Korbacher Gastwirt teilt Gruppe Entscheidung telefonisch mit - "Die pauschale Kritik stört mich"

Windveto muss sich ein neues Lokal als Treffpunkt suchen

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Windanlagen in Diemelsee: Die Gruppe Windveto will keine weiteren Windräder in Nordwaldeck. Den Protest muss sie nun in einem anderen Lokal vorbereiten. 

Korbach – Seit fast zwei Jahren gibt es das Bündnis „Windveto Waldeck-Frankenberg“, das unter anderem versucht, weitere Windräder in Nordwaldeck zu verhindern. Kürzlich kritisierte die Gruppe den geplanten Bau von vier Windrädern in der „Marke“ zwischen Korbach, Berndorf und Strothe (wir berichteten).

Nach der Gründung von Windveto hatten die Mitglieder des Bündnisses das Goldflair in Korbach als Ort für regelmäßige Zusammenkünfte ausgemacht. Mit den Treffen in dem Korbacher Hotel ist ab sofort allerdings Schluss – Wirt Ulrich Zabel hat Windveto aufgefordert, sich ein anderes Lokal zu suchen.

Doch wie kam es dazu und was sind die Hintergründe? Die Windveto-Mitglieder Heidrun Paul-Schreiber und Rolf Schreiber aus Lichtenfels wendeten sich vergangene Woche an unsere Zeitung. Sie berichteten, dass sich nach dem Erscheinen des WLZ-Artikels, in der Windveto Kritik an den geplanten Windrädern in der „Marke“ geäußert hatte, ein Korbacher Gastronom und Geschäftsmann aus der Umgebung des Rathauses der Gruppe nahegelegt habe, sich ein anderes Lokal für seine Treffen zu suchen.

„Das Pikante daran ist: Der Gastronom ist selbst Vorsitzender der Marker Waldinteressenten. Und die Windräder sollen genau in dem Gebiet gebaut werden, das anteilsmäßig den Genossenschaftsmitgliedern gehört“, sagt Heidrun Paul-Schreiber.

Sie berichtet weiter, dass der Gastronom folgenden Satz als Begründung für das Hausverbot für Windveto gesagt habe: „Nur einfach dagegen zu sein, ist für mich zu primitiv.“ „Zum Abschluss sagte er noch, dass Windveto in seinem Gastronomiebetrieb unerwünscht sei. Ich finde es sehr bedauerlich, dass man als primitiv und unerwünscht bezeichnet wird, nur weil man eine andere Meinung vertritt“, sagt Heidrun Paul-Schreiber. Dies habe mit Demokratie nichts zu tun.

Sie verurteile den Gastwirt auch nicht, „dass er sich mit den geplanten Windkraftanlagen in der Marke unverhältnismäßig bereichert und in Kauf nimmt, dass seine Mitbürgerinnen und Mitbürger gegebenenfalls durch die Windkraftanlagen nicht nur beeinträchtigt, sondern sogar krank gemacht werden“. „Der Gastwirt stellt aber seine eigenen Interessen über die Meinungsfreiheit und das Wohlbefinden seiner Gäste. Anscheinend sind die zu erwartenden Pachteinnahmen aus den Windkraftanlagen wesentlich höher als die Gewinne aus der Gastronomie.“

Zwar nannte das Ehepaar Schreiber den Gastwirt nicht beim Namen – Recherchen unserer Zeitung und eine Nachfrage bei Windveto-Sprecher Hans-Heinrich Hain ergaben jedoch, dass es sich bei dem genannten Gastwirt um Ulrich Zabel und damit um den Vorsitzenden der Marker Waldinteressenten handelt.

Anders als Heidrun Paul-Schreiber und Rolf Schreiber äußerte sich Hans-Heinrich Hain deutlich gemäßigter: „Natürlich habe ich mich darüber geärgert, dass uns Herr Zabel sein Lokal nicht mehr für Treffen zur Verfügung stellen will. Aber es ist eine Entscheidung, die es zu akzeptieren gilt.“ Er wolle keinen Streit vom Zaun brechen, sondern lieber die Energie darauf verwenden, weiter die Öffentlichkeit über die Gefahren von zu vielen Windkraftanlagen in Nordwaldeck zu informieren. „Um das fortzusetzen, suchen wir uns nun eben ein anderes Lokal.“

Das sagt Gastronom Ulrich Zabel

Der Korbacher Gastwirt und Vorsitzender der Marker Waldinteressenten bestätigte auf Anfrage der Waldeckischen Landeszeitung, dass sich die Gruppe Windveto in den vergangenen Monaten mehrfach bei ihm im Lokal getroffen habe. „Es stimmt auch, dass ich sie per Anruf aufgefordert habe, sich ab sofort ein anderes Lokal für ihre Treffen zu suchen“, sagt Ulrich Zabel. Den Satz mit dem Wort „primitiv“ hätte er sicherlich weglassen können, gesteht er. 

Im Grundsatz stehe er aber hinter seiner Entscheidung. „Mich hat die pauschale Kritik geärgert. Nur zu sagen, ich bin dagegen, ist mir zu einfach. Die Bürger werden bei dem genannten Vorhaben, das im übrigen noch gar nicht genehmigt ist, auch umfassend informiert.“ Ulrich Zabel sagt zudem: „Auch wenn die Einnahmen aus den Verpachtungen der Flächen, auf den die Windräder entstehen sollen, für uns als Waldbesitzer gut für die Finanzierung des Wiederaufbaus des Waldes wären, ist dies nicht der Grund gewesen, warum ich keine Kritik dulde und Windveto ausgeschlossen habe.“ 

Ihn störe der generelle Widerstand: „Es soll keinen Braunkohleabbau mehr geben, keine Atomkraftwerke, keine Windräder, keine Stromtrassen. Meine Frage an alle Gegner ist: Wie wollen wir die Energieversorgung in Zukunft sicher stellen? Durch Strom aus zum Teil maroden Kernkraftwerken in Belgien, Frankreich und Tschechien oder aus Kohlekraftwerken in Polen?“ Nur allerorten dagegen zu sein, reiche nicht. „Konkrete Lösungsansätze sind gefragt“, fordert Zabel. 

Der Gastronom betont zudem, dass die Marker Waldinteressenten in den zurückliegenden zwölf Jahren mehr als 100 000 Bäume gepflanzt und somit einen „schönen Beitrag“ zur CO2-Reduktion geleistet hätten. „Des weiteren befinden sich zwei Tiefbrunnen auf den Flächen der Marker Waldinteressenten. So viel also zu den Vorwürfen, wir würden aus Geldgier handeln.“

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