Korbacher Stadtkrankenhaus kämpft mit Überbelegung und Wartezeiten in den Wintermonaten

„Wollen niemanden abweisen“

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Hochbetrieb herrscht seit Dezember im Korbacher Krankenhaus. Vor allem im Altbau würden Patienten darunter oft leiden, räumt Chefarzt Dr. Jochen Klotz ein.Foto: Demski

Korbach - Im Korbacher Krankenhaus herrscht Hochbetrieb. Bis zu fünf, auch mal sechs Patienten müssen sich zuweilen ein Zimmer teilen. Der dritte Bauabschnitt und der Frühling wecken allerdings Hoffnung auf Besserung.

Einen Moment nicht aufgepasst, auf glattem Gehweg ausgerutscht und der Tag endet mit einem gebrochenen Arm in der Korbacher Notaufnahme. Dort treffen Pechvögel in diesen Wochen immer öfter auf Patienten mit Infektions- und Viruserkrankungen. Es herrscht Hochbetrieb - in der Notaufnahme ebenso wie auf den Stationen.

„Damit haben wir jedes Jahr in den Wintermonaten zu kämpfen“, sagt Chefarzt Dr. Jochen Klotz. In diesem Jahr käme hinzu, dass die Umbaumaßen am Krankenhauskomplex die räumliche Enge noch verstärken würden. 228 Betten stehen im Krankenhaus zur Verfügung, im Moment sprechen die Verantwortlichen von „Überbelegung“.

Viruserkranungen verschärfen die Lage

„Wir registrieren diese Situation und sind besorgt“, sagt Dr. Jochen Klotz. Vor allem im Altbau würden Patienten die Lage häufig als sehr unangenehm empfinden. Denn wenn alle Plätze belegt sind, müssen in Zweier-, Dreier- und Viererzimmer auch mal Betten eingeschoben werden. „Das ist im Moment die einzige Lösung, denn wir möchten auf keinen Fall, dass Patienten in Fluren oder Wirtschaftsräumen abgestellt werden“, betont Klotz.

Verstärkt wird das Problem, wenn Patienten mit Infektionskrankheiten isoliert untergebracht werden müssen. „Dann wollen wir alle Hygienestandards beachten und können Zimmer eben nur mit einem Patienten belegen, die für mehrere ausgelegt sind“, erklärt der Arzt. Vor allem der Norovirus mache diese Maßnahmen häufig nötig.

Treten diese Fälle auf, müssen Patienten auch den Wechsel von Zimmern und Stationen in Kauf nehmen. „Das führt zu einer Art Patiententourismus, der weder uns noch den Patienten gefällt“, betont der Arzt. Die Alternative allerdings gefällt den Ärzten auch nicht: Patienten abweisen! „Dazu konnten wir uns noch nicht durchringen“, sagt Dr. Jochen Klotz. Damit würden Patienten sich selbst überlassen und müssten lange Wege zu anderen Kliniken in Kauf nehmen. „Und dort sieht es ja nicht anders aus“, weiß der Chefarzt. Inzwischen habe sich die Lage ein bisschen entspannt, nachdem Ende Dezember und Anfang Januar kaum Land in Sicht war. „Und wir erhoffen uns natürlich, dass der Abschluss des dritten Bauabschnitts Ende des Jahres die Situation weiter entspannt“, erklärt Klotz.

Immer wieder sei die Überbelegung in den vergangenen Wochen auch Thema in Chefarzt-Runden und anderen Gremien des Krankenhauses Thema gewesen. Eine Änderung haben die Ärzte bereits beschlossen: „Wir wollen die Situation in der Notaufnahme etwas entzerren“.

Statt zum Facharztin die Notaufnahme

Dort kämen nämlich nicht nur Notfälle an, sondern auch Patienten, die zur ambulanten Sprechstunde der Chefärzte, zum Röntgen oder zu den Berufsgenossenschaften wollten. „Wenn Patienten in der Ambulanz ankommen, bekommen sie manchmal einen falschen Eindruck und machen sich Sorgen, wann sie an die Reihe kommen“, sagt Dr. Jochen Klotz. Das will die Klinik ändern.

Längere Wartezeiten hätten allerdings auch in der Notaufnahme in den vergangenen Wochen auf dem Programm gestanden. 20000 Patienten kommen hier im Jahr an. „Es gibt schon seit einigen Jahrzehnten den Trend, dass Patienten lieber ein paar Stunden in der Notaufnahme warten als viele Monate auf den Termin beim Facharzt“, erklärt der Chefarzt.

Auch Patienten, die mit ihrem Leiden beim Hausarzt gut aufgehoben wären, kommen immer öfter ins Krankenhaus. „Diesen Trend erkennen wir auch beim Ärztlichen Notdienst“, sagt Klotz, „wegen Versorgungslücken gehen Menschen dann lieber gleich ins Krankenhaus.“ Und es gilt: Wer kommt, der wird behandelt. Der Chefarzt betont: „Schließlich bemühen wir uns ja auch, unsere Patienten so zufrieden wie eben möglich zu stellen.“

Von Theresa Demski

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