Amt für Denkmalschutz stimmt zu

Ältestes Haus in Goddelsheim abgerissen – „Bausubstanz stark geschädigt“

Wo das älteste Haus Goddelsheims stand, wird in enger Absprache mit dem Amt für Denkmalschutz ein neues Gebäude errichtet, die Fassade soll in die Umgebung passen. Links lässt Ludwig Böhle – von links im Bild mit Bürgermeister Henning Scheele und Jan Richter – sechs Parkplätze bauen, die öffentlich genutzt werden können.
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Wo das älteste Haus Goddelsheims stand, wird in enger Absprache mit dem Amt für Denkmalschutz ein neues Gebäude errichtet, die Fassade soll in die Umgebung passen. Links lässt Ludwig Böhle – von links im Bild mit Bürgermeister Henning Scheele und Jan Richter – sechs Parkplätze bauen, die öffentlich genutzt werden können.

Wo einst das älteste Fachwerkhaus Goddelsheims unterhalb des Museumsquartiers stand, ist derzeit freie Fläche. Haus und landwirtschaftliche Nebengebäude wurden mit Zustimmung der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Waldeck-Frankenberg abgerissen.

Lichtenfels-Goddelsheim – Entstehen soll dort ein Gebäude mit Hackschnitzelheizung und Lagermöglichkeiten, auf dem Dach wird eine Photovoltaik-Anlage installiert.Aufgestellt werden sollen eine Auto- und drei Fahrrad-Ladestationen, außerdem werden auf dem Privatgelände öffentliche Parkplätze geschaffen.

Der Abriss ist nicht bei Jedermann in Goddelsheim auf Gegenliebe gestoßen. Es gab Kritik. „Doch dem Abriss vorausgegangen sind intensive Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde. Die Bausubstanz war in keiner Weise zu erhalten“, erklärt Ludwig Böhle. Er hatte das historische Gebäude, das direkt an seinen Betrieb mitten in Goddelsheim angrenzt, 2019 erstanden, um sein Betriebsgelände erweitern und zukunftsfähig machen zu können, „wir brauchen dringend Lagermöglichkeiten“, erklärt der 63-jährige Meister für Elektro-, Sanitär- und Heizungsbau.

„Kosten jenseits des Machbaren“

„Das Gebäude war seit rund 30 Jahren nicht mehr fest bewohnt, nach 2003 war auch der Stall leer. Wir hatten schon vor 30 Jahren und dann noch einmal vor zehn Jahren die Hoffnung, das Gebäude kaufen zu können, vielleicht wäre es dann noch zu retten gewesen. Doch das zerschlug sich jedes Mal“, erklärt Böhle.

„Als wir es 2019 schließlich kaufen konnten, setzten wir uns umgehend mit der Denkmalbehörde in Verbindung. Es kam jemand vorbei, schaute sich die Substanz des Hauses an und erklärte, es sei seines Erachtens nicht zu erhalten, wir sollten vorsichtshalber aber von einem Architekten einen Kostenvoranschlag für eine grundhafte Sanierung anfertigen lassen“, erinnert sich Böhle. Dem Rat folgten er und Geschäftsmitinhaber Jan Richter. „Die Kosten waren weit jenseits des Machbaren“, so Böhle. Daraufhin stellten er und Richter einen Abrissantrag. Ein Entsorgungsgutachten und -konzept wurden eingefordert, „es kam ein Vertreter des Regierungspräsidiums, untersuchte das Haus eingehend und fand jede Menge Material, das als Sondermüll auf Spezial-Deponien entsorgt werden musste. Schon das Haus auszuräumen, war aufwendig“, sagt Jan Richter.

„Viele Anbauten stören Hauptgebäude in seiner Denkmaleigenschaft“

Im März 2021 habe der Prozess vonseiten des Amtes für Denkmalschutz Fahrt aufgenommen. Böhle und Richter wurden angehalten, eine professionelle Baudokumentation zu erstellen und Vorschläge einzureichen. „Nach einem längeren Diskussionsprozess zwischen Denkmalschutz, Gemeinde und Eigentümer stand als Ergebnis fest, dass dem Abriss unter strengen Auflagen stattgegeben werden kann und die Sanierung und der Erhalt des Ensembles nicht zumutbar seien. Die vorhandene Bausubstanz war stark geschädigt. Durch die vielen Anbauten war das Hauptgebäude in seiner Denkmaleigenschaft gestört“, erklärt Landkreis-Sprecher Dr. Hartmut Wecker auf Nachfrage dieser Zeitung und sagt weiter: „Vor diesem Hintergrund einigten sich die Beteiligten auf einen Abriss und die Errichtung eines Neubaus unter Beachtung sehr strikter Auflagen, unter anderem bezüglich der Sicherung des historischen Baumaterials“, sagt Dr. Wecker. So wurden Bruchsteine und Holzbalken aufgehoben, um sie wiederzuverwenden.

Das älteste Fachwerkhaus Goddelsheims (eingekreist) stand unterhalb des Museumquartiers.

„Wir wissen den Grundriss, Dachneigung und -richtung sind vorgeschrieben. Wir lassen derzeit von einem Fachbüro eine mögliche Fassadengestaltung darstellen, die dann mit dem Amt für Denkmalschutz beraten wird. Wir machen nichts aus dem Blauen heraus. Wir haben uns darauf eingelassen, alles abzustimmen, und das tun wir auch“, sagt Böhle. Im Gebäude werde eine Hackschnitzelheizung gebaut, die den Gebäudekomplex mit Wärme versorgen soll. „Zwei Nachbarn haben bereits Interesse bekundet, die Leitungen im Dorfmuseum sind schon so eingerichtet, dass das Gebäude ebenfalls angeschlossen werden könnte,“ erklärt der Meister für Elektro-, Sanitär- und Heizungsbau.

Weil im Kern Goddelsheims oft Parkplatznot herrscht, bleibt entlang des Kirchwegs ein sechseinhalb breiter Streifen frei für sechs öffentliche Parkplätze. Außerdem sollen eine E-Auto-Ladestation und drei Fahrrad-Ladestationen Platz finden.

Stadt und Ortsbeirat einbezogen

Stadt und Ortsbeirat waren einbezogen. „Ich bin für den Erhalt historischer Gebäude, doch die Substanz muss es auch hergeben“, erklärt Bürgermeister Henning Scheele. „Als positiv bewerten wir, dass es für den Neubau keine zusätzliche Versiegelung außerhalb des Ortes gibt, dass erneuerbare Energie und öffentliche Parkplätze angeboten werden, und vor allem, dass der Betrieb erhalten bleibt. Wir können froh sein, wenn es Menschen gibt, die sich für die Entwicklung des wirtschaftlichen Standortes engagieren“, sagt Scheele. Wichtig sei der Stadt, dass die Fassade des neuen Gebäudes zum historischen Ambiente passe. „Da die Denkmalschutzbehörde eingebunden ist, können wir davon ausgehen, dass das der Fall sein wird“.

Ortsvorsteher Friedrich Schüttler erklärt: „Der Ortsbeirat Goddelsheim wurde um eine Stellungnahme gebeten. Historisch wertvoll war nur ein kleiner Teil des Hauses, es war im Laufe der Zeit immer wieder angebaut worden. Wir haben gesehen, dass das Gebäude sehr marode und nicht zu erhalten war. Wenn ein ortsansässiger Unternehmer sich weiterentwickeln möchte, hat das für den Ort viele Vorteile – es bringt Gewerbesteuer, Arbeitsplätze – und das Angebot für die Bürgerinnen und Bürger bleibt außerdem vor Ort.“, so Schüttler.

„Wir rechnen Anfang 2022 mit einer Baugenehmigung“, sagt Ludwig Böhle. Landkreis-Sprecher Hartmut Wecker betont: „Die Untere Denkmalschutzbehörde und das Landesamt für Denkmalpflege werden bei dem zukünftigen Kompensationsbau einbezogen und begleiten den Planungsprozess“. (Von Marianne Dämmer)

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