Naturschutzrechtliche Bedenken: Pläne für den Windpark am Böhlen bei Goddelsheim werden geändert

Windräder sollen im Wald Platz finden

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Freie Flächen werden im Vergleich zu forstwirtschaftlich genutzten Waldflächen mitunter als ökologisch wertvoller eingestuft. So sieht es die Obere Naturschutzbehörde auch Am Böhlen bei Goddelsheim, wo sechs Windkrafträder gebaut werden sollen. Foto: pr

Lichtenfels-Goddelsheim - In Lichtenfels sollen auf der Fläche Am Böhlen insgesamt sechs Windkraftanlagen gebaut werden. Das Regierungspräsidium will, dass umgeplant wird: Drei Mühlen sollen im Waldgebiet Platz finden.

Schneisen in den Wald zu schlagen, um für elektrische Windmühlen Platz zu schaffen - das scheint auf den ersten Blick wenig sinnvoll. „Es ist den Bürgern zunächst schon schwer zu vermitteln, das ein Eingriff in Waldflächen naturschutzrechtlich unbedenklicher ist als auf freie Flächen“, sagt etwa Walter Dersch vom Maschinenring Waldeck-Frankenberg. Unter dem Dach des Verbandes haben sich rund 85 Grundstückseigentümer Am Böhlen in einem Pool zusammen geschlossen, um mit der Firma Abo Wind, die die Anlagen Am Böhlen bauen will, zu verhandeln.

Wer aus naturschutzfachlicher Sicht einen Blick auf das Gebiet zwischen Goddelsheim, Eppe und Ober-Ense wirft, kann allerdings auch zu einem anderen Schluss kommen: Bei einem Abstimmungstermin vor Ort äußerten die Vertreter der Oberen Naturschutzbehörde erhebliche Bedenken gegen den Standort, brachten vor allem Gründe des Schutzes von Rastvögeln vor. Die Naturschutzbehörde machte aber den Vorschlag, drei der insgesamt sechs geplanten Anlagen auf eine Kuppe des anliegenden Waldes Am Böhlen zu setzen. „Die Sicht der Naturschutzbehörde kommt für uns nicht überraschend. Aufgrund landwirtschaftlicher Nutzung gibt es immer weniger freie Flächen, die noch artenreich sind. Aus naturschutzfachlicher Sicht werden offene Standorte daher häufig als ökologisch wertvoller angesehen als Wälder, in denen vielleicht vor allem Fichten stehen, die forstwirtschaftlich genutzt werden“, erklärt Alexander Koffka, Sprecher der Firma Abo Wind aus Wiesbaden. Das bestätigt Jörg Wiegel, Sprecher des Regierungspräsidiums (RP) Kassel gegenüber der WLZ-FZ: „Offene Standorte sind oft sensibler“, sagt er.

Für Abo Wind, die für Investoren deutschlandweit Windparks plant und baut, bedeutet das: Sie muss für den Standort Goddelsheim umplanen - was den Sprecher der Firma jedoch nicht bekümmert. „Die Vertreter des RP haben sich mit uns an einen Tisch gesetzt und nach Kompromissen gesucht - das bedeutet, dass grundsätzlich der Wille da ist, Windkraftnutzung zu ermöglichen und wir wollen die Störungen möglichst klein halten“, wertet er den Kompromiss positiv und sagt weiter: „Nach unseren ersten Schätzungen ist der vorgeschlagene Standort im Wald auch geeignet.“ Die Fläche, die im Wald frei gehalten wird, schätzen wir auf 3000 Quadratmeter pro Anlage. Außerdem müssen pro Anlage rund 2000 Quadratmeter temporär für den Transport freigeschlagen werden“.

Die insgesamt rund 85 Grundstückseigentümer Am Böhlen müssen sich allerdings auch umstellen. Der neue mögliche Standort für zwei Anlagen gehört der Stadt Lichtenfels - damit fällt für die anderen Grundstückseigentümer weniger vom Windkraft-Kuchen ab. „Dennoch sollen alle Flächen in dem Pool belassen werden - und damit auch alle Grundstückseigentümer“, erklärt Walter Dersch: „Wir wollen alle weiterhin mitnehmen“, erklärt der Vertreter des Maschinenrings.

Derzeit wird der Genehmigungsantrag für das RP geändert, erklärt Alexander Koffka, damit Verfahren seinen Weg geht. Unterdessen wird der Magistrat der Stadt Lichtenfels den Stadtverordneten in Sitzung am 25. Juni in Goddelsheim, vorschlagen, das Waldgebiet, in dem die drei Anlagen entstehen sollen, im Flächennutzungsplan freizugeben, damit das Verfahren weiterlaufen kann, erklärt Bürgermeister Uwe Steuber. „Stehen die neuen Pläne, werden wir auf jeden Fall rechtzeitig zur einer neuen Info-Veranstaltung einladen“, unterstreicht Steuber.

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