wecker, Geschäftsführer des Planungsbüros Bioline.

Bei der Entscheidung über Projekte sei Bürgerbeteiligung entscheidend: „Wir können Ihnen keine Ideen überstülpen, sie müssen sie leben“, erklärt er. „Wie funktioniert das Dorf?“, fragt er, um auszumachen, was den Bewohnern wichtig ist. Zuerst haben Ottlarer, Benkhäuser und Adorfer bei Rundgängen geantwortet.

Durch Benkhausen führen knapp 40 Einwohner das Team des Planungsbüros - von sechsjährigen Drillingen bis zum 91-Jährigen Karl Wilke sind alle Altersschichten vertreten. Trotz des von Wecker beschriebenen Übermaßes an mietbaren Veranstaltungsräumen betonen die Benkhäuser die Bedeutung ihres Dorfgemeinschaftshauses - die „Höpper“ verfügen über keine Gastwirtschaft. Ein Mangel im Bereich soziale Infrastruktur ist für die Benkhäuser auch das Fehlen eines zentralen Versammlungsortes - an der mittig gelegenen Linde ist wenig Platz.

Auch die bauliche Entwicklung bereitet Sorgen, in der Ortsmitte befindet sich ein leerstehendes Haus in zunehmend schlechtem Zustand. Noch sei der Leerstand niedrig, aber Wecker befürchtet wegen des demographischen Wandels Probleme in der Zukunft. Die abnehmende Bevölkerung verdeutlicht auch der Rundgang: Karl Wilke zeigt auf vier Häuser, in denen einst 28 Kinder lebten. „Das war Benkhausen“, erinnert er an vergangene Zeiten des Wachstums.

Die heutigen Kinder des Ortes bringen sich selbst in die Diskussion ein: Trotz guter Ausstattung mit Spielplätzen und einem sehr emsigen Jugendclub fehle es an Angeboten für Kinder, die zu alt für erstere und zu jung für letzteren sind. Sie präsentieren detaillierte Pläne für einen Multifunktionsplatz - bislang spielen die Kinder auf der Straße, Verkehrsschilder halten als Fußballtore hin. Auftritte wie die der kleinen Benkhäuser wünscht Wecker sich öfter: „Im Grunde machen wir das, was wir hier tun, für euch.“

Von Wilhelm Figge

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