Freundeskreis feiert 40-jähriges Bestehen im Bürgerhaus und erinnert an die Anfänge der Gruppe

„Wir haben am Abgrund gestanden“

Sie brachten das Thema Alkoholismus zurück in die Gesellschaft: der Vorstand des Freundeskreises mit den Ehrengästen, die zum Fest kamen. Fotos: Demski

Korbach - Mit Gründungsmitgliedern, Weggefährten, Freunden und Ehrengästen hat der Freundeskreis Waldeck am Samstag seinen 40. Geburtstag gefeiert - und dabei erneut seinen großen gesellschaftlichen Verdienst bewiesen.

Es war ein ehrliches und bewegendes Fest, das die Mitglieder des Freundeskreises Waldeck am Samstag mit ihren Gästen feierten. Zum 40. Geburtstag der Selbsthilfegruppe, die Alkoholkranken und ihren Familien Unterstützung und Gemeinschaft anbietet, erinnerten sich Vorstands- und Gründungsmitglieder an die Anfänge. „Wir haben im Verborgenen begonnen und das Thema dann aus der Tabuzone geholt“, resümierte Vorsitzender Claus-Dieter Döge. Und eben das sei das große Verdienst des Freundeskreises, betonte auch Pfarrer Klaus Nobiling aus Goddelsheim. „Sie haben dafür gesorgt, dass sich das Bewusstsein in der Gesellschaft verändert hat“, erklärte er anerkennend. Heute werde über Alkoholkonsum gesprochen, er werde kritisch reflektiert. „Und das ist auch wichtig für nachfolgende Generationen“, betonte Nobiling.

Das Prinzip des Freundekreises auf diesem Weg lautet schlicht: „Wer Hilfe erfahren hat, sollte auch anderen Hilfe zukommen lassen.“ Wie wirkungsvoll das sein kein, erzählten die Gründungsmitglieder selbst: „Wir haben am Abgrund gestanden und hineingeblickt“, erzählte Karl-Heinz Dörrie, „und dann tat sich der Himmel auf.“ Der Alkohol sei doch der letzte Notnagel gewesen, wie hätte man ihn aufgeben können. „Das haben wir erst geschafft, als wir auf Menschen stießen, bei denen wir uns nicht verstecken oder verteidigen mussten.“ Und diese Menschen fanden sich erst mit Pfarrer Eckhard Willer in Kirche und Diakonie und schließlich im Freundeskreis - einer der ersten Selbsthilfegruppen im Landkreis.

Den vielen Zuhörern aus ganz Waldeck-Frankenberg gab Dörrie Ermutigung mit auf den Weg: „In dem Augenblick, in dem eine Raupe glaubt, die Welt gehe unter, wird sie zum Schmetterling“, erinnerte er, „ich wünsche uns allen, dass wir in den Tiefen des Lebens die Möglichkeiten des Schmetterlings erkennen.“

Dass es dafür zuweilen großen Mutes und großer Überwindung bedarf, daran erinnerte Pfarrer Eckhard Willer: „Es beginnt damit, dass ich einen anderen um Antwort und um Hilfe bitte“, erklärte er, „und geht weiter, wenn ein anderer eine Antwort suchen hilft.“ Und eben dabei wolle der Freundeskreis bis heute unterstützen, erklärte der zweite Vorsitzende Peter Becker. „Das Wichtigste, was wir uns geben können, ist Zeit“, betonte er und kündigte an, dass der Freundeskreis im nächsten Jahr vor allem die Angebote für Angehörige intensivieren wolle.

Den ganzen Samstag über feierten Freunde und Mitglieder des Freundeskreises im Korbacher Bürgerhaus - mit gutem Essen, leckeren Fruchtsäften, flotter Musik und dem sicheren Gefühl, nicht allein zu sein. Von Theresa Demski

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