Kabarettist Uli Masmuth gastiert auf Einladung des Kulturforums vor vollem Haus

Wohlfühlton mit scharfer Wirkung

Korbach - Ein Kabarettabend voller guter Nachrichten. Geht das überhaupt? Der Kabarettist Uli Masmuth stellte sich am Freitagabend dieser Aufgabe in Korbach mit Bravour.

Sein Versprechen, das er am Freitag im Korbacher Bürgerhaus dem Publikum gab, nämlich dass es später leichten Fußes und um viele gute Nachrichten reicher nach Hause gehen würde, hielt er – auf seine Weise: Irgendwie vertragen sich gute Nachrichten mit Kabarett nicht so gut, und natürlich kann Uli Masuth, da politisch aktuell, das Publikum von schlechten Nachrichten nicht wirklich verschonen. Doch der Kabarettist versteht es, zu jedem politischen und gesellschaftlichen Malheur, zu jeder Katastrophe noch eine gute Nachricht zu finden – sei sie noch so böse konstruiert. Und während er so locker süffisant plaudert über die Unbilden der Gegenwart, spielt er gewannt am Flügel und die dahinplätschernden Wohlfühl-Klaviertöne lassen seine scharf formulierten Analysen, seine sarkastischen Aussagen und seine Ironie noch schärfer wirken.

Wortgewandt begibt er sich auf das politische Spannungsfeld und lässt, immer lächelnd, freundlich und bedacht, viele kleine Bomben hochgehen. Wie schön es doch sei, dass von der Leyhen als Flinten-Uschi die Bundeswehr familienfreundlicher machen wolle; in ausrangierten Panzern auf Spielplätzen lasse sich der Nachwuchs schließlich schon früh auf das Wesentliche einstimmen. In Großbritannien habe mit zündenden Ideen sogar die Nachhaltigkeit Einzugehalten: Sprengsätze enthielten weniger Blei und würden viel leichter detonieren – und das bei gleichbleibender Tötungsqualität. Mit Blick auf den inflationäre benutzten Begriff „Volkssport Steuerhinterziehung“ konstatierte er, dass Volk könne sich Steuerhinterziehung gar nicht leisten im Gegensatz zu Wohlhabenden wie Alice Schwarzer, die sich 2013 daran erinnert habe, ein gleichnamiges Konto in der Schweiz zu besitzen. „Die gute Nachricht ist, dass man sie jetzt seltener im Fernsehen sieht“.

Überhaupt lohne es sich beim Thema Geld, bei guten Nachrichten zu bleiben, den Märkte würde keinen schlechten Unterton vertragen. Die gute Nachricht: „Den Euro gibt es noch und die deutsche Regierung schmeißt mit Milliarden um sich – es gibt sie also“. Spätestens seit der Eurokrise seien die Deutschen die größten Optimisten, ihr Exportschlager Nummer 1 sei die Agenda 2010, „die Ukraine freut sich schon“. Vater Staat müsse jährlich 1,5 Milliarden Euro an Ergänzungsleistungen an Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor leisten. Dabei könne man dem Steuerzahler doch gar nicht zumuten, dass er die Arbeitgeber subventioniere: „Das Geld, dass man mühsam im Discounter eingespart hat, zieht einem Vater Staat auf der anderen Seite wieder aus der Tasche“. Angesichts der Niedriglöhne sei es kein Wunder, dass Deutsche in der Schweiz arbeiten wollten, um dort mehr Geld zu verdienen. „Wir sind damit nun die Rumänen und Bulgaren in der Schweiz – Billiglöhner, die das Gehalt der Schweizer drücken“.

Auf viele Skandale geht Uli Masmuth noch ein, um ein wenig Ablenkung vom Alltag zu schaffen, ehe er sich am Ende versöhnlich gibt mit einem guten Ratschlag: „Zuviel Aufregung macht missmutig und verkürzt das Leben“, deshalb sei es manchmal besser, das Kleingedruckte nicht zu lesen. Dass Masuth das jedoch nicht für sich gelten lässt und genau hinschaut auf Politik und Gesellschaft, das bewies der Kabarettist mit Wahlheimat Weimar am Freitagabend treffsicher und klug. Das war eine wirklich gute Nachricht. (md)

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