Lennart Behr und seine Familie aus Lengefeld inspizieren Gullis auf der Straßenbaustelle bis nach Le

Zehnjähriger rettet Kröten aus der Falle

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Korbach-Lengefeld - Wenn Lennart Behr seine Kröten zählt, meint er damit nicht sein Taschengeld - sondern die lebendigen Tiere, die er zusammen mit seiner Familie in den vergangenen Tagen aus Gullis bei Lengefeld gerettet hat.

Das warmfeuchte Wetter am vergangenen Wochenende hat zahlreiche Kröten, Frösche und Molche aus ihren Winterquartieren hervorgelockt - auch aus dem Wald bei Lengefeld krochen Amphibien, um sich auf den Weg zu ihrem Laichplatz bei Korbach zu machen: Dort nutzen sie Krolls Teich, um zu laichen. Aus dem Laich schlüpfen Kaulquappen, die ihre erste Lebensphase ausschließlich im Wasser verbringen. Doch rund 50 Kröten und 25 Molche, die in Richtung Teich unterwegs waren, nahmen einen Weg, der sie in eine Sackgasse führte. Dort wären sie elend eingegangen - hätte der zehnjährige Lennart Behr sie nicht zufällig entdeckt und zusammen mit seiner Familie gerettet.

Rohre werden zur Falle

Die Amphibien haben es vor allem Lennarts Neugierde zu verdanken, dass sie noch leben: Bei einer Radtour, die seine Familie vergangene Woche über die lange Straßenbaustelle von Lengefeld nach Lelbach führte, musste er eine Wartepause einlegen, erinnert sich seine Mutter Isabelle Behr. Aus reiner Langeweile und Neugierde inspizierte er am Straßenrand einen der Gullis, die während der Straßenbauarbeiten noch offen liegen, und hob einen Gitterkorb hoch.Und siehe da: Unter dem Korb hatten sich zahlreiche Kröten und Molche versammelt: „Sie waren auf ihrem Weg zum Teich offensichtlich in die Drainagerohre gekrochen, die unter der Straße herführen, und dann auf der anderen Seite nicht mehr rausgekommen“, erklärt Isabelle Behr weiter. Familie Behr ahnte, dass die Tiere verhungern oder vertrocknen würden, wenn sie nicht aus ihrer Misere befreit würden. Kurzerhand beschlossen sie, die ganze Straße zwischen Lengefeld und Lelbach abzufahren und jeden einzelnen Gulli nach gefangenen Kröten und Molchen zu inspizieren.

„Wir sind jeden Abend die Strecke mit dem Auto abgefahren, haben die Tiere, die wir in den Gullis gefunden haben, in ein großes Speisfass gelegt und sie dann in Krolls Teich ausgesetzt“, sagt Lennart Behr, der auch Hilfe von seinem siebenjährigen Bruder Jonas bekam. Nur eine Kröte hat die unfreiwillige Gefangenschaft nicht überlebt, sie liegt tot im Teich. Doch alle anderen scheinen sich in ihrem Laichplatz von den Strapazen gut erholt zu haben: Sobald die Sonne scheint, strecken sie ihre Köpfe aus dem Wasser.

In normalen Jahren wandern Frösche und Erdkröten schon ab Ende Februar zu ihren Laichplätzen in Teichen und Tümpeln. Der lange Winter in diesem Jahr machte es ihnen aber lange unmöglich, loszukriechen, denn sie verlassen ihre Winterquartiere in der Abenddämmerung erst ab einer Nachttemperatur von fünf Grad Celsius. Bei regnerischem Wetter machen sie sich besonders gern auf die Wanderung.

Hochzeitswanderung

Dabei werden Kröten und Frösche leicht Opfer von Autos, wenn sie auf dem Weg zu ihren Laichplätzen Straßen überqueren müssen (siehe dazu auch Stichwort). Doch auch unter den Straßen kann es für sie gefährlich werden. Da Lennart und sein Bruder Jonas das nun wissen, wollen sie, sobald es wieder regnet und die nächsten Kröten sich auf die Hochzeitswanderung zu Krolls Teich machen, die Schächte weiter inspizieren - in der Hoffnung, dass die Drainagerohre und Gullis der neuen Landstraße nicht auch weiterhin zur Falle für die Amphibien werden.

Kröten? Langsam!

Auf ihren Wanderungen zu den Laichplätzen müssen Kröten oft Straßen überqueren. Der NABU Hessen bittet die Autofahrer, dann möglichst langsam zu fahren. Denn eine unterschätzte Gefahr sei der Strömungsdruck der Fahrzeuge. Bei Geschwindigkeiten über 30 Stundenkilometern würden auch Amphibien getötet, die am Straßenrand sitzen – der Strömungsdruck der Autos bringe ihre inneren Organe zum Platzen. Um eine bessere Übersicht über die Krötenwanderung in Hessen zu erhalten, ruft der NABU dazu auf, Krötenfunde zu melden – lebendige und tote. Alle Naturfreunde können ihre Funde online auf der Webseite www.erdkröte-hessen.de eingeben.(md)

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