Investor will Fachwerkhaus durch Neubau ersetzen · Denkmalschutz hat Abriss noch nicht genehmigt

Wohnhaus statt leerem Lampenladen

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Der ehemalige Lampenladen am Markt steht seit vielen Jahren leer. Die Schaufenster sind verhängt, ein Bauzaun sichert das zum Teil vom Einsturz bedrohte Fachwerkhaus.

Korbach - Seit vielen Jahren steht der ehemalige Lampenladen am Markt leer. Ein Investor plant nun einen Neubau, doch noch ist unklar, ob das 274 Jahre alte Fachwerkhaus abgerissen werden darf.

Dass es dem Gebäude in der Enser Straße an die Substanz geht, ist auch von außen nicht zu übersehen: Fast alle Fenster sind kaputt, der Putz bröckelt, ein Bauzaun um das Gebäude soll Fußgänger und Autos vor herabfallenden Teilen schützen. Seit mehreren Jahren stehen die 30 Zimmer des Gebäudes leer. Zuvor hatte ein Familienbetrieb im Haus Leuchten und Lampenschirme hergestellt.

„Nicht wirtschaftlich“

Der Korbacher Architekt Karl Suck plant nun einen Wohnhaus-Neubau an der Stelle des baufälligen Gebäudes. Der Denkmalschutz prüft noch, ob das Haus abgerissen werden darf. Es zu retten, erscheint offenbar wenig realistisch. Suck sagte gegenüber der WLZ-FZ: „Eine wirtschaftliche Sanierung ist nicht realisierbar.“ Die Bausubstanz sei marode, der Anbau drohe zusammenzubrechen, auch Dach und Fenster seien in einem sehr schlechten Zustand. Allein schon die Entrümpelung des Gebäudes sei mit immensen Kosten verbunden, erklärte der Architekt. Eine Abrissgenehmigung kann trotz Denkmalschutzes erteilt werden, wenn der Erhalt eines Hauses wirtschaftlich nicht zumutbar ist.Auch die derzeitige Besitzerin hofft auf ein baldiges Signal des Denkmalschutzes. „Wir warten nur noch auf die Genehmigung zum Abriss, dann kann es losgehen“, sagte die Korbacherin.

Die Geschichte des Gebäudes ist lang und zum Teil mit dramatischen Schicksalen verbunden: Der Hofrat und Stadtcommissar Tilemann Arnold Heinrich Wal­deck ließ das Wohnhaus 1740 errichten, wie sich aus dem Häuserbuch des Korbacher Stadtarchivs entnehmen lässt. 1855 kaufte der Rechtsanwalt Heinrich Wilhelm von Warnsdorf das Haus. 1874 wurde er tot in seinem Zimmer mit einer Schusswunde in der Brust aufgefunden. Er wurde nur 57 Jahre, neun Monate und 14 Tage alt.

Im Jahr 1903 erwarb der Kaufmann und Rentier Wilhelm Postelmann das Grundstück. Nach dem Tod seiner Frau kam das Fachwerkhaus 1922 in den Besitz der Stadt Korbach, die es 1951 an die heutige Besitzerfamilie weiterverkaufte.

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