Weltklänge unter alten Obstbäumen

Bläserquintett von „Hessen Brass“ erhält in Sachsenberg großen Beifall

Mini-Open-Air mit viel Abstand: Im alten Obstgarten hinter der Bäckerei von Dirk Weber in Sachsenberg erlebten die Zuhörer auf Klappstühlen und Wolldecken ein ebenso stimmungsvolles wie qualitativ hochwertiges Konzert des Bläserquintetts von „Hessen Brass“.
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Mini-Open-Air mit viel Abstand: Im alten Obstgarten hinter der Bäckerei von Dirk Weber in Sachsenberg erlebten die Zuhörer auf Klappstühlen und Wolldecken ein ebenso stimmungsvolles wie qualitativ hochwertiges Konzert des Bläserquintetts von „Hessen Brass“.

Im alten Obstgarten hinter der Bäckerei von Dirk Weber in Sachsenberg erlebten die Zuhörer auf Klappstühlen und Wolldecken ein ebenso stimmungsvolles wie qualitativ hochwertiges Konzert des Bläserquintetts von „Hessen Brass“.

Ein alter Garten mit knorrigen Obstbäumen in Hanglage, eine natürliche Arena, umgeben vom Abendgesang der Amseln und Ringeltauben, dazwischen das friedliche Summen von drei Bienenvölkern – warum hat Dirk Weber diese sommerliche Idylle für seine seit jeher originellen Musikangebote in Sachsenberg nicht schon eher entdeckt? In Corona-Zeiten, mit Abstand, eine gute Lösung, um dem „Hunger nach Kultur“, wie er als Gastgeber in seiner Begrüßung sagte, mit einem Bläserkonzert der Spitzenklasse wieder etwas Nahrung zu geben.

Das Publikum, auf Klapp-stühlen oder Wolldecken im Gartengrün weit verteilt, freute sich über eine Wiederbegegnung mit dem Bläserensemble „Hessen Brass“. Diesmal allerdings als Quintett zu „50 Prozent reduziert“, wie es in der Programmankündigung hieß, aber kraftvoll und professionell genug, um ein sommerliches Open Air mit anspruchsvoller Bläsermusik aus unterschiedlichen Kulturen und Epochen zu meistern.

Das begann festlich mit einer Eröffnungsfanfare in moderner Tonsprache von Paul Dukas, danach eine melodiöse Canzone des Renaissance-Meisters Giovanni Gabrieli. Grenzüberschreitende Klänge der Welt folgten, die dazu einluden, die Augen zu schließen, um bei einer Sarabande von Edvard Grieg die herbe Fjordlandschaft Norwegens oder bei Alexander Arutjunjans „Armenischen Skizzen“ die vitalen Klangkulissen seiner orientalischen Heimat vorüberziehen zu lassen.

Alle fünf Ensemblemitglieder haben ihr Instrument an Hochschulen studiert, erhielten erste solistische Auszeichnungen und sind teilweise in großen Staatsorchestern fest angestellt: Benedikt Kilburg (Trompete), Lara Masche (Trompete, Flügelhorn), Jan Polle (Horn), Julius Joachim (Tenorposaune) und Philip Hambach-Schunn (Tuba).

Gerade die kleine Fünfer-Besetzung machte immer wieder sichtbar, wie souverän jeder von ihnen mit seinem Instrument hauchzarte Schattierungen, klare polyphone Linien und dynamische Dramatik auszudrücken vermag.

Das reichte von der satztechnisch ausgefeilten Bach-Fuge in g-Moll, bei der die Zuhörer die Einsätze des Themas mitzählen durften, bis zur gefühlsstarken Filmmusik mit „Gabriellas Song“ von Stefan Nilsson.

Natürlich gab es auch eine Kostprobe im Jazz- und Bigband-Sound, den die Hessen-Brass-Leute auch perfekt beherrschen, bei „Puttin’ on the Ritz“. Davon hätte man sich an Stelle der etwas lang geratenen „Wickie-Suite“ mehr gewünscht.

Besonders die vielen aktiven Posaunenbläser unter den Zuhörern freuten sich über die artifizielle Choralbearbeitung „Lobe den Herren“ von „Posaunenprofessor“ Christian Sprenger (Weimar), der schon in Sachsenberg zu Gast war und dessen Bläserwerke von den Chören in Waldeck-Frankenberg gern gespielt werden. Ihm widmete der Bad Wildunger Julius Joachim, einer seiner früheren Studenten, einen besonderen Gruß.

Es gab am Schluss im alten Obstgarten begeisterten, teilweise stehenden Applaus und noch zwei Zugaben. Gastgeber Dirk Weber lud schon mal ein auf ein frohes Wiederhören mit „Hessen Brass“.

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