Korbach

„Wir Trödler sind ein eigenes Völkchen“

- Korbach (resa). Es ist ein schwerer Abschied für Friedhelm Emde: Aus gesundheitlichen Gründen gibt der „Vater“ des Korbacher Flohmarkts sein Lebenswerk an seinen Sohn ab.

Er hat viele Kämpfe gefochten, viel Geld in seinen großen Traum von einem funktionieren Flohmarkt in Korbach gesteckt: Am Samstag endet die Markt­Ära von Friedhelm Emde, nach 25 Jahren kann er nicht mehr. „Wenn ich aus gesundheitlichen Gründen nicht aufhören müsste, würde ich weitermachen“, sagt der 70-Jährige. Doch der Markt hat viel seiner großen Kraft „gefressen“ und so streicht er nun wehmütig die Segel. Zumindest weiß der Korbacher, dass es weitergeht. Denn offiziell übergibt er das Zepter an Sohn Oliver. Der will den Markt gemeinsam mit seiner Mutter ins nächste Jahrzehnt führen. „Manches wird sich wohl ändern“, bedauert Emde, „aber anderes wird auch bleiben“. Und das sei auch gut so, sagt er. Denn Friedhelm Emde hängt an seinem Lebenswerk. „Als Flohmärkte in den 80er-Jahren modern wurden, sprangen wir auf den Zug auf“, erinnert sich Friedhelm Emde. Gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau zog er den ersten Korbacher Flohmarkt auf. „Ich habe Freude an alten Büchern, an schönen Dingen und war schon immer ein Sammler“, sagt er. Damals arbeitete Emde noch als Lehrer an der Humboldt-Schule, nutzte seine Freizeit, um den Korbacher Markt über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannt zu machen. Immer mehr Menschen kamen in die Kreisstadt, regelmäßig veranstaltete Familie Emde Märkte jenseits der Grenze – zeitweise an über 50 Orten. „Wir haben für unsere Märkte immer mit selbst gestalteten Plakaten geworben“, erzählt Emde und erinnert sich genau, wie er den Elefanten für das Korbacher Poster auswählte. Trödel, Antiquitäten und Kunsthandwerk machten seit jeher die drei Standbeine seiner Märkte aus, sein liebster war immer der Flohmarkt in der Halle Waldeck. Dafür hat Friedhelm Emde gekämpft, damals als die Landesregierung plötzlich Eintrittsgelder für Flohmärkte verbot und das Projekt vor dem Aus stand, als die Halle verkauft wurde und Friedhelm Emde in eine ungewisse Zukunft blickte, und auch als das Projekt immer mehr Geld zu verschlingen drohte. „Die Korbacher und die Hanse haben mich sehr unterstützt“, freut er sich und denkt an endlose Unterschriftenlisten für seinen Markt. Und was macht die Faszination nun aus? „Wir Trödler sind ein eigenes Völkchen“, schmunzelt Emde, „wir sind einfach eine Gemeinschaft“. Nirgends würde härter gefeilscht, und an keinem anderen Ort würden sich so viele Schätze finden wie auf einem Flohmarkt. Viele Projekte hat Friedhelm Emde neben dem normalen Flohmarktgeschäft initiiert: Sonderstempel, Postkarten und Ausstellungen lagen ihm am Herzen. „Korbach ist meine Heimat und ich habe meinen Einsatz immer als Dienst für diese Stadt empfunden“, sagt er. Unzählige Menschen hat er in die Kreisstadt geholt, nun sagt er „Ade“.­­Der Korbacher Flohmarkt in der Halle Waldeck ist am Samstag von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 1,50 Euro.

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