Erfahrungen mit Teleskoplader und Hoftrac

Probefahrt auf dem Acker: WLZ testet Weidemann-Fahrzeuge in Korbach

Gelegenheit zum Testen des neuen Hoftracs 1390 gab Weidemann Journalisten, darunter WLZ-Redakteur Wilhelm Figge.
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Gelegenheit zum Testen des neuen Hoftracs 1390 gab Weidemann Journalisten, darunter WLZ-Redakteur Wilhelm Figge.

Die Firma Weidemann hat den Teleskoplader T4512 und den Hoftrac 1390 komplett überarbeitet – und Journalisten testen lassen. Ein Erfahrungsbericht.

Korbach – Hinab ging es den staubigen, steilen Hang zu Fuß in Trippel-Schritten. Bei der Fahrt zurück hoch im Hoftrac sollen die zur Vorstellung neuer Weidemann-Fahrzeuge eingeladenen Journalisten einfach mal mitten am Hang anhalten und schauen, was passiert. Gesagt, getan: Der eine Fuß geht vom Gas, der andere bleibt mit etwas Überwindung von der Bremse weg, der Rücken drückt wegen der Steigung etwas in den Sitz – aber der Hoftrac kommt sofort und sanft zum Stehen. Die neue elektrische Parkbremse funktioniert schon mal.

Sie ist eine der Neuerungen, welche das Unternehmen bei einer wegen der Pandemie über zwei Wochen verteilten „Drive-In-Pressekonferenz“ Journalisten aus ganz Deutschland vorgestellt hat – landwirtschaftliche Fachpresse testet da schon mal im Wechsel mit in der Bedienung schweren Geräts unerfahrenen Lokalredakteuren.

Eigentlich stand beim Teleskoplader T4512 und beim Hoftrac 1380 nur eine Überholung der Motoren an, um Stufe V der Abgasnorm zu entsprechen. „Wir sind dann aber einen Schritt weiter gegangen“, sagt Christina Heine vom Marketing: Viele Neurungen gibt es, die meisten lassen sich testen. Beim Hoftrac äußert sich das im neuen Namen 1390, der Teleskoplader bleibt bei T4512 – als Abkürzung, dass das kleine Gerät bis in eine Hubhöhe von 4,5 Metern eine Nutzlast von gut 1,2 Tonnen heben kann.

Ziemlich gemütlich ist die Fahrt im T4512 beim Mulchen.

Nominell geht die Motorenüberarbeitung mit teils niedrigeren PS-Zahlen einher, jeweils 25 und 45 Pferdestärken. Durch den neu entwickelten elektronisch geregelten Fahrantrieb werde aus denen aber mehr rausgeholt, sagt Christina Heine. Dem Laien fehlt bei allerersten Hoftrac-Runden auf dem Parkplatz die Vergleichsgrundlage, aber das Fahrzeug lässt sich zügig und mit überraschender Wendigkeit steuern – in der etwas erhöhten Sitzposition ist das gewöhnungsbedürftig, lässt sich aber schnell lernen.

Die linke Hand auf den Knauf am Lenkrad, die rechte an den Joystick: Das hat Tobias Strasen vom Produkt-Management seinem „Fahrschüler“ gleich zu Beginn eingetrimmt: Der Joystick bedient schließlich den Arm und über den dritten Steuerkreis das angebrachte Gerät – auch beim Üben soll sich der Fahrer gar nicht erst an eine andere Haltung gewöhnen.

Angebracht ist eine Schaufel – und auf dem Acker liegen große Erdhügel. Tobias Strasen erklärt das Vorgehen: Die Schaufel gerade stellen und fast bis auf den Boden senken, dann langsam vorfahren und sie samt Erde einrollen – zieht der Fahrer den Joystick zu sich, kommt ihm auch die Ladung näher. Beim ersten Versuch ohne Anleitung kommt deutlich weniger Erde zusammen – aber von Mal zu Mal wird es mehr. Eine Warnung bleibt dabei immer im Ohr: Beim Fahren sollte die Last tief gehalten werden – sonst besteht die Gefahr, zu kippen.

Wechsel in den Teleskoplader T4512: Angebracht ist ein Mulcher. Der elektronische Fahrantrieb ermöglicht neue Fahrmodi. Tobias Strasen erklärt, wie sich Tempo und Hydraulikmenge über den Joystick einstellen lassen, mit konstanter Leistung und gemütlicher Geschwindigkeit geht es durch das Feld. Wenn die Arbeitslast am Gerät vorne zu hoch würde, würde der verwendete Anbaugerätemodus automatisch die Leistung des Fahrbetriebs reduzieren, damit die Qualität des Arbeitsergebnisses gleich bleibt.

Schnell umrüsten lässt sich der Teleskoplader - und schon wird wieder Erde geschaufelt.

Das lässt sich auf dem Feld nicht erleben – größte Schwierigkeit ist die Staubwolke, die am heißen, trockenen Septembertag aufgewirbelt wird. Da ist der Fahrer froh, nicht die Optionen zum Öffnen der Fenster, sondern die Klimaanlage zu testen.

Eine letzte Kleinigkeit hat Tobias Strasen zu demonstrieren: Am Rande des Geländes soll das Gerät getauscht werden. Also den Mulcher runter lassen, Druck vom System nehmen und per Knopfdruck die Bolzen lösen – und das ganze noch mal umgekehrt, um das neue anzubringen. Mit etwas Übung ginge das auch alleine. Was zum Abschluss für Freude sorgt: Montiert wurde eine Schaufel – und es ist noch etwas Zeit, um Erde zu bewegen. (Wilhelm Figge)

Die Firma Weidemann

Die Firma Weidemann ist führender Hersteller von Hoftracs, Rad- und Teleskoplader für die Landwirtschaft, Kommunen, Gärtnereien und Baumschulen in Zentraleuropa. In den Stammwerken in Diemelsee und Korbach werden 550 Mitarbeiter beschäftigt. Derzeit wird in Korbach erweitert: Künftig will Weidemann komplett an dem Standort firmieren, schon 2007 wurde die Produktion verlagert. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1960, seit 2005 ist Weidemann eine Tochter des Konzerns Wacker Neuson SE mit Sitz in München.

Zwei gefragte Modelle sind der 1380, als Hoftrac eine Art kleiner Radlader für engere Räume, und der Teleskoplader T4512. Dessen „Vertical Lift System“ ermöglicht annähernd vertikale Hub- und Senkbewegungen, die Teleskopierung ist teilautomatisiert. Seit zehn Jahren ist er auf dem Markt und erfährt wie der Hoftrac 1380 nun seine größte Überarbeitung. Anlass ist die Umsetzung der Abgasnorm V: Motoren zwischen 19 und 59 kW Motorleistung benötigen Abgasrückführung, Dieselpartikelfilter und Dieseloxidationskatalysatoren – die kleinere nun eingesetzte Motorenklasse kann darauf verzichten. (red/wf)

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