Debatte über Städtebau

WLZ-Leser diskutieren: Steht Korbach das neue Gesicht?

+
Mausgrau oder modern? Die umgestaltete Korbacher Fußgängerzone.

Korbach – „Was halten Sie von den städtebaulichen Veränderungen in Korbach?“, haben wir gefragt – WLZ-Leser haben geantwortet. Wir geben die Zuschriften hier wieder.

Iris Kearns aus Korbach schreibt: „Es ist ja gut wenn alles in Korbach verschönert werden soll. Aber neu ist nicht immer besser. Siehe neue Fußgängerzone: graue Steine auf denen man jeden Fleck sieht, Zigarettenkippen die in den Ritzen feststecken, die Rinne in der Mitte wo man mit Absatzschuhen umknickt, die Steinbeete wo jeden Tag die Steine rausgekickt oder geworfen werden. Da ich in der Fußgängerzone arbeite, habe ich schon viel negative Kritik gehört, aber nichts Positives.

Der Stadtpark soll nun auch verschönert werden. Wer kommt bloß auf die Idee die Pergola zu versetzen oder gar ganz zu entfernen? Die stand schon da, als ich noch Kind war. Wir Korbacher erfreuen uns daran! Also bitte nicht wieder so viele Fehler machen wie bei der Fussgängerzone. Vorschlag: Die Pergola bleibt wo sie ist, es gibt einen kleinen Teich und eine grosse Rasenfläche , die auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Fertig. Und günstiger als alles andere.“

Ulrich Trachte aus Korbach schreibt: „Es ist schön, wenn genug Geld für Veränderungen da ist, aber ob es sinnig ist, den einen Teich aufzugeben und einen anderen anzulegen und eine schöne Pergola als Begrenzung zur Straße abzureißen, darüber kann man streiten. Wichtiger ist, dass nachher noch genug Geld für das Sauberhalten der Anlagen da ist, was leider bei vielen Flächen neben den Straßen gerade im Winter fehlt. Auch die neue Fußgängerzone nähert sich leider durch Kaugummi, Splitsteine und Zigarettenkippen dem beseitigten Waschbetonpflaster an.

Ein Rückbau der unschönen, überbreiten Briloner Straße wäre dringen nötig, um bessere Radwege, einen moderneren Stadteingang und weniger Versiegelung zu erhalten. Dem Friedhof würden mehr blühende Bäume gut zu Gesicht stehen. Auch ein Lärmschutz an der östl. Umgehung an der Bundesstr. auf Höhe des Kleingartens wäre für Korbachs Osten wünschenswert, ehe funktionstüchtige Dinge verändert werden. Ansonsten könne wir aber mit den meist schönen Anlagen zufrieden sein.“

Peter Fuchs aus Meineringhausen schreibt: „Eine Stadt muss sich weiterentwickeln. Diese Meinung kann ich durchaus verstehen und unterstützen. Nur die vielen schönen Dinge mit Erinnerungen aus der Zeit als Kind oder Jugendlicher kann man wohl als Zugereister nicht so recht nachempfinden. Bausünden wurden schon genug gemacht. Das Korbacher Loch hätte man lieber den Autofahrern überlassen sollen. So müssen die alten Leute und Rollstuhlfahrer die Treppe überwinden und umrunden. Die schöne alte Post musste wohl wegen der teuren Grundstücke weichen. Woolworth und Nebengebäude eine Katastrophe. Die Bahnhofstraße war immer eine schöne Einkaufsstraße. Die Gebäude sind doch heute eine optische Zumutung . Ein schönes Pflaster macht da auch nicht viel wett. Neben dem Rathaus stand ein wunderbares riesengroßes Fachwerkhaus.

Rathauserweiterung wunderbar geeignet. Es wurde abgerissen weil man ein Grossraumbüro haben wollte und keine einzelnen Büros. Kurze Zeit später stellte man im Betonneubau Stellwände auf und ein wunderbares unübersichtliches Labyrinth ist entstanden. Tolle Planung die viel Steuergelder gekostet hat. Nun wird das ganze wieder abgerissen wegen Baufälligkeit. Die meisten Bausünden entstanden in den 60er und 70er Jahren. Ich könnte noch unzählige weitere Dinge aufzählen. 

Ich möchte das die Pergola bleibt. Auch die Verbindung vom Stadtpark zur Allee sollte für Fußgänger und Fahrradfahrer mehr als durch eine Bodenwelle gesichert werden. Autofahrer haben hier immer noch Vorfahrt. Versuchen sie mal ungehindert mit einem Kinderwagen die Straße zu queren. Eine neue Verkehrsplanung mit Beseitigung der schönen Pergola würde nach meiner Meinung den Autoverkehr noch mehr in der Stadt verstärken. Alle reden von Umweltbelastung. Darüber sollten wir nachdenken, denn das ist auch unsere Zukunft. Kinder müssen uns zeigen wie das funktionieren könnte. Schämen wir uns doch ein wenig. “

Petra Rhodius aus Korbach schreibt: „Ich habe mehrere Anwohner und Nachbarn befragt, wie sie zu den Planungen stehen. Bis auf ein Ehepaar war es den anderen egal, da sie selten in den Park gehen. Mir liegt nichts daran, dass die Kleinarchitektur Pergola denkmalgeschützt wird, aber sie hat eine wichtige Funktion. Sie dient mit der Bepflanzung als Abgrenzung und auch als Lärmschutz. Denn zu gewissen Stunden am Tag ergießt sich eine schier kaum enden wollende Lawine von Autos durch die Strother Straße.

Zugegeben, es gibt keine Raser, es ist also ein relativ ruhiger Verkehr, und trotzdem, wenn ich dort in der Nähe sitze, möchte ich nicht dauernd auf Autos schauen und hören, denn ich sitze ja im Park.

Für die weitere Planung sieht es doch dann so aus, daß die Strother Straße verbreitert werden muss, um Platz für Lkw zu schaffen, die dann für Bühnenaufbau und Catering parken müssen. Demnach ist doch dann die ganze Zeit, wenn es keine Veranstaltungen gibt, eine große, leere Asphaltfläche vorzufinden, die völlig ungenutzt Platz vom Stadtpark abgespaltet ist. Korbach hat doch dafür die Hauer. Zugegeben, dort gibt es nur wenig Bäume.“

Die Pergola im Stadtpark: Das Herz vieler Korbacher hängt an dem bewachsenen Pfeilergang.

Holger Rummel aus Bad Arolsen schreibt: „Marianne Dämmer hat mit ihrer Meinung zur Fußgängerzone den Nagel auf den Kopf getroffen. Viel hässlicher hätte sie kaum werden können. Alleine die endlosen Zigarettenkippen in den Ritzen zeugen von wenig Realitätssinn des Planers. Chance vertan, der Hessentag war trotzdem klasse!“

Annegret Butterweck aus Korbach schreibt: „Bei vielen Diskussionen mit "alten" und "neuen" Korbachern ist einhellig die Meinung, dass die Pergola am Stadtpark bleiben sollte. Es ist ein schöner Abschluss zur Straße hin. Man sollte die Bühne für Veranstaltungen ans andere Ende des Parks verlegen, dort könnte man den angrenzenden Parkplatz zum Andienen benutzen. Den Spielplatz in der Nähe der Fußgängerzone zu errichten, halte ich für Unsinn, welche junge Familie mit Kindern kommt nach Korbach zum Einkaufen? (Die kaufen doch alles im Internet). Und wenn, dann halten diese sich in der Fußgängerzone und den dortigen Eisdielen auf.

Dass der Teich, an dem ganze Generationen von Korbachern beim Entenfüttern groß geworden sind, kleiner wieder entstehen soll, warten wir ab. Diese graue Steinfläche, auf der kein Kind spielen kann (Verletzungsgefahr) ist ein wahrer Schandfleck.

Außerdem sollte man bei der Umgestaltung bedenken, dass die „alte“ Alte Landesschule zu altersgerechten Wohnungen umgebaut wird. Für die Bewohner wäre der Stadtpark ein ideales Ziel für ihre Spaziergänge.

Herzlichen Dank an Frau Dämmer für ihre guten, objektiven, vielleicht auch schmerzvollen Worte bzgl. Frankenberg. Man merkt, sie ist eine heimatverbundene Journalistin, eine echte Korbacherin!“

Georg Dembowski aus Ober-Waroldern schreibt: „Schon als Kind in den 1960ern und Anfang der 1970er Jahre war ich geschockt, wie in Korbach der 'Fortschritt' Einzug hielt. Für mich fing die radikale Veränderung schon mit der Abholzung der Allee an der Briloner Landstraße richtung Lelbach an, um Platz zu schaffen für eine autogerechte Straße. Es ging weiter mit dem Ausbau der Kreuzung Briloner Landstraße Louis-Peter-Straße, dem u.a. auch der Vorgarten mitsamt der alten Blutbuche vor Heinemanns Haus zum Opfer fiel. 

Es folgte der Abriss vieler altehrwürdiger Gebäude, z.B. in der Bahnhofstraße. Dafür entstand zunächst ein an Hässlichkeit nicht zu überbietender Betonklotz namens Woolworth. Der war ein Renner mit Rolltreppe und jeder Menge Plastiktüten für den Ramsch, den es dort zu kaufen gab. Die alte Post musste dem Loch weichen. ebenso der Kreisel und das alte Haus mit dem Rheikaladen.

Dann kam der Waschbetonbau ans Rathaus, der als "gelungenes nebeneinander von Alt und Neu" im Touristenprospekt der Stadt gelobt wurde. die alte Stadthalle, ein solider Backsteinbau, in dem wir Schüler Laienspielvorführungen machten, musste der "schmucken" neuen Post mit lila Fensterscheiben weichen. Die Hauer wurde für die heranrollende Autoflut durch eine Straße zweigeteilt. An deren einen Seite entstand ein weitere Betonklotz, das Hotel Touric. Auf der anderen Seite Parkplätze. Der Charme der alten Hauer mit ihren Alleebäumen und dem darunter stattfindenden alljährlichen Kiliansmarkt war dahin. 

Auch die neue Kreissparkasse musste fast so hoch wie der Nikolaiturm sein. Da weiß man doch endlich, was im Leben wirklich zählt! gegenüber wurde der Pfarrgarten mit seinem alten Obstgarten planiert und für Parkplätze der Kundschaft hergerichtet!

Auch in der Neuzeit geht der Feldzug gegen die Lebendigkeit, die in Korbach zwischen und in den Gemäuern einfach so da war, leider weiter. Da werden Millionen für grauen Beton und in Kübeln eingezwängtes, mickriges Begleitgrün ausgegeben und uns als Stadtentwicklung verkauft. In all dieser grauen Tristesse mit ihren nackten toten Fassaden kann man depressiv werden! Dabei ist es längst erwiesen, dass Pflanzen, tiere und verwunschene Ecken Menschen besonders glücklich machen.

Jetzt soll auch noch der Teich im Schießhagen weichen. Der im Stadtpark ist ja schon weg mitsamt der Enten und Fische. Man könnte ihn einfach mal in Ruhe lassen und bestenfalls ein paar Dinge tun, damit Vögel, Fische und Amphibien sich qwohlfühlen und fertig wäre ein schöner Treffpunkt für Mensch und Tier!

Die Pergola im Stadtpark könnte man noch durch Nachpflanzen von Ranken etwas aufwerten. Vögel hätten mehr Möglichkeiten zu nisten und Menschen könnten sich an ihrem Gesang erfreuen. Das kostet so gut wie nichts.

Ja, Korbach könnte wirklich ein neues Gesicht gebrauchen. Eines, was dem alten wieder ähnelt. Dem viel beklagten Artenschwund könnten auch die Verantwortlichen der Stadt Korbach mehr Bedeutung einräumen bei der Stadtentwicklung. Mehr Mut zur Natürlichkeit würde ich vorschlagen! Ein lebenswertes Korbach wäre auch ein Korbach, wo im Sommer die Mauersegler so wie früher in Scharen durch die Straßen jagten, in mauerritzen nisten konnten, die Mehlschwalben an den Häusern wieder Nester bauen können, so wie damals z.B. in Mengen an der Apotheke am Berndorfer Tor.

Für mich hat Korbach sein Gesicht verloren. Es dürfte schwer, aber nicht unmöglich sein, ihm wieder Konturen zu verleihen, so wie die Renovierung des Fachwerkhauses in der Prof. Kümmellstraße zeigt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare