Westfälische Energieversorger planen Pumpspeicherkraftwerk bei Willingen und Schwalefeld

Wird der Eimberg zum Stromspeicher?

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Das Bild zeigt das Oberbecken des Pumpspeicherkraftwerks bei Finnentrop-Rönkhausen (Kreis Olpe). Die Anlage auf dem Hohen Eimberg bei Willingen soll mehr als doppelt so groß werden.

Willingen/Brilon - Bei ihrer Suche nach Standorten für ein Pumpspeicherkraftwerk im Sauerland sondieren die Mark-E (Hagen) und die Grünwerke (Düsseldorf) auch den Raum Brilon/Willingen.

Am Donnerstag, 26. September, stellen die Stromversorger ihre Pläne für eine Pumpspeicherkraftwerk der Upländer Gemeindevertretung und dem Rat der westfälischen Nachbarstadt um 18 Uhr in einer öffentlichen Sondersitzung im Willinger Besucherzentrum vor.

Als möglicher Standort für die beiden erforderlichen Speicherseen ausgeguckt sind der Hohe Eimberg bei Willingen und das Itterbachtal im Raum Schwalefeld. Das Projekt hat gewaltige Dimensionen - sowohl bei den Auswirkungen auf das Landschaftsbild wie auch bei den Kosten. Das Oberbecken soll ein Fassungsvermögen von 2,5 Millionen Kubikmeter erhalten (der Diemelsee speichert bei Vollstau 20 Millionen Kubikmeter).

Noch keine Details

Wie Mark-E-Sprecher Köster auf Anfrage sagte, gehe es bei dem Termin in Willingen um eine Projekt-Vorstellung, wie sie Anfang des Jahres auch zum Standort Sorpeberg-Glinge bei Wildewiese im Grenzgebiet der Kreise Olpe und Hochsauerland in den Räten von Sundern und Finnentrop erfolgt sei. Deshalb wollte er auf Anfrage auch noch keine Details nennen.

Die gibt es jedoch zu dem Projekt bei Wildewiese. Vis-à-vis des Sorpebergs, auf dem Gebiet von Finnentrop-Rönkhausen, befindet sich bereits seit 1969 ein Pumpspeicherkraftwerk. Dessen Unterbecken am Glinge-Bach hat ein Fassungsvermögen von rund 1,3 Millionen Kubikmeter, das Oberbecken auf dem 570 Meter hohen Dahlberg von rund einer Million Kubikmeter.

338 Megawatt Leistung

Im Rahmen der künftigen Energieversorgung sind jedoch ganz andere Dimensionen ins Auge gefasst. So soll das Oberbecken auf dem Sorpeberg ein Stauvolumen von 3,23 Millionen Kubikmeter erhalten und das Unterbecken eins von 3,25 Millionen. Auf dem Sorpeberg würde eine rund 18 Hektar große Wasserfläche benötigt, das Unterbecken wäre mit 16 Hektar etwas kleiner. Zum Vergleich: Das Waldfreibad Gudenhagen bei Brilon hat eine Wasserfläche von rund 6500 Quadratmeter. Das Oberbecken wäre also fast 30-mal so groß.

338 Megawatt soll die geplante Anlage bringen. Zum Vergleich: Windräder der jüngsten Generation liefern drei bis fünf Megawatt.

Der Hohe Eimberg und der Sorpeberg haben sich aus einer großflächigen Standortsuche in den Kreisen Hagen, Ennepe-Ruhr, Olpe sowie im Märkischen und im Hochsauerlandkreis als geeignet herauskristallisiert. Rund 400 potenzielle Standorte seien bei der systematischen Auswertung von topografischen Karten und morphologischen Mindestkriterien zusammengekommen. Da ging es zum einen um Flächenformen, Speicherkapazitäten und Höhendifferenzen und zum anderen um mögliche Konflikte mit Naturschutzbelangen.

Riesen-Investition

Bei dieser Voruntersuchung blieben zehn Standorte übrig, auf denen die Planer Ortsbesichtigungen vornahmen und die sie näher untersuchten. Jetzt geht es darum, zwei Standorte zu nehmen, die - so die Planer - „in technisch-wirtschaftlicher Hinsicht und unter Umwelt- bzw. naturschutzfachlichen Aspekten“ am besten geeignet sind.

In der engeren Wahl: der Hohe Eimberg als Standort für das Ober- und der Itterbach als Wasserbeschaffer für das Unterbecken. Das Investitionsvolumen gibt Mark-E-Sprecher Köster mit „mehreren Hundert Millionen Euro“ an.

Pumpspeicherwerke seien künftig „ein ganz wesentliches Element der Energieerzeugung“, sagt der Experte. Je mehr Strom aus Windkraft und Sonnenlicht gewonnen werde, desto wichtiger seien vor diesem Hintergrund Speicherkraftwerke. Köster: „Stellen Sie sich doch einmal vor: Dezember, 18 Uhr, Hochdruckwetterlage. Es ist dunkel, kein Wind, aber zu Hause steigt am Feierabend der Stromverbrauch.“ Pumpspeicherwerke seien in der Lage, „auf Knopfdruck in Sekunden Strom zur Verfügung zu stellen“. Und zwar nicht nur bei Verbrauchsspitzen, sondern auch, um generell das ganze sensible Stromnetz auszulasten.

Noch nicht rentabel

Bis etwa Mitte des kommenden Jahrzehnts wollen sich die Betreiber mit der Realisierung Zeit lassen. Aus gutem Grund: „Wirtschaftlich gibt das der Energiemarkt zurzeit noch nicht her“, sagt Köster. Das Pumpspeicherwerk in Rönkhausen sei an manchen Tagen mehrfach nur für jeweils ein paar Minuten in Betrieb, manchmal für Stunden. Ein Rund-um-die-Uhr-Betrieb sei nicht notwendig, wohl aber eine jährliche Nutzung im „vierstelligen Stundenbereich“.

Das für die Stromerzeugung benötige Wasser wird anschließend mit überschüssigem Strom wieder ins Oberbecken gepumpt. Für den Tourismus gibt ein Pumpspeicherkraftwerk wenig her. Baden, Boot fahren oder angeln sind nicht möglich. Allerdings könnte ein Wanderweg den künstlichen See säumen.(jühe)

Hintergrund

Funktionsprinzip: In Spitzenlastzeiten liefert das Wasser aus dem Oberbecken über ein Kavernenkraftwerk Strom. Dabei treibt das Wasser durch einen in den Berg gebohrten Schacht – im Fall Sorpesee-Glinge von rund fünf Metern Durchmesser – Turbinen an. Bei hohem Stromangebot an Erneuerbarer Energie beziehungsweise geringer Nachfrage wird Wasser vom Unter- ins Oberbecken gepumpt. Nach dem gleichen Prinzip arbeitet auch das Pumpspeicherkraftwerk der Eon am Edersee bei Hemfurth.

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