CORONA Fürstenbergerin Sophie Schäfer erlebt die Pandemie in Singapur

Sophie Schäfer aus Fürstenberg: „Circuit Breaker“ durchkreuzt Pläne

+
Spektakulärer Baustil: Sophie Schäfer in Singapur vor dem Hotel „Marina Bay Sands“. Auf den Hoteltürmen thront ein 146 Meter langer Swimmingpool, von dem man den Blick auf die Metropole genießen kann.   

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind  Tausende Deutsche aus dem Ausland in die Heimat zurückgekehrt. Nicht  Sophie Schäfer, die in Singapur ein Praktikum an der German European School absolviert.

Singapur/Fürstenberg –  Im Folgenden gibt die Fürstenbergerin einen Einblick in ihren „Alltag“ im asiatischen Stadtstaat, der durch das Virus durcheinandergewirbelt wurde:

Ich arbeite derzeit „an“, wobei man aktuell wohl eher sagen müsste, „für“ die Deutsche Schule in Singapur, da ich seit über vier Wochen nun nicht mehr in der Schule gewesen bin. Während der Osterferien, die Ende März begannen und damit eine Woche früher als geplant, verkündete der Premierminister Lee Hsien Loong am 3. April den sogenannten „Circuit Breaker“. In diesem Fall bedeutet dies nicht die Unterbrechung eines Stromkreislaufes, sondern der Übertragungskette von Covid-19 innerhalb der Bevölkerung.

Wir wurden dazu aufgerufen, unser Zuhause nur in notwendigen Fällen zu verlassen, also um uns zu versorgen oder einen Arzt aufzusuchen. Erlaubt war es außerdem, sich im nahegelegenen Park sportlich zu betätigen. Daran hat sich bis jetzt zum Glück auch nichts geändert. Die Maskenpflicht, die bisher nur in Supermärkten und öffentlichen Verkehrsmitteln galt, wurde ausgeweitet. Wer das Haus verlässt, muss einen Mundschutz tragen. Eine Ausnahme gilt nur für Kinder unter zwei Jahren und für Personen, die körperlich anstrengende Aktivitäten ausführen.

Seit dem seit 21. April feststeht, dass der „Circuit Breaker“ um weitere vier Wochen verlängert wurde, weiß ich, dass sich die nächsten Wochen sehr in die Länge ziehen werden. Hintergrund für die Verlängerung ist die aktuell rasant ansteigende Zahl der Infizierten in Singapur.

Harte Strafen

Singapur ist ein Land mit harten Strafen. So kann das Nicht-Tragen einer Maske bis zu 10 000 Singapur-Dollar (rund 6490 Euro) Strafe kosten oder im schlimmsten Fall sogar eine sechsmonatige Gefängnisstrafe bedeuten. Als Abschreckung veröffentlicht die Presse auch gerne konkrete Angaben zu Personen, die sich nicht an die Auflagen gehalten haben, dabei wird insbesondere das Strafmaß hervorgehoben.

Wie auch in Deutschland mussten Geschäfte, die als nicht lebensnotwendig eingestuft wurden, schließen. Wobei der Spielraum in Singapur dabei zunächst noch etwas größer war und beispielsweise Friseursalons vorerst geöffnet blieben. Restaurants können nur noch Speisen zum Mitnehmen anbieten.

„Circuit Breaker“

Der „Circuit Breaker“ sollte bis einschließlich 4. Mai dauern. Damit war für uns Lehrer klar, dass die GESS vorerst geschlossen bleiben würde. Die Kinder waren vor den Osterferien gut auf ein mögliches Homeschooling vorbereitet worden und hatten ihr Schul-iPad schon mit in die Ferien genommen, sodass sie nun problemlos von zu Hause aus an den Unterrichtsinhalten weiterarbeiten können. Da die Schülerinnen und Schüler den Umgang mit diversen Plattformen bereits gut kennen, hält sich die Überforderung in Grenzen. Gerade in den jüngeren Klassen sind aber auch die Eltern gefragt und müssen ihre Kinder an einigen Stellen unterstützen.

Für mich persönlich ist das E-Learning eine neue, aber auch interessante Erfahrung. Ich bin beeindruckt davon, wie gut die Kinder mit der Situation umgehen und sehe für das ein oder andere Kind auch eine gewisse Chance darin, von zu Hause und nicht im Klassenverband zu lernen.

Aber natürlich fehlt der soziale Aspekt. Die Kinder beklagen, dass sie ihre Freunde vermissen. In meiner zweiten Klasse, die ich unter anderem betreue, haben wir deshalb ein „Tratsch-Café“ eingerichtet, in dem sich die Kinder untereinander über Privates austauschen und Bilder oder Videos hochladen können.

Quarantäne

Ich hätte niemals gedacht, dass ich einmal sagen würde, ich vermisse die Schule – aber das tue ich tatsächlich! Mir fehlt mein Unterrichtsalltag sehr, besonders weil ich fast den ganzen Tag in meiner Wohnung bin, die ich glücklicherweise mit meinen drei Mitbewohnern teile. So habe ich jemanden zum Reden, zum Spiele spielen oder um lustige Videos zu drehen.

Seit Beginn der Quarantäne haben wir jede Woche einen kleinen Rückblick in Form eines Films gestaltet. In der sogenannten „Wochenschau“ bekommt man auf lustige Art und Weise einen kleinen Einblick in unser WG-Leben. Aber dennoch gestaltet sich der Alltag sehr eintönig. Für einen sehr unternehmungslustigen Menschen wie mich, der gerne draußen unterwegs ist und neue Sachen erlebt, ist es eine enorm harte Zeit.

Nächtlicher Lichterglanz: Die Fürstenbergerin Sophie Schäfer vor der Skyline von Singapur.

Besonders wenn ich mir Bilder aus der Heimat ansehe, dir mir zugeschickt werden oder in den sozialen Netzwerken kursieren, bekomme ich einen Anflug von Heimweh. Wie gerne würde ich in unseren schönen Wäldern wandern gehen, eine Radtour machen oder mich in den Garten setzen und die frische Landluft genießen, anstatt in meinen vier Wänden auf den Bildschirm meines Laptops zu starren. 

Auch wenn Privatschulen wie die GESS nicht primär den staatlichen Auflagen unterliegen, halte ich es für sehr unwahrscheinlich, dass bereits während des Circuit Breakers der Schulbesuch wieder möglich sein wird. 

Ich hoffe inständig, die Schule noch einmal von innen sehen zu können und mich von den Schülerinnen und Schülern verabschieden zu dürfen, bevor ich Ende Juni zurück nach Deutschland fliege: Denn ich muss sagen, dass mir die Kinder in den letzten Monaten sehr ans Herz gewachsen sind. (SOPHIE SCHÄFER)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare