Stadt Korbach verfasst Stellungnahme zum Regionalplan

Windkraft: „Marke“ hat die besten Chancen

Korbach - Die „Marke“ soll bleiben und sogar größer werden, „Welsches Lied“ und Eschenberg wieder raus aus dem Regionalplan: In einer Stellungnahme ans Regierungspräsidium erklärt die Stadt Korbach, wo sie am liebsten neue Windräder haben möchte – und wo nicht.

In ihrer Stellungnahme will die Stadt das Regierungspräsidium in Kassel auffordern, die Vorrangflächen am „Welschen Lied“ bei Goldhausen und am Eschenberg an der Grenze zur Stadt Lichtenfels aus dem Regionalplan zu streichen und sich stattdessen ganz auf die „Marke“ bei Strothe zu konzentrieren. Der Entwurf des Regionalplans liegt derzeit öffentlich aus und kann auch im Internet (www.rp-kassel.de) eingesehen werden. Nicht nur Städte und Gemeinden, sondern alle Einwohner in Nordhessen können noch bis zum 14. Mai Anregungen und Einwände zu den künftigen Vorrangflächen für Windkraftanlagen einreichen.

Grüne lehnen ab

Durchs Stadtparlament muss die Stellungnahme noch, in den Ausschüssen haben die Stadtverordneten bereits mehrheitlich für den Text gestimmt. Nur die Grünen lehnen ihn ab. Sie sehen die Entwicklung weiterer Flächen durch die Konzentration auf die „Marke“ eingeschränkt, außerdem kritisiert die Fraktion weitere Beschränkungs-Vorschläge der Stadt in der Stellungnahme. „Wir können den Beschlussantrag so nicht mittragen“, erklärte Dr. Peter Koswig im Bauausschuss am Montag. Denn die Stadt will nicht nur einzelne Flächen aus dem Regionalplan herausgenommen haben, sie spricht sich auch für schärfere Regelungen für neue Anlagen aus: So solle der Abstand zu Landesstraßen von 100 auf 200 Meter erhöht werden wegen der Verkehrssicherheit. Der Vorsorgeabstand zu Siedlungsflächen solle von 1000 auf 1500 Meter wachsen. Denn Windenergieanlagen beeinträchtigten die Lebensqualität im ländlichen Raum stark, heißt es in der Begründung.

Darüber hinaus wird in der Stellungnahme eine Höhenbegrenzung bei Repowering auf eine maximale Gesamthöhe der Anlagen von 180 Metern gefordert. „Wir sollten nicht von den hessenweiten vorgaben abweichen“, sprach sich Koswig gegen dieses Ersuchen aus.Die „Marke“ bei Strothe ist derzeit der aussichtsreichste Anwärter, neuer Windkraftstandort zu werden. Die Marker Waldgenossenschaft plant dort gemeinsam mit der neu gegründeten Verbands-Energie-Werk Gesellschaft für Erneuerbare Energien (VEW) einen Windpark. Die Fläche könnte sogar noch größer werden, als sie derzeit vom Regierungspräsidium im Regionalplan vorgesehen ist: Denn die VEW hat Windgutachten für die Gemarkung in Auftrag gegeben, mit dem Ergebnis, dass dort höhere Windgeschwindigkeiten herrschen, als es das RP berechnet hat. Somit könnte die Fläche Marke auf 85 Hektar erweitert werden, um dort fünf bis acht Anlagen zu errichten.

Sicher ist aber auch die Marke nicht: Artenschutzrechtliche oder ornithologische Gutachten und Bewertungen liegen derzeit noch nicht vor. Die Obere Naturschutzbehörde hat aber Bedenken aufgrund von Konflikten mit dem Vogelzug geltend gemacht.Für „Welsches Lied“ und Eschenberg gibt es indes neben erheblichen naturschutzrechtlichen Bedenken vor allem ein wirtschaftliches K.o.-Kriterium: Das Wetterradar nahe der Deponie in Flechtdorf schränkt hier die Höhe möglicher Anlagen deutlich ein. Windräder dürften auf den beiden Flächen kaum profitabel zu betreiben sein.

„Scheinheilige Politiker“

Für Unverständnis bei den Grünen und zumindest Augenrunzeln bei der SPD sorgte eine angehängte Stellungnahme des Epper Ortsvorstehers Jürgen Knierim. Er kommentierte darin die Diskussion um die Versetzung des Wetterradars mit den Worten: „Das aktuelle Verfahren einer Standortversetzung zeigt in erschreckender Form, welche Wertigkeit von einigen ‚scheinheiligen Umwelt bewussten Hobbypolitikern‘ zu Grunde gelegt wird. Er sei zwar ein „Hobbypolitiker“, sagte Helmut Schmidt (SPD), hier solle aber noch einmal das Gespräch mit Knierim gesucht werden. (lb)

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