Stadt und Freie evangelische Gemeinde eröffnen „Give Box“

Wunderkiste zum geben und nehmen

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Eröffnung Give Boxen am Korbacher ObermarktKlaus Friedrich, Johannes Helmer, Noemi Kunze, Thomas Kunze

Korbach - „Das brauche ich nicht mehr“ und „Zum Wegwerfen ist es zu schade“: Gegenstände, auf die beide Sätze zutreffen, können Korbacher in der „Give Box“ hinterlassen.

Eine Reihe von Büchern, ein Lük-Kasten, eine detailverliebt mit Janosch-Figuren bemalte Fliese: Was der Inhalt eines gut sortierten Dachbodens sein könnte, befindet sich tatsächlich am Korbacher Obermarkt. Dort ist seit Kurzem die erste „Give Box“ der Hansestadt in Betrieb: Zwei alte Telefonzellen, in die Bürger nicht mehr benötigte Sachen hineinlegen - und aus denen sie interessante Kleinode mit nach Hause nehmen dürfen.

Die Regeln sind einfach: Jeder kann geben, jeder kann nehmen, es muss nicht unbedingt getauscht werden. Eine Pinnwand dient als Fläche, um auch große Dinge anzubieten. Wenn ein Gegenstand sich nach zwei Wochen als „Ladenhüter“ erweist, soll sein Spender ihn wieder zurücknehmen, bittet Pfarrer Johannes Helmer.

Die Freie evangelische Gemeinde gab den Anstoß zur „Give Box“, Thomas Kunze brachte die Idee aus Düsseldorf mit. Zusammen mit seiner Frau Noemi pflegt er die Tauschkisten, räumt auf und schließt abends ab.

Die Stadt Korbach hat die Anschaffung unterstützt: Für wenige Hundert Euro hat sie vier Telefonzellen von einer Sammelstelle in Berlin erworben und lackiert. Der Transport wurde gespendet, die beiden anderen Häuschen gehen an die Lebenshilfe und den Verein Lesebändchen. Ein Gästebuch will die Stadt noch spendieren.

Die ersten Gegenstände hat die Freie Evangelische Gemeinde eingeräumt, seitdem erscheinen und verschwinden immer neue Dinge von Spielzeug über Kleidung bis zum Kaffeeservice. „Hier kann jeder Menschen etwas geben, was sie gebrauchen können“, sagt Bürgermeister Klaus Friedrich. Die „Give Box“ sei ein Signal für sparsamen Umgang mit Ressourcen, sagt der Bürgermeister, Helmer stimmt zu: „In der Wegwerfgesellschaft werden viele Dinge entsorgt, die noch brauchbar sind - oder sogar schick.“ Er hofft, dass es bald für die Korbacher selbstverständlich ist, an der Box vorbeizugehen, etwas mitzunehmen oder dazulassen.

„Die Box ist nicht nur für sozial Schwache gedacht, jeder kann dran“, betont Thomas Kunze. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage demonstriert der Bürgermeister: Bei der Besichtigung der „Give Box“ entdeckt er einen Ringelnatz-Band und nimmt seinen Fund mit zurück ins Rathaus.

Von Wilhelm Figge

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