Barock, Blues und viel Humor – Schafe stimmen mit ein

Fabelhafte Monday-Boys begeistern im Dalwigksthaler Mühlengarten

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Schwebend leicht wie Schneeflocken im Wind: So präsentierten die Fabelhaften Monday-Boys ihre Variationen beim Klappstuhl-Konzert im Dalwigksthaler Mühlengarten.

Die Fabelhafte Monday-Boys  haben im Dalwigksthaler Mühlengarten mit ihrer Musik begeistert. 

Zum unvergesslichen Konzert für alle Beteiligten geriet der Auftritt der fabelhaften Monday-Boys im Dalwigksthaler Mühlengarten. Denn bei der letzten Zugabe des Trios übernahmen die auf den Wiesen drum herum weidenden Schafe die Rolle eines spontanen Chores bei „Fever“.

Die brummend-schnarrende Einstellung des Keyboards, die Felix Meyerle für den Kehraus gewählt hatte, animierte die wolligen Zuhörer dazu, als Vokalisten gewissermaßen in die Fußstapfen von Peggy Lee oder Elvis Presley zu treten. Diese spontane Interaktion mit der fortan konstant aktiven Herde als heitere kleine Nachtmusik oder Pastorale im wahrsten Sinne des Wortes hätten vermutlich auch Mozart oder Beethoven in einem Meisterwerk verewigt.

Johannes Krampen, Felix Meyerle und Markus Zink ließen sich vorher von anderen Werken der beiden Klassiker zu kreativen Ausflügen durch sämtliche Stile der Musikgeschichte inspirieren. Dabei kam der musikalische Humor keineswegs zu kurz und stellte die gemeinsame Ebene mit den Zuhörern her.

Umgang mit Mozarts Variationen

So spielten gerade die Anfänge jedes persönlichen Zugangs zur Musik im Umgang mit Mozarts Variationen über „Ah vous dirais je Maman“ eine große Rolle. Denn mit der inzwischen als „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ bekannten Weise, kommt irgendwann jedes Kind in Kontakt.

Deshalb beschränkten sich die drei Musiker bei ihrem Umgang mit dem Klassiker keineswegs auf technische Kabinettstückchen, flotte Läufe und brillante Wendungen, sondern integrierten auch persönliche Kinderszenen in die Variationen. Der Erstkontakt mit der Trommel unterm Christbaum bildete ebenso eine Episode bei der Annäherung an den Klassiker wie der heilige Ernst einer Hausmusikaufführung des Weihnachtsliedes vor der Bescherung.

Dialog zwischen himmlischer Geige und erdgebundenem Piano

Im Jazz spielen die jahreszeitlichen Beschränkungen der Vorlage keine Rolle, deshalb geriet der spirituelle musikalische Dialog zwischen himmlischer Geige und erdgebundenem Piano über „Bereite dich Zion“ aus der ersten Kantate des Weihnachtsoratoriums zum frühen Höhepunkt in Sachen stilistischer Synthese. In der Introduktion stellte Johannes Krampen zur Eröffnung das Thema so Bach und Barock wie möglich vor, ehe die irdische Reaktion der linken Hand von Felix Meyerle schon ein paar tiefe Blue Notes anklingen ließ, ehe sich die beiden musikalischen Welten einander annäherten und miteinander verschmolzen.

Als Elegie für Violine, deren Klagelied vom lebhafteren Piano abgelöst und auf einen gemeinsamen Weg gebracht wird, bildeten die Improvisationen über „Schindlers Liste“ eine Art jüdische Passion und den besinnlichsten Moment im Konzert-Programm.

Eine komplette Liebesgeschichte

Gegen Ende des Konzerts markierte Beethovens gern als musikalische Nettigkeit unterschätztes Albumblatt „Für Elise“ den Gipfel unter den Meisterwerken der Verwandlung. Denn zum virtuosen Sprung durch die Jahrhunderte erzählten die Stilwechsel und musikalischen Anspielungen auch eine komplette Liebesgeschichte vom süßen Erwachen der Gefühle bis zum bitteren Ende. 

In den finalen Blues-Variationen ließ Florian Meyerle mit „I put a spell on you“ den verlassenen Liebhaber anklingen, während Johannes Krampens Bogen die ganze Palette an verletzten Reaktionen von überraschtem Schmerzlaut bis lautem Aufschrei durchmaß. Markus Zinks Schlagzeugsolo markierte wohl die handfeste Phase, in der alles zu Bruch geht.

Mit dem sanft verklingenden Pizzicato, der beliebten Melodie als Reminiszenz an ein verlorenes Glück, schließt sich zuletzt der Kreis. (Von Armins Hennig)

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