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Gesundheitsversorgung auf dem Land in Lichtenfels diskutiert

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Die Gesprächsteilnehmer: (von links) MdL Dr. Daniela Sommer, Michael Kraushaar (Arzt), MdB Esther Dilcher, Hilmar Potente, Bürgermeister Henning Scheele, Heike Padberg (Ärztin) und Dr. Jürgen Römer.
Die Gesprächsteilnehmer: (von links) MdL Dr. Daniela Sommer, Michael Kraushaar (Arzt), MdB Esther Dilcher, Hilmar Potente, Bürgermeister Henning Scheele, Heike Padberg (Ärztin) und Dr. Jürgen Römer. © Hans Peter Osterhold

Beim Politik-Talk mit Esther Dilcher und Dr. Daniela Sommer in Goddelsheim ging es um die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten.

Lichtenfels-Goddelsheim – Mit Esther Dilcher (SPD-Bundestagsabgeordnete), Dr. Daniela Sommer (SPD-Landtagsabgeordnete) und Henning Scheele (Bürgermeister Lichtenfels) waren unterschiedliche politische Ebenen vertreten. Heike Padberg, Ärztin aus Goddelsheim und Michael Kraushaar, Arzt in der Sauerlandpraxis, sprachen über ihre Situation in Hausarztpraxen auf dem Lande.

„Den Landarzt, der rund um die Uhr für die Patienten da ist, gibt es nur noch im Fernsehen“, sagte Hilmar Potente, Vorsitzender der SPD Lichtenfels, zur Begrüßung. Allerdings habe man in Lichtenfels auch noch solch eine Ärztin. Zukünftig müssten aber neue Modelle entwickelt werden, um ärztliche Nachfolgen zu regeln, denn das sei ein riesiges Problem. Dann gab es eine muntere Gesprächsrunde, die von Dr. Jürgen Römer vom Landkreis moderiert wurde.

Einflussmöglichkeiten der Bundespolitik gebe es möglicherweise über Haushaltszuweisungen, sagte Esther Dilcher. Daniela Sommer wies auf die Ungleichheiten zwischen Stadt und Land hin und betonte ihre Kontrollfunktion als Opposition im Landtag. Bürgermeister Scheele sieht auch die Kommune in der Pflicht, sich bei der Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität einzubringen, Wasser und Gesundheit seien Grundpfeiler der Daseinsvorsorge.

„Strukturen nicht an Realität angepasst“

Heike Padberg meinte, die Strukturen seien nicht der Realität angepasst. Der Landarztmangel sei ein riesiges Problem. „Ich übe meinen Beruf gerne aus, vieles ist auf dem Land angenehmer als in der Stadt“, erklärte sie.

Michael Kraushaar betreibt mit seinen Kollegen Hausarztpraxen an drei verschiedenen Orten. Ihn stört vor allem das aufwendige Abrechnungssystem, das viel Zeit in Anspruch nehme, die dann für die Patienten fehle. Hier kam von vielen Seiten Kritik an den Systemen der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) auf, die sowohl die Versorgung mit Arztpraxen bestimmten sowie auch die Abrechnungsmodalitäten.

Kritik an Abrechnungsmodalitäten

Liegt ein Arzt über dem landesweiten Durchschnitt bei seiner Abrechnung, muss er Honorare zurückzahlen. „Die Fragen, nach dem, was die Menschen brauchen, ist nicht Basis der KV“, so Sommer. Bürgermeister Scheele forderte Berechnungen der Arztpraxen nach Fläche und nicht nach Einwohnerzahlen und betonte: „Man muss auch über andere Geschäftsmodelle nachdenken können.“ Die Praxis Padberg sei nur mit Ausnahmegenehmigung zugelassen worden, weil die Region angeblich mit Ärzten „überversorgt“ sei.

„Patientinnen und Patienten wollen, dass ich Zeit für sie habe, danach gestalten wir unsere Praxisorganisation“, so Michael Kraushaar. Auch müsse man die „Work-Life-Balance“ der Ärzte nicht aus dem Blick verlieren. „Ich brauche auch mal Feierabend“. Dafür brauche man aber eine verbesserungsfähige Notruforganisation. Die KV und die Politik arbeiteten nicht effektiv zusammen, sagte Heike Padberg, das sei ein Grundproblem.

„Politik muss mehr steuern“

Da habe das Land eigentlich eine Aufsichtspflicht, so Daniela Sommer. „Die Geister, die wir gerufen haben, werden wir nicht mehr los“. Rede- und Diskussionsbeiträge aus dem Publikum unterstützten diese These ebenfalls und die Forderung, dass die Politik mehr steuern müsse. Eine muntere und spannende Diskussion zu einem aktuellen Thema erlebten gut 20 Lichtenfelser Bürgerinnen und Bürger am Mittwochabend, die allerdings in Teilen ohne überlange Anmoderationen etwas kompakter hätte ausfallen können. (Von Hans Peter Osterhold)

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