Korbach

Zwischen Überfluss und Mangel

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- Korbach (tk). Falsch beschriftet, fehlerhaft verpackt oder fast abgelaufen: Lebensmittel, die aus Regalen fliegen, landen bei der „Korbacher Tafel“ und helfen bedürftigen Menschen weiter.

Heute gibt es Blattsalat und Brokkoli, Bananen und Brötchen, Speiseöl und Salzstangen. Dutzende grüner Gemüsekisten, versehen mit dem Namen des Empfängers und der Haushaltsgröße, bestücken die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der „Korbacher Tafel“ mit den gespendeten Waren. Milch, Butter und Käse, Wurstwaren oder Tiefkühlprodukte kommen später hinzu.

Alle 14 Tage kann ein „Kunde“ des Vereins in der Wildunger Landstraße „einkaufen“, jedes Mal zum symbolischen Preis von einem Euro. „Zumeist sind es Hartz-IV-Aufstocker, viele Alleinerziehende, kinderreiche Familien und Rentner“, beschreibt Vorstandsmitglied Ute Riemenschneider die Hauptabnehmer. 511 Bedürftige, 371 Erwachsene und 140 Kinder, versorgt die „Tafel“ zurzeit mit Lebensmitteln, die in den Gemüseabteilungen der Supermärkte übrig sind, Bäckereien aussortiert haben oder in Molkereien nicht mehr verkauft werden können.

„Im Grunde ist es traurig, dass es diesen Bedarf gibt. Deutschland ist schließlich kein armes Land“, sagt die frühere Schulleiterin, die nach ihrem Berufsleben bei der „Tafel“ mitarbeitet, hundertprozentig ehrenamtlich, wie alle Aktiven der insgesamt 231 Mitglieder. Seit November 2006 fungiert der Korbacher Tafelladen, einer von mittlerweile 800 im Bundesgebiet, als „Brücke zwischen Überfluss und Mangel“. Vielen, die mit dem amtlich ausgestellten Berechtigungsschein in der Tasche die Räume betreten, sind Hemmungen und auch Scham anzumerken, berichtet Ute Riemenschneider.

Im Gespräch erfahren sie dann, nach welchen Regeln der „Einkauf“ vonstatten geht. Einkaufszeit, Besuche und Bezahlung werden auf der „Kundenkarte“ vermerkt. Wer mehr als eine Stunde zu spät kommt, geht leer aus. Bis zur vergangenen Woche habe es noch eine Warteliste gegeben. Ein typischer „Tafeltag“ beginnt morgens gegen 8.30 Uhr. Von den Touren zwischen Willingen und Korbach, Bad Arolsen, Adorf und Herzhausen kehren die ehrenamtlich tätigen Fahrer dann mit Ladungen voller Gemüse und Salat, Milch und Joghurt, Brot und Gebäck, vakuumverpackten Hackbällchen oder Kochwurstringen zurück.

Wer die „Korbacher Tafel“ als ehrenamtlicher Mitarbeiter unterstützen möchte, erhält nähere Informationen unter Tel. 05631/503348.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Mittwoch, 27. Juli.

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