Sommerkonzerte: Musikdrama statt Liedminiaturen bei musikalischem Abend  

Bittersüße Romanze auf Burg Lichtenfels

+
Intensives Hörerlebnis: Katharina Kutsch (vorne), Falko Hönisch und Paulina Tukiainen musizierten auf Burg Lichtenfels. 

Lichtenfels. Liederabende stehen im Ruf, ein wenig langweilig zu sein, Hugo Wolf gilt dagegen als eher schwierig, gerade in Sachen unmittelbarer Zugang für Zuhörer. Auf Burg Lichtenfels traten jetzt Katharina Kutsch, Falko Hönisch und Paulina Tukiainen eindrucksvoll den Gegenbeweis an.

Mit schönen Stimmen, eindrucksvollen Ausbrüchen und bezeichnenden Klavierminiaturen sowie einem Kunstgriff, der das dramatische Potenzial im Italienischen Liederbuch zum Vorschein brachte und die Sammlung von Portraits in Liedform in eine wechselvolle Liebesgeschichte verwandelte, die keine Nuance zwischen süßem Entzücken füreinander und bitterster Verachtung ausließ. Durch die Umstellung der Liedfolge gerieten die lyrischen Einzelportraits und Stimmungsbilder zu einer Handlung, die im Rahmen von Burg Lichtenfels und dem Licht der Dämmerung einen besonderen Zauber entfaltete.

Durch die Inszenierung der Lieder entstand ein mitreißendes Musikdrama mit klar verteilten Rollen. Das wahre Empfinden hinter konventioneller Ziererei oder Tändelei wurde in der Inszenierung von Falko Hönisch durch Mimik und Körpersprache unmittelbar nachvollziehbar. In der auf Burg Lichtenfels gespielten Konstellation erlebten die Konzertbesucher Katharina Kutsch in der Rolle einer überaus empfindsamen Dame, die sich alles leicht zu Herzen nimmt, vor allem jede Verletzung ihrer Würde als Frau.

Zudem scheint der Bewerber nicht ganz den hoch gespannten Ansprüchen zu genügen – anfangs jedenfalls nicht, typisch männliche Unsensibilitäten machen die ganze Sache noch komplizierter. Die ersten Antworten des Mannes im Lied bestehen im Ignorieren der immer deutlicheren Zurückweisung und der Flucht in Allgemeinplätze und unbestreitbare Fakten. Gegen Ende des Prozesses von Annäherung und Abstoßung und Hoffnungen wecken kokettiert der allzu oft Zurückgestoßene dann poltrig mit der Rolle des Bettelmönchs „Geselle woll’n wir uns in Kutten hüllen?“

Schlagabtausch

Schon in der Mitte der ersten Hälfte beschreibt sie in der kurzen Humoreske „Mein Liebster hat zu Tische mich geladen“ sämtliche Fehler, die ein Mann nur machen kann, wenn er sich um eine Frau bemüht. Nach der Pause verwandelte sich der Schlagabtausch zwischen den Geschlechtern in gegenseitiges Entzücken füreinander und die Qualitäten des Gegenüber: „Man sagt, deine Mutter wollt’ es nicht“, „Benedeit die sel’ge Mutter“ und das Naturidyll „Gesegnet sei das Grün“ bilden den Moment des Miteinander in voller Harmonie ab, aber bald schon wird der Ton wieder schärfer, er resigniert und lässt sie gehen, sie triumphiert und jubiliert im Schlussgesang „Ich hab in Penna, einen Liebsten wohnen“. (Armin Hennig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare