30 Jahre alter Kulturverein verbindet Feier mit seinem Kartoffelbraten

Festakt zur Eröffnung des Goddelsheimer Gemeindezentrums

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Nach dem Festakt versammeln sich vor dem neuen Goddelsheimer Gemeindezentrum – von links: Helmut Wolf, Reinhard Weber vom Kulturverein, Ortsvorsteher Friedrich Schüttler, Petra Kamm, Bürgermeister Uwe Steuber, Irmhild Weber und Dr. Jürgen Römer.

Goddelsheim – Mit einem Festakt im Maschinenschuppen von Karl-Reinhard Grosche eröffneten die Goddelsheimer gestern ihr neues Gemeindezentrum vor der Kirche. Verbunden war die Feier mit dem Kartoffelbraten des 30 Jahre alten Kulturvereins.

Der Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung alten Kulturguts, Reinhard Weber, erinnerte an den großen Brand des Jahres 1773 im Dorfkern, von dem eine Balkeninschrift in der Museumsscheune zeugt. Knapp 250 Jahre später werde der Abschluss der teilweisen Neubelebung dieses Dorfkerns gefeiert – nach dem Tiefpunkt der Brandkatastrophe sei dies „gewiss der vorläufige Höhepunkt“. 

Mit dem Fest finde das größte Projekt der Dorferneuerung seinen vorläufigen Abschluss. Die Handwerksfirmen kämen überwiegend aus dem Dorf, sie hätten sich immer wieder eingebracht und bei Problemen im Altbau stets Lösungen gefunden. 

Rund 50 Helfer des Vereins hätten knapp 700 Stunden Eigenleistungen erbracht. Doch ohne Bürgermeister Uwe Steuber“ wäre das Projekt definitiv nicht gelaufen“. Es habe auch Kritik und Zweifel am Vorhaben gegeben, aber heute gelte es, „zu genießen, was geleistet worden ist“. 

Steuber: Größtes Projekt der Dorferneuerung

Bürgermeister Uwe Steuber ging auf die Projekte der Dorferneuerung ein, die ein Volumen von 970 000 Euro habe. Mit dem Gemeindezentrum sei ein „Pilotprojekt für die Stadt, den Kirchenkreis und den Kreis“ pünktlich fertig worden, es sei „ein Dorfmittelpunkt geschaffen worden, der täglich genutzt wird – das ist die Zukunft“. 

Bei einer Bausumme von rund 570 000 Euro seien 192 000 Euro aus der Dorferneuerung geflossen, 130 000 Euro von der Landeskirche, je 10 000 Euro von der Dorfgemeinschaft und vom Kulturverein, der Kellerwaldverein steuerte „Leader“-Gelder der Europäischen Union bei. Den Rest trage die Stadt. Ihm habe es Spaß gemacht, das Projekt mit seiner „kombinierten Nutzung“ zu begleiten.

Kamm: Glückwünsche der Kirche

Die Glückwünsche des kirchlichen Gesamtverbandes Lichtenfels/Eisenberg überbrachte die Vorsitzende Petra Kamm. Der Kulturverein habe in den vorigen 30 Jahren viel bewegt und erhalten. Mit dem Zentrum sei ein neues Schmuckstück entstanden. Das Gemeinschaftsprojekt sei der Stadt, der Dorfgemeinschaft, der Kirche und den Vereinen zu verdanken. 

Dr. Römer: Lob vom Kreis Waldeck-Frankenberg

„Wir sind froh, dass es dieses wunderbare Projekt gibt“, sagte der Leiter des Fachdienstes Dorf- und Regionalentwicklung in der Kreisverwaltung, Dr. Jürgen Römer. Das Geld sei gut angelegt. 

Das Miteinander mache das Dorfleben aus, und das werde durch das Zentrum gestärkt. Die große Stärke des Lebens auf dem Land sei: „Wir arbeiten zusammen, auch wenn wir mal nicht einer Meinung sind. Das sollten wir hegen und pflegen.“ 

Aus der Gemeinschaft gingen viele positive Dinge hervor – ob das Sachsenberger Stadtjubiläum, die Genossenschaftskneipe in Dalwigksthal oder eben das Goddelsheimer Gemeindezentrum. Der Kulturverein habe „tolle Arbeit geleistet“. Wichtig sei, das als „vorbildliche Gemeinschaftsleistung“ aufgebaute Zentrum auch zu nutzen. 

Wolf: Arbeitskreis Dorferneuerung ist stolz

„Ich bin stolz auf die Ergebnisse dieser Maßnahme“, erklärte der Sprecher des Arbeitskreises Dorferneuerung, Helmut Wolf. Die Dorferneuerung sei „eine einmalige Gelegenheit“, eine „Vielzahl kompetenter Mitbürger“ bringe sich ein. Besonders freute er sich über den Einsatz der Dorfjugend, die im Zentrum ebenfalls ihren Treffpunkt finden solle. 

Schüttler: Werk der Dorfgemeinschaft

Er sei glücklich und stolz, dass es der Dorfgemeinschaft wieder einmal gelungen sei, eine Idee weiterzuentwickeln, umzusetzen, das neue Gemeindezentrum sei für viele Nutzungsmöglichkeiten gestaltet, sagte Ortsvorsteher Friedrich Schüttler. Er lobte alle Beteiligten und hob besonders Reinhard Weber hervor: „Ohne ihn würden wir diese Einweihung nicht so feiern.“ 

Gedicht zeichnet Bauarbeiten nach

Einen Glanzpunkt setzte Irmhild Weber zum Schluss: In einem Gedicht würdige sie alle Beteiligten und alle Handwerksfirmen. Besonders erwähnte sie die Handwerker Ludwig Böhle und und Helmut Grebe, ihren Mann Reinhard Weber und Helmut Wolf.

Gottesdienst in Groschen Maschinenschuppen

Mit einem Gottesdienst in Groschen Maschinenschuppen begann das Fest – in der Kirche laufen gerade Sanierungsarbeiten. Wer baue, brauche ein gutes Fundament, und „Gott ist das Fundament unseres Lebenshauses“, sagte Pfarrer Klaus Nobiling. 

Das Haus Kahlhöfer sei oft umgebaut worden, denn „nichts bleibt, wie es ist.“ Im Zentrum seien „einladende, schöne Räume“ entstanden. Es gelte, sie mit Leben zu füllen, auch über die Vereine, die es nutzen. Dass die Gemeinde in der Dorfmitte an der Kirche zusammenkomme, sei ein „Segensgeschenk“, damit sei „eine gute Basis für die Zukunft“ geschaffen. 

Der Posaunenchor und die Gitarrengruppe um Bärbel Sude gestalteten den Gottesdienst mit.

Neue Räume besichtigt

Nach dem Gottesdienst  und dem Festakt besichtigten die zahlreichen Besucher das neue Gemeindezentrum mit dem großen Saal, der neu gestalteten Heimatstube und der Waschküche. Auch die Museumsscheune gleich gegenüber und der Gewölbekeller gehören zu dem Bauensemble unterhalb der Kirche. Fotoausstellungen dokumentierten den Umbau des ehemaligen Hofes Kahlhöfer und die Geschichte Goddelsheims.

Kartoffelbraten des 30 Jahre alten Kulturvereins

Heringe mit Pellkartoffeln servierte Gisela Grosche.

 Verbunden war das Fest mit dem traditionellen Kartoffelbraten des 30 Jahre alten Kulturvereins. Die Gäste ließen sich bei strahlendem Sonnenschein Matjes mit Pellkartoffeln schmecken, auch Gegrilltes und kalte Getränke fanden reißenden Absatz. Im Saal des neuen Zentrums war eine großes Kuchenbuffet aufgebaut.

Vereine des Dorfes servierten musikalische Leckerbissen. Der Männergesangverein unter der Leitung von Karl-Heinz Oppermann war ebenso zu hören wie der Jugendchor der Dirigentin Claudia Vach. Sie leitet auch den Frauenchor „Tonart“, der mit Unterstützung des Mündener Frauenchores „Klangfarben“ auftrat. Die Akkordeongruppe mit Hubertus Schröder bot einige Lieder, auch die Formation „Nice to meet you“ und Jugendbands waren dabei. 

Goddelsheim-Quizz

Nach 20 Jahren gab es wieder ein Goddelsheim-Quizz. Wer sich aufmerksam die Fotoausstellungen angeschaut hatte, konnte den siebenseitigen Fragebogen leicht ausfüllen. Hauptpreise waren Geldgeschenke. 

Am Webstuhl in der Heimatstube: Sylvia Bangert erklärt Besucherinnen, wie das Gerät funktioniert.

Sylvia Bangert führte den Webstuhl in der Heimatstube vor, im Wohnzimmer war Kinderschminken angesagt. Viele junge Besucher tobten auch auf den Strohballen neben dem Gewölbekeller herum. Kutschfahrten bot wieder Reiner Schneider an, mit seinem westfälischen Kaltblut Lukas zog er durchs Dorf. 

Am Nachmittag stellte Jürgen Pohlmann im Gewölbekeller Pflanzsteine her. Auch herbstlichte Blumensträuße waren zu haben. Außerdem gab es es in der Heimatstube eine Märchenstunde. 

Unter den Gästen waren auch die beiden Kandidaten für die Bürgermeister-Stichwahl in einer Woche, Sina Best und Henning Scheele.

Durchs Programm führte Friedrich Schüttler. Der Erlös des Festes fließt ins neue Gemeindezentrum. (-sg-)

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