Korbacher Kunstwoche mit 26 Ausstellungsorten

„Zeitzeichen“ in der Hansestadt

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Sabine Reyers konsumkritische Installation „Natura Consumata“, zu sehen im Bettenhaus Brack, besteht aus Holz, Briketts und Tierknochen.

Korbach - Stempel, Briefwaage, ein altes Telefon mit Wählscheibe: Aus grobem Holz hat Ralf Klement eine „Poststelle“ geschnitzt - mit der Kettensäge.

Paketriesen in der Postmoderne: Die detailreiche Installation mit der ironischen Botschaft finden Besucher der Korbacher Kunstwoche im Rathausfoyer. Zwischen Stechbahn und Hauptbahnhof stellen Künstler und Gruppen in insgesamt 26 Geschäften und Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Kirchen noch bis Samstag ihre Gemälde, Fotografien, Skulpturen und Objekte aus.

„Zeitzeichen“ hat die Korbacher Hanse als Leitbegriff der thematisch wie räumlich breitgefächerten Ausstellung ausgegeben. Bei der Auswahl der Teilnehmer konnte Hanse-Vorstandsmitglied Heinrich Bader auf sachverständige Unterstützung bauen. Kunstsammler Manfred Wolf, der Korbacher Künstler Roman Koksch und Wolfgang Baraniak, Berater der heimischen Künstlergruppe „artur“, gehörten mit zum Organisationsteam. Die Kaufmannsgilde verleiht zum Abschluss der Kunstwoche am Samstag den mit 3000 Euro dotierten Kunstpreis der Korbacher Hanse. Die Preisverleihung beginnt um 14 Uhr in der Waldecker Bank.

„Deformationen“

Bei der Finissage gibt es außerdem ein Unterhaltungsprogramm für Groß und Klein mit Live-Musik. Ein Kunstmobil parkt vor dem Café „Die Bank“. Der Korbacher Philipp Hiller lädt ab 11 Uhr zu einem Graffiti-Workshop in der Fußgängerzone ein. Vor dem Rathaus entsteht außerdem ein Kunstwerk „live“.

Jea Yun Lees großformatige Acrylbilder sind in der Nikolaikirche zu sehen. Die 1977 in Seoul geborene Künstlerin kam 2005 nach Deutschland, um in Regensburg ein Studium der Philosophie und Kunstgeschichte aufzunehmen. Seit 2007 studiert sie freie Kunst in Kassel. In ihrer Serie „Deformationen“ bricht sie mit den Gesetzen der menschlichen Anatomie. Die teils vervielfachten Gliedmaßen und Sinnesorgane sind vom Körper der Figuren losgelöst.

Zwei Künstlern bietet die Waldecker Bank in der Schalterhalle einen Ausstellungsraum. Anna Kwiatkowski befasst sich bereits seit längerem mit dem gezeichneten oder gemalten Porträt. „Gesichterlesen“ nennt die 1979 im polnischen Torun geborene Wildungerin ihre Reihe von Konterfeis. Sie zeigen Kinder, deren Gesichtsausdrücke bereits erwachsene Züge tragen.

Filmprojekt „Beginne“

Dieter Hennig, geboren am 11. Mai 1943 in Erfurt, ist ein deutscher Maler, Grafiker und Objektkünstler. Er studierte zunächst in Dresden Geodäsie. Sein künstlerischer Ziehvater war der norddeutsche Maler Otto Niemeyer-Holstein. Hennig lebt und wirkt als freischaffender Künstler in Erfurt. In seinen Acrylbildern lassen sich modernisierte Elemente einer jahrtausendealten Symbol- und Zeichensprache entdecken.

Das vhs-Kulturforum, die Künstlergruppe „artur“ und das Wolfgang-Bonhage-Museum haben gemeinsam mit dem Bielefelder Kunstprofessor Thomas Henke, einem gebürtigen Korbacher, das Projekt „Beginne“ auf den Weg gebracht. Studierende der Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Sozialwesen, haben sich dazu auf die Suche nach Korbachern begeben, die bereit sind, in Videointerviews etwas über sich und den Anlass ihres Neuanfangs zu erzählen. Die Interviews werden im Rahmen einer Ausstellung über die Kunstwoche hinaus bis zum 7. September, im Bonhage-Museum gezeigt. Dort sind in einer Studioausstellung außerdem Papierskulpturen von Annemarie Gottfried zu sehen. (tk)

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