Goddelsheim: „Strafe für das Richtige“

Lichtenfels: Auch Landärztin Heike Padberg muss für Haus- und Heimbesuche zahlen

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Patienten, die nicht mehr zu Arzt gehen können, muss der Arzt zu Hause besuchen: Das ist allerdings bislang sanktioniert worden, wenn der Schnitt nicht eingehalten wurde.   

Goddelsheim. Heike Padberg ist Hausärztin im Lichtenfelser Ortsteil Goddelsheim, gehört zu jenen Landärzten, die noch Haus- und Heimbesuche in ihrem Beritt machen – und dafür im Mai von der Prüfstelle in Regress genommen wurden.

Jetzt ist es amtlich: „Beratung anstelle eines Regresses“ – darauf hat sich die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen mit den hessischen Krankenkassen in Sachen Haus- und Heimbesuche von Landärzten vor Kurzem geeinigt.

„Ärztinnen und Ärzte, die wegen deutlicher Überschreitungen bei der diesbezüglichen Abrechnung auffällig werden, werden anstelle eines Regresses beraten. Dies gilt auch für alle schwebenden Verfahren. Diese Regelung gilt vorerst, bis eine neue Prüfvereinbarung verhandelt ist“, teilt Dr. Eckhard Starke, Vorstand der KV Hessen, mit.

„Den Regress einzustellen, ist schon mal ein erster richtiger Schritt“, sagt Heike Padberg. Sie ist Hausärztin im Lichtenfelser Ortsteil Goddelsheim, gehört zu jenen Landärzten, die noch Haus- und Heimbesuche in ihrem Beritt machen – und dafür im Mai von der Prüfstelle in Regress genommen wurden. Für 2013 und 2014 sollte sie rund 30 000 Euro zurückzahlen, weil „ich angeblich zu viele Haus- und Heimbesuche gemacht habe.“ Die Prüfstelle wird von der KV Hessen und den Krankenkassen gemeinsam durchgeführt; die Wirtschaftlichkeitsprüfung ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben.

Nach Einsprüchen und einem Schiedsverfahren wurde der von Heike Padberg zu zahlende Betrag auf 11 600 Euro reduziert. Auf der einen Seite froh, dass die zu zahlende Summe geringer ausfällt, ärgert die Medizinerin sich dennoch: „Ich muss eine Strafe zahlen für etwas, das ich richtig gemacht habe“, betont Heike Padberg.

„Ich muss meine Arbeit machen, und das bedeutet auf dem Lande etwas ganz anderes als in der Stadt“. Denn Heike Padberg ist nicht nur Hausärztin auf dem Lande, wo es mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht weit her ist.

Sie arbeitet zudem am Rande des Notdienstbezirks und ist für die Menschen in zwei Altenheimen zuständig, von denen viele nicht transportfähig seien. Im benachbarten Nordrhein-Westfalen habe es Regressforderungen im Übrigen nie gegeben.

"Strukturen der Realität anpassen"

Es sei nicht einmal das zu zahlende Geld, das sie ärgere, sondern, dass die Androhung und Forderung von Regresszahlungen sie im Umkehrschluss zwingen sollte, Leistungen zu reduzieren – also die medizinische Qualität herunterzuschrauben und vor allem „meiner Aufgabe als Ärztin nicht so nachkommen zu können, wie es nötig wäre.“

Haus- und Heimbesuche zu reduzieren sei dabei „noch nicht einmal wirtschaftlich gewesen. Mein Einsatz kostet 22,59 Euro – wenn ein Notarzt kommen muss, ist das deutlich teurer.“

„Die Strukturen sind einfach nicht der Realität angepasst und so lange das nicht der Fall ist, werden sich auch keine neuen Ärzte finden, die auf dem Lande eine Praxis übernehmen. Landarztmangel ist ein gravierendes Problem. Sollen Landärzte gefunden werden, muss ihre Arbeit besser respektiert und honoriert werden. Rahmenbedingungen müssten auf politischer Ebene überdacht werden. Ich hoffe, dass das jetzt auch endlich passiert“, betont Ärztin Heike Padberg – und dankt dabei den Landtagsabgeordneten Claudia Ravensburg (CDU) und Dr. Daniela Sommer (SPD), die sich der Sache engagiert angenommen hätten.

Der Lichtenfelser Bürgermeister Uwe Steuber ist froh, dass die Prüfung ausgesetzt und nach einer besseren Lösung gesucht wird. „Es wäre für unsere Bevölkerung und das Pflegezentrum dramatisch, wenn wir keine Hausärztin mehr vor Ort hätten, die auch Hausbesuche macht – oder wir sie vielleicht sogar ganz verlieren würden.“

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