Vom ersten Zebrastreifen vor 60 Jahren zum Klassiker auf heimischen Straßen

Von Zebras, die über die Straße helfen

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Vor 43 Jahren war es die „Abbey Road“, gestern die Korbacher Stechbahn: In Erinnerung an den berühmtesten Zebrastreifen der Welt schlüpften Wolfgang Pohlmann, Jörg Kleine, Lutz Benseler und Jörg Nagel von der WLZ in die Rollen der Beatles.Fotos: Demski

Korbach - Als die Münchner am 8. Juli 1952 den ersten Zebrastreifen auf die Straße malten, da dürften die Fußgänger gestaunt haben. 60 Jahre später ist das Aufbringen eines Zebrastreifens zur technischen Kunst geworden.

Paul McCartney trägt keine Schuhe. Mit einer Zigarette in der Hand schlendert er über den Zebrastreifen in der Abbey Road - gefolgt von George Harrison. Vorneweg marschieren entschlossener John Lennon - im weißen Anzug und mit Hand in der Hosentasche - und Ringo Starr. Mit ihrer CD „Abbey Road“ bringen die Beatles den Zebrastreifen 1969 groß raus - bis heute sind die fünf Streifen mitten in London die berühmtesten ihrer Art. Von dieser Berühmtheit können die Zebrastreifen in Wal­deck-Frankenberg nur träumen.

Rund 30 gibt es allein in der Kreisstadt Korbach. „Und weil wir weiter Kreisel bauen, werden es noch mehr“, sagt Friedhelm Schmidt, Chef beim Korbacher Bauhof. Unfälle gebe es selten, denn sowohl die meisten Autofahrer als auch Fußgänger hätten das System längst verstanden. „Fußgänger haben Vorrang“, betont Schmidt für alle, die das bisher selten beherzigt haben.

Kunststoff für die Straße

Im Regal des städtischen Eigenbetriebs stehen große silberne Töpfe mit Straßenmalfarbe. „Die kommt aber nur zum Einsatz, wenn wir ausbessern oder Provisorien schaffen müssen“, sagt Schmidt. Wenn es nämlich um die Zebrastreifen geht, dann lassen Ordnungsamt und Bauhof Experten ran. „Schließlich soll so ein Zebrastreifen acht bis zehn Jahre halten“, sagt Gerhard Seidler vom Korbacher Ordnungsamt. Und deswegen wird für die Überquerungshilfen, die in Deutschland morgen ihren 60. Geburtstag feiern, auch keine Farbe, sondern Kunststoff verwendet. „Der wird erhitzt und dann auf die Straße aufgebracht“, erklärt Seidler. Mindestens drei Meter lang und 50 Zentimeter breit müssen die Streifen sein - das ist deutsches Gesetz. Der Abstand zwischen den Streifen muss ebenfalls 50 Zentimeter betragen. Gibt es also Schablonen, um dem tierischen Namensgeber alle Ehre zu machen? „Das haben die Spezialfirmen mal versucht“, sagt Schmidt, „aber das Säubern der Schablonen war so teuer, dass es sich nicht gelohnt hat.“ Stattdessen werden die Streifen ordentlich ausgemessen, abgeklebt und dann kommt der besagte Kunststoff ins Spiel. „Der ist inzwischen mit Glasgranulat versetzt“, erklärt Seidler, „damit er im Dunkeln besser zu sehen ist.“

Jeweils im Frühjahr und im Herbst vergibt die Stadt die Aufträge. „Ein Zebrastreifen kostet rund 100 Euro“, erklärt Schmidt und dann beginnt er leise zu summen. „Ich habe da seit heute morgen diesen Ohrwurm“, sagt er und intoniert leise die Zeilen von Rolf Zuckowskis „Zebrastreifen“. Ein guter Ohrwurm zum runden Geburtstag.

Hintergrund

Zebrastreifen, Ameisen, Fuchsschwänze: Wenn es um die Bezeichnung hilfreicher Dinge im Alltag geht, sind die Deutschen erfinderisch. Wie der Zebrastreifen zu seinem Namen kam, ist offensichtlich. Erfunden haben ihn allerdings die Briten. Bereits 1951 richteten sie die erste Überquerungshilfe ein, nachdem in London immer mehr Menschen im Straßenverkehr gestorben waren. Ein Jahr später, also genau vor 60 Jahren, wurde dann der erste deutsche Zebrastreifen aufgemalt.

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