Zehn Jahre Himalaya-Initiative für Bildung – Schulleiter aus Nepal hält Vortrag in Korbach 

Korbach: „Die richtige Hilfe zur richtigen Zeit“

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Bewegende Bildungs-Beispiele aus Nepal brachte Ganga Ram Yadav (von links) mit zum V ortragsabend in der ALS, zu dem Sybille Courtin, Shiva Adhikari und Robert Gassner eingeladen hatten. Günther Trachte überbrachte die Grüße der Stadt.  

Korbach.  Zehn Jahre „Himalaya-Initiative für Bildung“  Waldeck-Frankenberg: Bildung ist ein Schlüssel zum Erfolg, zeigte der Leiter einer Gehörlosenschule aus Nepal auf.   

Der Unterschied hätte kaum größer sein können: In der modernen Aula der Alten Landesschule (ALS) zeigten Gäste am Donnerstagabend Fotos, die sie aus einer Gehörlosenschule in Nepal mitgebracht hatten: In einfachen Ziegelsteinbauten ohne Heizung wird meist sitzend auf dem Betonboden gelernt, zwei Klassen teilen sich mitunter einen Raum.

Unter einfachsten Bedingungen werden die Kinder und Jugendlichen in der Gehörlosenschule in der Stadt Siraha unterrichtet – und doch geht es ihnen vergleichsweise gut, denn sie haben überhaupt Zugang zu Bildung. „Und nur sie ist der Weg, die schwierige Situation vieler Menschen in Nepal zu ändern“, betonte Shiva Adhikari vor rund 40 Gästen.

Sie waren in die ALS gekommen, um zum zehnjährigen Bestehen der „Himalaya-Initiative für Bildung“ Waldeck-Frankenberg aus erster Hand zu erfahren, wie die Bildungschancen in Nepal sind – mit besonderem Blick auf die Situation von Kindern mit Behinderungen. Bildung als Schlüssel zum Erfolg – die Vorträge hielten Shiva Adhikari, Vorsitzender des 2003 in Friedberg gegründeten Vereins Nepali Samaj, und Ganga Ram Yadav, Leiter der Gehörlosenschule. Die „Himalaya-Initiative“, der die ALS-Lehrerin Sybille Courtin vorsitzt, und der Samaj-Verein unterstützen mit Hilfe von Spendengeldern die Gehörlosenschule – eine der wenigen, die es in dem Bergstaat gibt.

Schulbau, Essen, wärmende Kleidung

Berge seien das Öl Nepals, aber für Berge interessiere sich die Weltgemeinschaft wenig, hatte Sybille Courtin zur Begrüßung gesagt. Nepal rücke meist dann in den Fokus des Interesses, wenn es Naturkatastrophen gebe. Die Himalaya-Initiative wolle das ändern. Sie wolle die Gastfreundschaft, Landschaft und Kultur in den Mittelpunkt rücken und ihren Teil zur Lösung eines der Probleme beitragen: Bildung für arme Menschen zu ermöglichen.

„Die Menschen brauchen kein Mitleid, sondern die richtige Hilfe zur richtigen Zeit. Gebt ihnen keinen Fisch, gebt ihnen Angeln,“ betonte der Wirtschaftsingenieur Shiva Adhikari auch mit Blick auf die Ziele der Vereinten Nationen für eine Nachhaltige Entwicklung. Ob ein einfacher Schulbau für den Unterricht, ein warmes Essen oder schützende Kleidung gegen die Kälte – alles unterstützten die beiden Vereine zuletzt.

Dabei sei Geld zwar wichtig, um Verbesserungen zu bewirken, „doch viel wichtiger ist Wissensaustausch, die Situation vor Ort kennenzulernen und einen Perspektivenwechsel zu üben, damit sich der Eine-Welt-Gedanke durchsetzt“, betonte Adhikari.

Spenden zum Bau einer Kantine

Wie schwierig das Leben für Menschen mit Behinderung ist, beschrieb Schulleiter Ganga Ram Yadav. Es gebe nur wenige Spezial- und weiterführende Schulen für die rund halbe Million Menschen mit Behinderung, die Infrastruktur sei schlecht. Daher besuche nur ein Bruchteil weiterführende Schulen.

In der Gehörlosenschule mit sechs Lehrern lernen mehr als 140 Schüler, die Hälfte von ihnen lebt in der Herberge der Schule. Durch den Bau eines Hostals für Mädchen, den beide Vereine unterstützten, sei die Zahl der Schülerinnen von vier auf zwölf gestiegen.

Angeschlossen an die Schule ist eine Krankenstation, die von bis zu 300 Menschen täglich aufgesucht wird. Derzeit werde für Kinder und Patienten eine Kantine gebaut, für die Spenden willkommen seien, sagte Ganga Ram Yadav.

„Etwas zu verbessern dauert lange, es sind viele kleine Schritte zu gehen. Aber wenn man sie nicht geht, passiert gar nichts“, betonte Shiva Adhikari.

Dank an Sybille Courtin

Die Welt wachse zusammen, allerdings nicht zum Wohle aller Menschen und Nationen, sagte Robert Gassner, Leiter der ALS, am Donnerstag. Die Himalaya-Initiative für Bildung und die neue Nepal-AG der ALS wollten zu mehr Austausch und Unterstützung beitragen. Deshalb wünschten sich die Initiative und die AG eine Schulpartnerschaft mit der Chandra Higher Secondary School in Siraha, rund 300 Kilometer östlich von Katmandu gelegen. Gassner dankte Sybille Courtin, Leiterin der Nepal-AG, für ihr Engagement.

 Gefördert wurde die rund vierstündige Veranstaltung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Brot für die Welt. Zur Stärkung wurde ein nepalesisches Essen gereicht. (md)

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