Schöffengericht Korbach: Erst Wodka, dann Schläge, Messer und Schlagring

Zwei Jahre Haft für den „Suffkopp“

Korbach - Für zwei Jahre wandert ein Korbacher ins Gefängnis. Er hatte im vergangenen Jahr mit einem Schlagring einen Bekannten verprügelt und später mit einem Messer einen weiteren Mann verletzt.

Marathonsitzung im Korbacher Amtsgericht: Elf Zeugen sollten gestern Licht ins Dunkel bringen, angeklagt war ein 31-Jähriger. Das Gericht sah es nach mehr als sechs Stunden als erwiesen an, dass er im Juli und Oktober 2011 zwei andere Männer vorsätzlich verletzt hatte, einem von ihnen gar einen bis zu acht Zentimeter tiefen Messerstich zufügte.

Jedes Mal waren dabei raue Mengen Alkohol, zumeist Wodka, im Spiel gewesen. Ein Pegel von mehr als zwei Promille war nach der Blutuntersuchung denkbar. Zudem fanden sich Reste von Kokain und Amphetaminen im Blut des Verurteilten.

„Es handelt sich hier um einen drogenkonsumierenden Suffkopp“, wetterte der sonst so gelassene Staatsanwalt. „Sie fangen doch bei zwei Promille erst an, klar zu denken.“ Der Vorsitzende Richter Kahlhöfer-Köchling kam seiner Strafforderung im Wesentlichen nach.

Der Angeklagte verzichtete darauf, eine Aussage zu machen, ließ von seiner Anwältin lediglich eine Erklärung zur ersten vorgeworfenen Tat verlesen. Es habe nur eine verbale Auseinandersetzung gegeben, der mit sich geführte Schlagring sei nicht benutzt worden, so die Verteidigerin.

Eine blutende Kopfwunde

Fest steht: In den frühen Morgenstunden waren der Verurteilte und ein 24-Jähriger im damaligen „Club Le Baron“ aneinandergeraten. Minuten später hatte der Zeuge eine blutende Platzwunde am Kopf und mehrere Schürfwunden am Bauch.

Der Geschädigte trug nicht viel zur Aufklärung bei. Das Gericht überzeugte er mit seiner schmalen Version nicht. „Komisch, dass das Erinnerungsvermögen so abrupt abbröckelt“, fand auch der Staatsanwalt.

Die weiteren Zeugen waren da hilfreicher. Sie hatten den Täter in dem kleinen Korbacher Club mit einem Schlagring gesehen und die Schlägerei beobachtet. „Er hatte schon den ganzen Abend lang rumgepöbelt“, erinnerte sich ein Partygänger. Vor der herbeigerufenen Polizei wollte er den Schlagring verschwinden lassen - obwohl er ihn laut Verteidigung ja gar nicht benutzt hatte.

Diese malte ein gänzlich anderes Bild und forderte generellen Freispruch. Die Platzwunde könne schließlich auch von der großen Uhr des Angeklagten stammen. „Mein Mandant trägt zudem Ringe, wenn er raus geht“, so die Rechtsexpertin. In beiden vorgeworfenen Fällen habe er sich bedroht gefühlt und sich lediglich gewehrt. „Das erste Opfer ist selbst schuld“, steigerte sie sich.

Den Messerstich drei Monate später stritt sie in dieser Form ebenfalls ab. Das Opfer, das als Nebenkläger beteiligt war, sagte aus, den Mann in einer Korbacher Wohnung zum ersten Mal getroffen zu haben. Nach mehreren Flaschen Wodka mit vier „Partygästen“ sei die Lage eskaliert. Auslöser seien spielerische Kampfkunstübungen mit der Bekannten gewesen, bei der sich diese unbeabsichtigt verletzt habe. „Auf einmal war er sehr komisch. Er wollte Leute anrufen, die mich fertigmachen sollten.“

Viele Punkte der Verteidigung fanden im Urteil keine Berücksichtigung - etwa dass solch ein Messerstich gar nicht möglich gewesen sei oder dass der Angeklagte eine geplante Vergewaltigung habe abwenden wollen.

Die Strafe zur Bewährung auszusetzen, kam für das Gericht nicht in Betracht. Denn zu den beiden Körperverletzungen gesellten sich unter anderem Besuche und Telefonate bei mehreren Zeugen. Die Verteidigung stritt ab, dass jemand eingeschüchtert werden sollte. „Das haben sie glücklicherweise nicht mit sich machen lassen“, lobte Kahlhöfer-Köchling die Zivilcourage.

Dass der Mann inzwischen seine Beziehungen nach Korbach größtenteils abgebrochen haben will und bei Kassel einer geregelten Fließbandarbeit nachgeht, hatte für Richter Kahlhöfer-Köchling keine Bedeutung. Von dem vom Staatsanwalt geforderten Haftbefehl sah der Vorsitzende Richter dann aber doch ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.(den)

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