Lichtenfels

Alte Mühle Dalwigksthal -  Klimaneutrale Energiegewinnung durch Wasserkraft

Früher gab es mehrere Mühlen in Dalwigksthal – eine gehörte zum Sandhof, eine zum Campfhof, in einer Mühle an der Orke wurde Kalk gemahlen – und um 1860 wurde noch eine große Getreidemühle erbaut, die der Mühlenbauer und Müllermeister Carl Küstner 1888 erwarb. Alle Mühlen wurden über Wasserkraft angetrieben – und noch immer nutzt Familie Küstner die Wasserkraft zur Stromgewinnung.

Jan Küstner und andere Familienmitglieder säubern mehrmals am Tag mit dem Rechen das Sammelbecken und den Übereich, also den Überlauf im Wasserhäuschen (rechts). Verschwendet wird nichts: Das Wasser fließt dann in die Orke.

Lichtenfels-Dalwigksthal – „Wir können uns relativ autark versorgen“, sagt Jan Küstner, der sich zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern um den Fortbestand der Mühlengebäude kümmert.

Anfangs gab noch drei hölzerne Wasserräder, die Carl Küstner bald durch eiserne ersetzen ließ. Allerdings gab es auch damals schon trockene Sommer – floss kein Wasser, konnte nicht gemahlen werden, was den Ruin bedeuten konnte. So ließ der Müllermeister nach dem sehr trockenen Sommer 1893 aus England eine Dampfmaschine kommen, um nicht mehr allein auf Wasserkraft angewiesen zu sein. 1905/06 wurde die Bäckerei eingerichtet, 1912 kam eine kleine Ölmühle hinzu. Eine Dynamomaschine versorgte die Mühle, Gut Sand und Burg Lichtenfels mit 220 Volt-Strom. 1920 wurden Sachsenberg und Dalwigksthal an das Überland-Stromnetz angeschlossen.

 Im Turbinenkeller der alten Mühle in Dalwigksthal kommt Wasser aus 3,60 Meter Höhe an – durch die Fallhöhe wird der Druck des Aufschlagwassers vergrößert.

Die Dampfmaschine wurde daher nicht mehr benötigt und ausgebaut. Doch noch immer rauscht Wasser unterhalb des Mühlengebäudes und erzeugt über eine Turbine mittels eines Generators Strom für den Antrieb der elektrischen Maschinen im Haus. Erzeugt wird er vornehmlich für den Eigenbedarf, der Überschuss wird ins Netz des EWF geleitet.

Mit Ausnahme von einigen sehr heißen Sommern konnte die Müllerfamilie fast das ganze Jahr hindurch die Wasserkraft mehr oder weniger zur Stromgewinnung nutzen. Das hat sich in den vergangenen Jahren allerdings geändert. „Seit drei, vier Jahren versiegt das Wasser bereits zwischen Mai und Juni und der Mühlenbach trägt dann erst wieder ab etwa Oktober genügend Wasser“, erklärt Jan Küstner. Längst sind die Mühlenräder abgebaut, 1950 wurden Schachtturbine gegen freistehende Turbinen, Baujahr 1945, ausgetauscht, von denen nur noch die kleinere (13 KW) funktioniert, „es gibt keine Ersatzteile mehr“ , erklärt Küstner.

Die Mühle in Dalwigksthal entstand um 1860, nach einem Großbrand 1924 wurde sie wieder aufgebaut. Rechts oberhalb des Komplexes steht das Wasserhäuschen.

Das Wasser aus dem Mühlengraben aus Richtung Münden läuft unter der Straße hindurch in ein Auffangbecken und von dort mit 3,60 Meter Gefälle in den Turbinenkeller. Dort landet auch Wasser aus dem Straßengraben, der von Sachsenberg hinunter nach Dalwigksthal führt. Unter dem Turbinenkeller wird es in einem weiteren, sechs Meter tiefen Becken aufgefangen und fließt dann unter dem Haus wieder zurück in die Orke, sagt der Dalwigksthaler. Kommt zuviel Wasser an, wird der überschüssige Teil durch einen Schacht, der parallel zum Haus verläuft, in die Orke geführt.

Was sich so leicht anhört, ist allerdings mit einigem Aufwand verbunden. Täglich muss mehrmals im Turbinenkeller nach dem rechten gesehen, der große Schaltkasten im Auge behalten werden. Außerdem muss in dem Wasserstauwerk, in dem das Wasser aus dem Mühlengraben zunächst gesammelt wird, mit dem Rechen vor allem im Herbst mehrmals am Tag von Laub und Ästen befreit werden. Auch die Lager und Schaufeln seien regelmäßig zu fetten.

Das sei es aber allemal wert, sagt Jan Küstner mit Blick auf das Technikdenkmal, von denen es nicht mehr allzu viele gibt. Sich gerade in diesen Zeiten klimaneutral mit Energie versorgen zu können: „Besser geht’s nicht.“ Von Marianne Dämmer

Kampagne „Wasserkraft muss bleiben“

Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Hessischer Wasserkraftwerke (AHW) droht in Hessen ein Sterben vieler Mühlen- und Wasserkraftanlagen durch den sogenannten Mindestwassererlass. Dadurch werde das an den Anlagen vorbeizuleitende Mindestwasser gegenüber der alten Regelung um das bis zu Dreifache und mehr erhöht. Dieses Wasser stehe den Anlagen nicht mehr zur Erzeugung CO2-freier, fast stetig verfügbarer erneuerbarer Energie zur Verfügung. Während Mühlen- und Kleinwasserkraftwerke als umweltfreundlichste Stromerzeugungsmethode gelten, „sollen sie aus Hessen verschwinden, um den Zielen der EU-Wasserrahmenrichtlinie gerecht zu werden“, heißt es beim AHW. Während Umweltverbände den Erlass unterstützen, rufen die Mühlenverbände zum Erhalt der Wasserkraft in Hessen auf.  md

Rubriklistenbild: © Marianne Dämmer

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