Fritz Buschfeld aus Strothe lebt seit einem halben Jahr mit einem Kunstherzen

Zwei Herzen in seiner Brust

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Korbach-Strothe - Ohne würde Fritz Buschfeld aus Strothe möglicherweise nicht mehr leben: Eine kleine in seinen Körper implantierte Pumpe unterstützt das Herz des 65-Jährigen.

„Ich wollte noch nicht ins Gras beißen“, lacht Fritz Buschfeld. An seinem Gürtel trägt er das kleine Steuergerät, nicht viel größer als Sonys berühmter Walkman aus den 80er-Jahren. Links und rechts davon die Akkus, die das Kunstherz mit Strom versorgen. Wenn der eine leer ist, springt der andere an. Etwa alle vier Stunden muss Buschfeld einen der Akkus wechseln. Ein Kabel führt durch den Bauch bis zu der kleinen und leisen Pumpe, die direkt unter dem Herzen des 65-Jährigen implantiert ist. Mediziner sprechen auch von einer Kreislaufunterstützungspumpe oder einem ventrikulären­ Unterstützungssystem. Es hilft dem schwachen Herzen, das Blut durch den Körper zu pumpen.

Seit etwa einem halben Jahr schlägt das zweite Herz in Buschfelds Brust. Trotz fünf Bypässen war sein Herz zu schwach geworden. „Ich bekam keine Luft mehr“, erzählt der Rentner. Die Kardiologen im Korbacher Stadtkrankenhaus überwiesen den Strother ins Deutsche Herzzentrum Berlin. Allein im Jahr 2010 haben die Spezialisten dort 180 Kunstherzen implantiert, aber nur 40 Spenderherzen transplantiert. Der dramatische Mangel an Spenderorganen hat die Entwicklung vorangetrieben: Die Pumpen entwickeln sich immer mehr zur Alternative zu Transplantationen.

Ersatz für Spenderorgan

Ein Kunstherz rettet mittlerweile viele Patienten vor dem Tod auf der Warteliste um ein Spenderorgan. Anderen Patienten, die aufgrund ihres Alters oder einer Vorerkrankung, die eine Transplantation ausschließt, kein Spenderorgan erhalten können, wird auf Lebensdauer ein Kunstherz implantiert, mit dem man ihnen Überleben und verbesserte Lebensqualität gewährleisten kann. Professor Dr. Roland Hetzers, Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums, ist überzeugt, dass schon in naher Zukunft Kunstherzen mit ähnlicher Frequenz implantiert werden wie Defibrillatoren, die heute zahlreich und unkompliziert eingesetzt werden. Mittlerweile gebe es sogar Bestrebungen, Kunstherzen in Krankenhäusern zu implantieren, die nicht über ein Transplantationsprogramm verfügen.

Das Gerät lässt Fritz Buschfeld im Alltag viel Bewegungsfreiheit. Tagsüber läuft das Kunstherz im Akku-Betrieb, nachts schließt er es mit einem Netzteil an die Steckdose an. Für lange Autofahrten gibt es einen Adapter für den Zigarettenzünder. Wenn der Strother das Haus verlässt, hat er immer ein zweites Steuergerät dabei, falls das andere ausfällt.

Manchmal, sagt er, schauten ihn die Leute beim Einkaufen wegen der Kästchen und Schläuche an seinem Gürtel komisch an: „Das ist mir mittlerweile aber egal. Und wenn jemand fragt, erkläre ich ihm das Kunstherz“, sagt Buschfeld. Bis zu zehn Liter Blut pro Minute saugt die rotierende Pumpe aus der linken Herzkammer und transportiert es über einen Schlauch in die aufsteigende Aorta.

Schwimmen ist tabu

Große körperliche Anstrengungen sind für den Rentner allerdings tabu: „Schwimmen ist nicht mehr drin, früher war ich viel im Hallenbad“, sagt Buschfeld. Eine Mitarbeiterin des ­Roten Kreuzes verbindet einmal in der Woche die Eintrittsstelle des Kabels in die Bauchhöhle, um Infektionen zu verhindern. Auch beim Duschen braucht er die Unterstützung des Pflegedienstes: Das Steuergerät kommt in eine wasserdichte Tasche, der Verband am Bauch wird wasserdicht abgeklebt. Jedes Vierteljahr muss der 65-Jährige zur Untersuchung nach Rotenburg an der Fulda. Fritz Buschfeld ist froh über das zweite Herz in seiner Brust: „Seitdem ich das Ding habe, geht es mir besser.“

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