Willingen

Zwischen Wahl und Weltcup: Dieter Schütz

- Willingen (jk). Wenn die „Adler“ an diesem Wochenende über den Bakken am Mühlenkopf gehen, dann ist das nicht nur eine Bewährungsprobe für die Sportler. Dieter Schütz, Pressechef des SC Willingen, fliegt zwischen Weltcup und Wahlkampf.

„Wie war’s beim Friseur?“, ruft Dieter Schütz schmunzelnd ins Handy-Mikrofon. Am Apparat ist Natalie Volkenrath, Schütz’ Stellvertreterin im Pressezirkel des Ski-Clubs Willingen, die letzte Details vorm Medien-Ansturm beim Weltcup-Springen am Wochenende absprechen will. Ein bisschen Spaß muss sein, auch in turbulenten Phasen. Und gerade diese Freude am Tun ist letztlich ein Erfolgsgarant für eines der größten Sportspektakel in ganz Hessen. Der Ski-Club bewegt nicht nur tonnenweise Schnee, sondern eine ganze Region, ja sogar eine Sportart weltweit. Denn Willingen hat mitten in Deutschland, fern der Alpen, der ganzen Welt bewiesen, dass Skispringen wahre Massen begeistern kann. Im Upland ist also alles möglich. Die Willinger können sogar Schnee im Glas verkaufen: „Pro Stück 3,50 Euro. Wir haben schon 75 Vorbestellungen“, ließ Schütz am Donnerstag ein paar neugierige Presseleute wissen. Wie gesagt: Ein bisschen Spaß muss sein. Aber wie es der Teufel will, vielleicht wird aus dem Ulk tatsächlich noch ein Kassenschlager – auch wenn der heilige Schnee vom Mühlenkopf sich am Ende nur als ein lauer Rest im Wasserglas entpuppt. Es ist inzwischen 13.30 Uhr an diesem letzten Tag vor der Weltcup-Eröffnung. Seit über sieben Stunden ist er schon auf den Beinen. 6.15 Uhr E-Mails am PC zu Hause durchgehen, ein paar wichtige Telefonate, dann folgt das Frühstück mit Ehefrau Birgit und den beiden Söhnen Christopher und Maximilian. Danach geht es in diesen Tagen sofort ins Weltcup-Pressezentrum oder an die Schanze: koordinieren, Fragen beantworten, Interviews mit Hessischem Rundfunk oder Radio FFH, Teambesprechungen und, und, und. Die Tage sind lang, und zur Ruhe kommt Dieter Schütz am Abend noch lange nicht. Der Willinger mischt als FDP-Kandidat und Fraktionschef im Kreishaus auch beim Wahlkampf kräftig mit. Am 27. März ist Kommunalwahl. Da gilt es abends beispielsweise noch am politischen Programm der Liberalen in Waldeck-Frankenberg zu feilen. Schließlich hat Schütz auf Platz zwei der FDP-Liste für den Kreistag „einen heißen Wahlkampf in der kalten Jahreszeit“ versprochen. Steil wie die Schanze am Mühlenkopf lief Schütz’ Aufstieg seit 2005 in der heimischen FDP. Aber die Landung kann auch in der Politik brutal hart sein. Schütz weiß das, und die Freidemokraten erleben das gerade auf Bundesebene mit ihrem Vorsitzenden Guido Westerwelle. „Um halb fünf muss ich mich auf die Socken machen“, sagt Schütz beim kurzen Mittagsimbiss im Festzelt an der Schanze. Es gibt Schnitzel und ein paar Kartoffeln. Kaum hat er die erste Gabel in den Mund geschoben, da macht sich schon wieder der Knopf am Ohr bemerkbar: Ein Kollege vom Ski-Club will offenbar wissen, was als Präsent für Martin Schmitt geplant ist. Das deutsche Springer-Idol der 90er-Jahre feiert am Samstag just beim Weltcup in Willingen Geburtstag. Nach der nächsten Kartoffel klingelt eine Journalistin des WDR an: „Dieter Schütz, guten Tag.“ Die westdeutschen Rundfunkleute wollen wissen, ob junge westfälische Sportler als Vorspringer dabei sind. „Wir haben heute in Melsungen konstituierende Sitzung des FDP-Bezirksvorstands“, führt Schütz dann nach einer guten Viertelstunde mit etlichen weiteren Telefonaten den angefangenen Satz weiter aus. Der Willinger Weltcup-Mann darf als stellvertretender Bezirksvorsitzender der FDP Nordhessen dort nicht fehlen. Also ab nach Hause, dicke Weltcup-Kleidung ablegen, duschen, feinen Zwirn an, ab ins Auto – um nach einem langen Tag wieder zurück ins Upland zu brausen.Zumindest einmal am Wochenende muss er seine Parteifreunde indes vertrösten: Am Sonntag ist Kreisempfang der FDP in Immighausen. Florian Rentsch, Chef der Landtagsfraktion, hat sich angesagt. Doch Schütz wird fehlen. Vielleicht kommt Rentsch ja später noch als Zuschauer an die Schanze. Denn an diesem Wochenende regiert einzig der Sport im Upland, nicht die Politik – garantiert.

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