Kai Jebsen erlebt als Ordnungspolizeibeamter der Stadt Korbach täglich neue Geschichten

Von Würstchen und Knöllchen

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Korbach - Sein Revier ist Korbach. Egal ob Grüngürtel oder Fußgängerzone, ob Wohngebiete oder Dörfer. Kai Jebsen arbeitet bei der Ordnungspolizei - und seine Aufgabe besteht nicht nur darin, Knöllchen an eigentlich ganz unschuldige Autofahrer zu verteilen.

Es war an einem Samstagmorgen um halb neun, als sich Kai Jebsen das erste und bislang letzte Mal unsicher in seinem Beruf fühlte. Er war auf dem Weg durch die Fußgängerzone Korbachs, als ihm Betrunkene entgegen kamen. „Ich habe die Straßenseite gewechselt, irgendwie hatte ich ein schlechtes Gefühl.“

Letzter Ausweg Pfefferspray

Den Männern schien der Alkohol nicht bekommen zu sein. Sie beschimpften Kai Jebsen, gingen aggressiv auf ihn zu. Einen Grund dafür gab es nicht. „Es lag wohl an der Uniform“, sagt der 29-Jährige rückblickend. Er drohte ihnen mit dem Einsatz von Pfefferspray und konnte sich so vor einem Angriff schützen. Jebsen ist Ordnungspolizeibeamter bei der Stadtwache Korbach. Früher gab es dafür die Bezeichnung Hilfspolizist - andere nennen sie Knöllchenschreiber. Beide Begriffe sind nicht wirklich zutreffend.

Das sagt auch Carsten Vahland. Er ist Ordnungsamtsleiter der Stadt Korbach und somit auch für die Stadtwache verantwortlich. „Der Beruf bringt definitiv mehr mit sich, als nur Knöllchen zu schreiben“, sagt Vahland. Das gehe von Geschwindigkeitsmessungen über die Kontrolle von Baustellenbeschilderungen bis zur Überwachung von Firmen, die mit Gefahrstoffen arbeiten.

Ärger mit dem Schneepflug

Acht Personen sind bei der Stadtwache beschäftigt, fünf davon sind vor allem im Außendienst unterwegs - so wie Kai Jebsen. Zwei Kollegen kümmern sich überwiegend um Geschwindigkeitskontrollen.

Für Kai Jebsen beginnt der Tag morgens im Büro in der Stechbahn. Bevor er sich zum Rundgang durch die Stadt aufmacht, protokolliert er Ordnungswidrigkeiten vom Vortag. Aber auch erste Anrufe von Bürgern gehen ein. Im Winter gebe es zahlreiche Beschwerden über Nachbarn, die den Dienst an der Schneeschippe verweigern. Oder aber sich darüber ärgern, dass der Schneepflug die eigene Arbeit wieder zunichte gemacht hat.

„Bei dem Wetter herrscht natürlich Ausnahmezustand. Dann geht es vor allem darum, mit den verärgerten Bürgern zu reden und um Verständnis zu bitten“, erklärt Jebsen. Kommunikation ist als Ordnungspolizist das A und O.

An einem Zebrastreifen grüßt ein Taxifahrer Jebsen, in der Fußgängerzone begegnen ihm viele Menschen mit einem freundlichen „Hallo“. „Durch die Arbeit lernt man so viele Menschen kennen, das macht einfach Spaß“, nennt er einen der Vorzüge seines Berufs.

Dadurch lässt Jebsen sich aber nicht ablenken, der siebte Sinn für Falschparker ist stets eingeschaltet. Ein Finanzberater hat sein Auto neben seinem Büro in der Fußgängerzone im Halteverbot abgestellt. „Denkst du gleich an dein Auto“, ruft Jebsen kurz zur Tür hinein. Der Übeltäter weiß was Sache ist und gelobt Besserung - man kennt sich. Auf dem Rückweg kontrolliert er dann noch einmal. „Wenn jemand meine Gutmütigkeit ausnutzt, dann gibt es eben ein Verwarnungsgeld.“

Vor allem im Winter, sei er auch mal großzügiger. Allerdings gebe es in Korbach immer ausreichend Parkmöglichkeiten. Und trotzdem muss er auf einem Parkplatz für zehn Autos gleich drei Knöllchen verteilen. Das geschieht über das mobile Erfassungsgerät - ein Handy. In einer App gibt Jebsen Kennzeichen und Ort ein, zudem macht er ein Foto vom Auto. Hinter die Scheibenwischer steckt er den unbeliebten blauen Zettel mit dem Hinweis über das Verwarnungsgeld, das dann mit der Post kommt.

Ausreden zählen nicht

Mit 60000 Euro Buß- und Verwarnungsgeldern rechnet die Stadt Korbach im Haushaltsplan 2013. Das sei weniger als in vielen anderen Städten, so Carsten Vahland. Es gehe nicht um Einnahmen, sondern um die Verkehrssicherheit. Deshalb würde auch bewusst auf stationäre Blitzer verzichtet. Mit dem Auto messen die Ordnungsbeamten die Geschwindigkeit vor allem an Schulwegen und vor Kindergärten.

Eine Sache gibt es, für die zeigt Kai Jebsen kein Verständnis. Unberechtigtes Parken auf einem Behindertenparkplatz. Da würden auch keine Ausreden zählen, die meist eh die gleichen seien. 35 Euro Verwarnungsgeld gibt es dafür, auch „wenn der Fahrer nur mal kurz ein Würstchen an der Würstchenbude holen wollte“.

Das richtige Bauchgefühl

Jebsen ist eigentlich gelernter Landschaftsgärtner. Als Arbeiter beim städtischen Bauhof kam ihm die Idee, zur Stadtwache zu gehen. „Das war einfach ein Bauchgefühl.“ So machte er den viermonatigen Lehrgang zum Ordnungspolizeibeamten, seit drei Jahren sind die Parkplätze in Korbach nun sein Revier. Was anderes kann er sich in Zukunft auch nicht vorstellen. „Wir sind quasi das Bürgerbüro der Straße“, beschreibt er den täglichen Kontakt mit den Menschen. Manche wollten auch einfach nur reden, aggressive Stimmung gebe es selten. Und wenn, dann beruhigt er sein Gegenüber. „So schnell wie die Leute aufbrausend werden, beruhigen sie sich auch wieder.“ Am Ende hätten die meisten dann doch Verständnis für seine Arbeit.

Und im Alltag ist Abwechslung angesagt. Wenn Jebsen zum Beispiel die Polizei bei Hausdurchsuchungen unterstütze. Ebenso darf er Platzverbote verteilen. Aber auch eine andere Aufgabe fällt in seinen Bereich: „Hallo? Ist jemand hier drin?“ ruft er in die öffentliche Damentoilette hinein. Keine Antwort, ein kurzer kontrollierender Blick. Keine Schmierereien zu sehen. Weiter geht es durch sein Revier.

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