Gemeinde prüft Standorte für Windkraftanlagen · Investition von 25 bis 30 Millionen Euro im Gespräch

Wohin mit Windrädern im Upland?

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Rattlars Ortsvorsteher Hartmut Saure zeigt, wo die Firma „ABO Wind“ einige Windkraftanlagen errichten möchte: drei am Eideler (unser Bild), zwei am Hermannsberg. :

Willingen (Upland). - Die Firma „ABO Wind“, die ihren Firmensitz in Wiesbaden hat und international tätig ist, hat schon über 400 Windenergieanlagen ans Netz gebracht. Sie möchte möglichst auch im Upland aktiv werden.

Rund 60 Rattlarer und einige Bürger benachbarter Ortsteile folgten am Mittwoch einer Einladung des Rattlarer Ortsbeirats. Bürgermeister Thomas Trachte und Ortsvorsteher Hartmut Saure informierten sie im Gasthaus Schäfer/Grebe über die planungsrechtlichen Vorgaben und über den aktuellen Stand der Dinge.

Wie bereits ausführlich berichtet, wird in der Uplandgemeinde derzeit im Rahmen der Aufstellung eines Teilflächennutzungsplans geprüft, welche Gebiete für den Bau von Windkraftanlagen infrage kommen. „Wir wollen keinen Wildwuchs“, betonte Bürgermeister Thomas Trachte. Die gemeindlichen Gremien haben sich bereits mehrfach mit der Thematik beschäftigt. Zudem gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium, das mit der Überarbeitung des regionalen Raumordnungsplans befasst ist.

Sensibler Bereich

Im Upländer Gemeindegebiet gibt es einige wenige Flächen, die die Voraussetzungen für den Bau von Windkraftanlagen generell erfüllen. Dazu gehört das Gebiet im Bereich Eideler/Hermannsberg, in dem „ABO Wind“ tätig werden und insgesamt fünf Windkraftanlagen errichten möchte. Sie erreichen laut Bürgermeister Trachte einschließlich der Rotoren einen Höhe von rund 200 Metern.Wie Benjamin Schneider vom Maschinenring Waldeck-Frankenberg, der die Interessen der Grundstückseigentümer vertritt, in der Sitzung erklärte, geht es bei dem Vorhaben um ein Investitionsvolumen von 25 bis 30 Millionen Euro.

In den Entwurf des Teilflächennutzungsplans wurden zunächst einmal alle Areale aufgenommen, die grundsätzlich infrage kommen. Inzwischen ist die erste Offenlegung erfolgt und eine Vielzahl von Stellungnahmen bei der Gemeinde eingegangen. Sie werden jetzt ausgewertet und die politischen Gremien müssen dann entscheiden, welche Flächen weiterverfolgt werden sollen.

Trachte verdeutlichte, dass noch keine Entscheidungen gefallen sind. Er machte allerdings kein Geheimnis daraus, dass der Gemeindevorstand dazu tendiert, das Areal im Bereich Eideler/Hermannsberg aus der Flächennutzungsplanung herauszunehmen. (bk)

Zwischen vier Dörfern

Der Hintergrund: Dieses Gebiet liegt mitten zwischen Willingen, Schwalefeld, Rattlar und Usseln. Sollten hier Windräder entstehen, so würden den vier Orten langfristig sowohl touristische als auch siedlungspolitische Entwicklungspotenziale­ genommen. „Sollten unsere Nachfolger beispielsweise in 20 Jahren doch noch einen Golfplatz bauen wollen, so stünde das einzige dafür infrage kommende Gelände nicht mehr zur Verfügung.“

Der Gemeindevorstand hat der Firma „ABO Wind“ mitgeteilt, dass die politische Willensbildung in der Uplandgemeinde im Moment noch nicht abgeschlossen ist, und darum gebeten, vorerst keinen Bauantrag zu stellen. „Das Unternehmen hat sich dahingehend geäußert, dass es den politischen Willen der Gemeinde respektieren wird“, berichtete Trachte. Sollte der Antrag dennoch kurzfristig vorgelegt werden, würde die Gemeinde eine Zurückstellung beim Regierungspräsidium beantragen. Trachte geht davon aus, dass einem solchen Rückstellungsantrag mit großer Wahrscheinlichkeit stattgegeben würde.

„Müssen Lösung finden“

„Wir müssen eine Lösung finden, um die Vorgaben der höheren Politik auf eine Weise umzusetzen, die für die Bevölkerung erträglich ist“, so der Verwaltungschef. Auf der Suche nach einem geeigneten Gelände für Windkraftanlagen beobachtet der Gemeindevorstand im Augenblick sehr aufmerksam die Entwicklung im Bereich des Krutenbergs bei Titmaringhausen (sie Bericht unten). Sollte im dortigen Grenzgebiet auf westfälischer Seite ein Windpark verwirklicht werden, so kann sich der Upländer Gemeindevorstand vorstellen, auf hessischer Seite eventuell ebenfalls einen Standort für Windkraftanlagen auszuweisen. Das Landschaftsbild wäre dort dann ohnehin beeinträchtigt. Auch wären weitaus weniger Konflikte mit der Bevölkerung und mit den touristischen Belangen zu erwarten als in dem sensiblen Bereich an Eideler und Hermannsberg.

Um die Stimmung der Bürger zu erkunden, bat Ortsvorsteher Saure um ein Votum der Anwesenden. Sie sprachen sich mit großer Mehrheit gegen einen Windpark zwischen den vier Uplanddörfern aus.

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