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Angebot in Fürstenberg: Nahwärme als Heiz-Alternative

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Von: Marianne Dämmer

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 Gespannte Aufmerksamkeit beim Info-Abend zum Thema Nahwärmenetz in Fürstenberg.
Gespannte Aufmerksamkeit beim Info-Abend zum Thema Nahwärmenetz in Fürstenberg.  © Marianne Dämmer

In Fürstenberg könnte Nahwärme als Heiz-Alternative dienen - wenn sich genügend Interessenten dafür entscheiden.

Lichtenfels-Fürstenberg – Hohe Energiepreise treiben Hausbesitzer und Mieter um – Alternativen zu Heizöl und Erdgas sind gefragt. Den Fürstenbergern wird eine Alternative angeboten: Dort könnte ein Nahwärmenetz entstehen, wenn genügend Interessenten mitmachen möchten.

Für die Wärme sorgen möchte Familie Buckert vom Weidenhof. Auf ihrem landwirtschaftlichen Betrieb am Ortsrand betreibt sie seit 2010 eine große Biogasanlage. Am Dienstagabend stellte Seniorchef Gerhard Buckert mit seinen Söhnen Anton und Till, die gemeinsam die Betreibergesellschaft führen, das Projekt zusammen mit Vertretern des Maschinenrings und der Firma Viessmann in der Igelstadthalle vor: Mehr als 100 Gäste folgten den Ausführungen der Experten.

Flexible Biogasanlage

Die sogenannte flexible Biogasanlage sei seit 2013 stetig erweitert worden, erklärt Seniorchef Gerhard Buckert. Gefüttert wird die Anlage mit Mist, Gülle und nachwachsenden Rohstoffen, es wird Strom zur Einspeisung ins Netz erzeugt, die entstehende Abwärme werde aktuell lediglich für zwei Häuser und eine Holztrocknungsanlage genutzt – dabei könne locker ganz Fürstenberg mit der Energie versorgt werden, sagen Agrar-Ingenieur Anton Buckert und Energiewirtschaftsingenieur Till Buckert.

Die Betreiber des möglichen Nahwärmenetzes Fürstenberg (von links): Anton, Gerhard und Till Buckert.
Gehen mutig voran und haben viel Vorarbeit geleistet: Die Betreiber des möglichen Nahwärmenetzes Fürstenberg (von links): Anton, Gerhard und Till Buckert. © Marianne Dämmer

An einer Online-Umfrage im Sommer hatten von den rund 180 Haushalten 70 teilgenommen. Auf der Basis der gelieferten Informationen erarbeitete Marco Ohme, Diplom-Ingenieur bei Firma Viessmann, Konzepte und bepreiste jede Position. Das Ergebnis stellte er am Dienstag vor. Das Interesse an Nahwärmenetz-Konzepten sei deutschlandweit aktuell sehr hoch; es würden noch zu 80 Prozent fossile Energieträger eingesetzt, da sei Fürstenberg keine Ausnahme.

„Hoher Wirkungsgrad“

Die nötige Wende sei auch eine große Chance, „man darf davor keine Angst haben“, so Ohme. Die Betreiberfirma investiere rund vier Millionen Euro, das Netz werde 4,6 Kilometer lang. Wer sich dem Projekt noch anschließen wolle, könne das problemlos tun.

Marco Ohme, Dipl.-Ing., Firma Viessmann
Marco Ohme, Dipl.-Ing., Firma Viessmann © Marianne Dämmer

Netzverluste seien gering, der Wirkungsgrad nach dem sogenannten Prinzip der Gleichzeitigkeit dabei höher als bei etwa Heizöl: Um ein Nahwärmenetz effizient auszulegen, wird die maximal benötigte Wärmeleistung des Versorgungsgebiets ermittelt. Da nicht alle Nahwärmenutzer die individuelle Maximalleistung an Wärme gleichzeitig nutzen, ergibt sich eine zeitliche Streuung der Leistungsspitzen. Nach derzeitigem Stand würden lediglich rund 60 Prozent der Leistung installiert, „und es wird trotzdem warm, das garantiere ich Ihnen“, so Ohme. Außerdem sei das System mehrfach abgesichert, so dass es nicht zu Ausfällen kommen könne.

„Verlässlich, regional, unabhängig, kalkulierbar“

Für das Nahwärmenetz warb der Lichtenfelser Bürgermeister Henning Scheele: „Hier haben Sie eine Chance auf verlässliche Versorgung und kalkulierbare Preise – eine regionale und nachhaltige Lösung, unabhängig von geopolitischen Entscheidungen.“ Die Stadt Lichtenfels hat im Vorfeld bei der Umfrage stark unterstützt.

Tim Oberlies vom Verein „Klimaneutrales Waldeck-Frankenberg“ erinnerte an das ambitionierte Ziel des Vereins, den Landkreis bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu machen. Das Fürstenberger Projekt, das ausschließlich mit lokalen Partnern umgesetzt werde, könne ein wichtiger Mosaikstein sein. (md)

An Kosten würden auf die Nutzer eine Grundgebühr und die tatsächlich verbrauchte Energiemenge zukommen, außerdem einmalig die nötigen Umbauarbeiten innerhalb des Hauses – etwa der Abbau der alten Ölheizung und der Anschluss der Leitungen ab der Wärmeübergabestation.

„Je mehr Leute mitmachen, desto günstiger wird’s“

Gemessen an der Zahl der derzeitigen Interessenten liege der Wärmepreis unterm Strich 15 bis 20 Prozent günstiger als Heizöl. „Je mehr Leute mitmachen, desto günstiger wird’s“, betont Ohme. Gebaut sein könne das Netz innerhalb von anderthalb bis zwei Jahren. Betreiberfirma, Viessmann und Maschinenring raten zu einem schnellen Start, um die hohe Förderquote von aktuell 40 Prozent in Anspruch nehmen zu können.

Walter Dersch, Maschinenring
Walter Dersch, Maschinenring © Marianne dämmer

Detailliert auf Vertragsgestaltung und Abrechnungsweise ging Walter Dersch vom Maschinenring Waldeck-Frankenberg ein. Sein Fazit: „Sie kaufen ein Sorglos-Paket“. Die Teilnahme ist freiwillig. Wer sich interessiert, kann sich an Familie Buckert werden. (Von Marianne Dämmer)

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